Fortsetzung fürs Lebenswerk

Markt / 31.07.2017 • 23:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
2400 Unternehmer stehen in den kommenden Jahren vor der Entscheidung über die Zukunft ihrer Firma.
2400 Unternehmer stehen in den kommenden Jahren vor der Entscheidung über die Zukunft ihrer Firma.

Rund zehn Prozent aller Unternehmen stehen in den nächsten sechs Jahren zur Disposition.

Schwarzach, Wien. Bis 2023 stehen in Vorarlberg 2400 Unternehmen vor der Entscheidung, wie es weitergehen soll. Alle werden sicher nicht weitergeführt, aber Ökonomen werden nicht müde, darauf hinzuweisen, wie wichtig es volkswirtschaftlich wäre, dass möglichst viele dieser Betriebe auch weiterhin bestehen. Und das Gründerservice der Wirtschaftskammer tut alles, damit möglichst viele Nachfolgen auf den Weg gebracht werden, so Heike Müller von der Interessenvertretung. In Vorarlberg sind das rund zehn Prozent aller Betriebe (die VN berichteten). Im Jahr 2015 konnten rund 240 Übergaben – sei es in der Familie, im Unternehmen oder an Außenstehende – durchgeführt werden, für 2016 wird mit einer ähnlichen Größenordnung gerechnet.

Betriebe und Freiberufler

Nach einer aktuellen Analyse des Wirtschaftsinformationsdiensts Bisnode D&B sind damit in Österreich in den kommenden fünf Jahren sogar rund 87.870 Unternehmen konfrontiert, die KMU Forschung Austria spricht von 45.700. Die Differenz ist leicht erklärt: Bisnode hat nämlich nicht nur gewerbliche Betriebe, sondern auch Kanzleien und Büros von Freiberuflern, die nicht in der Wirtschaftskammer organisiert sind, in die Berechnung miteinbezogen. Bisnode betont denn auch, dass vor allem Einzelunternehmen und – nach Branchen betrachtet – der Gesundheitsbereich sehr stark betroffen sind.

Tourismus führend

Bei den in Vorarlberg anstehenden Nachfolgen führen mit 32,1 Prozent die Tourismus- und Freizeitbetriebe, 23,7 Prozent sind dem Gewerbe und Handwerk zuzurechnen, 22,7 Prozent dem Handel und 15,9 Prozent der Sparte Information und Consulting.

Bei Unternehmern herrscht, da sind sich die Nachfolge-Fachleute einig, oft zu wenig Wissen darüber, wie dem eigenen Lebenswerk eine langfristige Perspektive gegeben werden kann, zuweilen existiert aber auch kein Plan für eine Weiterführung.  Wenn ein Unternehmer mit 65 Jahren in Pension gehen wolle, müsse er sich spätestens mit 60 Jahren um seine Nachfolge kümmern. Werde der richtige Zeitpunkt verpasst, könne dies zur Auflösung der Firma führen. Damit gingen Arbeitsplätze, Know-how, Kapital und Steuereinnahmen verloren. Um das zu verhindern, bietet die Wirtschaftskammer, so Müller, ein ganzes Bündel an Leistungen sowohl für potenzielle Übergeber wie auch für Übernehmer an. „Das beginnt bei persönlichen Beratungen und Gesprächen zu individuellen Maßnahmen. Für weiterführende Beratungen vermitteln wir Unternehmensberater, das funktioniert sehr gut.“ Es gibt aber auch Nachfolgesprechtage und -veranstaltungen. Schließlich könne man auch im Internet unter www.nachfolgeboerse.at kostenlos und anonym inserieren.

Nachfolgedruck

Bei Einzelfirmen habe mehr als ein Fünftel (über 21 Prozent) einen Inhaber, der 60 Jahre oder älter sei. Bei den Unternehmensformen GmbH und Kommandit- bzw. Offene Gesellschaft seien es je 14 Prozent, die mehrheitlich unter Kontrolle von Personen sind, die in den nächsten fünf Jahren in Pension gehen dürften. Eine Branche steht übrigens österreichweit laut Bisnode besonders unter „Nachfolgedruck“: „Die Branche mit der absolut höchsten Anzahl an potenziellen Nachfolgeproblemen ist der Gesundheitsbereich mit mehr als 8700 betroffenen Unternehmen, von der Arztpraxis bis zur selbstständigen Krankenpflege“, schreibt der Wirtschaftsinformationsdienst.

Ost-West-Gefälle

Bei der Nachfolge gibt es ein klares Ost-West-Gefälle. Auf Wien entfallen 21 Prozent, auf Niederösterreich rund 19 Prozent und auf Oberösterreich 14 Prozent. In Vorarlberg sind es laut KMU-Forschung bei gewerblichen Betrieben zehn Prozent.

Wir bieten sowohl Übergebern als auch Übernehmern persönliche und ausführliche Beratung an.

Heike Müller, WKV