Er ist bereits perfekt in diese Rolle hineingewachsen

Kultur / 31.07.2017 • 21:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schon ein Traditionstermin: Wiener Kammermusiker während der Festspielzeit im Rittersaal des Palastes in Hohenems. Foto: JU
Schon ein Traditionstermin: Wiener Kammermusiker während der Festspielzeit im Rittersaal des Palastes in Hohenems. Foto: JU

Wiener Kammermusiker mit dem Vorarlberger Geiger Matthias Honeck im Rittersaal.

HOHENEMS. In einer gut aufeinander eingespielten Oktettbesetzung präsentierten sich die Wiener Kammermusiker aus Mitgliedern der Wiener Symphoniker jüngst bei ihrem fünften Sommerkonzert im Rittersaal des Palastes. Konzertmeister Matthias Honeck (32) hatte auch diesmal ein sicheres Händchen bei der Programmgestaltung und fand damit begeisterte Zustimmung beim zahlreichen Publikum, darunter auch Vater Manfred Honeck auf Heimaturlaub aus den USA.

Diese inzwischen hier etablierte Konzertreihe lässt Erinnerungen an die Festspiel-Vergangenheit des Palastes wach werden, wo in den Siebzigern aus dem Hof eine Reihe kapriziöser Haydn-Opern im Fernsehen übertragen wurde und der Rittersaal Schauplatz hochkarätiger Kammerkonzerte war. Zumindest diese werden nun von den Wiener Kammermusikern mit ihrer über 40-jährigen Tradition fortgeführt, wenn auch nicht mehr im Rahmen der Festspiele, sondern in Eigenregie mit Unterstützung der Grafen-Familie Waldburg-Zeil, der Stadt Hohenems und von Sponsoren. Es ist eine Art „Familienunternehmen“ mit Bruder Manuel, dem Fußballer, als organisatorischem und Matthias als künstlerischem Leiter. Dieser nutzt als Geiger der Symphoniker deren Verpflichtung bei den Festspielen als willkommene Auszeit in der alten Heimat, die er mit seiner Familie – der aus Frankreich stammenden Gattin Delphine und den vier Kindern zwischen acht Jahren und elf Monaten – als Großfamilie im Haus der Eltern in Altach verbringt. Nach den Premieren und diesem Konzert bleibt dem begeisterten Familienmenschen nun auch mehr Zeit für Privates.

Solistisch

Reizvolle Serenadenmusik, nicht zu schwer, nicht zu abgedroschen, dafür von hoher Qualität, steigert sich im ersten Teil vom Duo bis zum Quintett und gibt den einzelnen Musikern Gelegenheit, sich in kleinerer Besetzung solistisch zu profilieren. Das sind in einem originell besetzten Rossini-Duo Michael Günther, Violoncello, und Martin Kabas am Kontrabass als einziger Vorarlberger außer Honeck im Ensemble. Als fein abgestimmtes Streichtrio präsentieren sich Matthias Honeck und Stefan Pöchhacker, Violinen, und der Bratschist Roman Bernhart mit einer Serenade von Kodály, gemeinsam mit den tiefen Streichern im Quartett und Quintett von Dvorák. Ihre Geläufigkeit am Instrument demonstrieren in einem Trio von Crusell der Klarinettist Reinhard Wieser, Josef Eder am Horn und die Japanerin Ryo Yoshimura am Fagott.

Makellos

Der zweite Programmteil vereint dann die Musiker gut gelaunt zum Oktett mit ausgewählten Schmankerln der Strauß-Dynastie in maßgeschneiderten Arrangements eines befreundeten Musikers. Dabei darf bei diesen kleinen Kostbarkeiten nichts Wesentliches verloren gehen, vor allem nicht der Geist dieser Musik. Das viel strapazierte Repertoire entsteht hier in kammermusikalischer Transparenz auf eine neue, delikate Art, mit stärkerer Betonung der Struktur als in der großen Orchesterfassung. Zwar wird das Signal in Suppés Ouvertüre „Leichte Kavallerie“ in Ermangelung einer Trompete einfach der Klarinette zugewiesen, doch der lockere Reiterrhythmus kommt unverändert zur Wirkung. Und in der schmachtenden Polka mazur „In der Ferne“ von Josef Strauß oder in Schanis Walzer „Rosen aus dem Süden“ darf man sich gefahrlos auch kleine agogische Freiheiten erlauben, so kompakt wirkt dieses Ensemble. Matthias Honeck aber ist in fünf Jahren perfekt in seine Führungsrolle hineingewachsen, die er auch beim philharmonischen Advent der „Streichersolisten“ in Schwarzenberg übernommen hat, überzeugend auch in seinen makellosen Solostellen.