Trauer um französische Filmlegende Moreau

Menschen / 31.07.2017 • 22:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Schauspielerin Jeanne Moreau im Jahr 2008 bei den Filmfestspielen von Cannes.Foto: AFP
Schauspielerin Jeanne Moreau im Jahr 2008 bei den Filmfestspielen von Cannes.Foto: AFP

Die französische Schauspielerin Jeanne Moreau ist tot. Sie starb im Alter von 89 Jahren.

Paris. Liebeshungrig, rachsüchtig, unnahbar und verletzlich – Jeanne Moreau wusste jedes Register zu ziehen und überraschte immer wieder mit ihrer Verwandlungsfähigkeit. „Ich lebe in den Filmen, in denen ich spiele. Die Rollen bewohnen mich“, erklärte die Diva ihre einzigartige Karriere. Nun ist Moreau im Alter von 89 Jahren in Paris gestorben.

Moreau spielte mit Überzeugung und Hingabe. Unvergesslich ist ihre Rolle in dem Film „Fahrstuhl zum Schafott“ von Louis Malle. Der Krimi, in dem sie mit ihrem Geliebten ihren Ehemann beseitigt, brachte ihr den Durchbruch als Schauspielerin. Malle hatte Moreau in Tennessee Williams Theaterstück „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ des Regisseurs Peter Brook entdeckt. Denn die grazile Pariserin war bereits ein Star des französischen Theaters, bevor ihre Leinwandkarriere begann. Mit 20 Jahren war sie eine der jüngsten Schauspielerinnen, die in die ehrwürdige Comédie française aufgenommen wurde.

Zum internationalen Star machte sie fünf Jahre später François Truffaut, ein weiterer Nouvelle Vague-Vertreter. In seiner Dreiecksgeschichte „Jules und Jim“ spielt sie grandios die Catherine, eine unabhängige Frau, die zwei Männer liebt.

Verwandlunsgfähig

Moreau brauchte das Kino – und das Kino sie. Sie drehte mit allen großen internationalen Regisseuren: angefangen von Michelangelo Antonioni, Orson Welles bis hin zu Wim Wenders, Rainer Werner Fassbinder und François Ozon. Moreaus Verwandlungsfähigkeit hat sie alle fasziniert. Der Regisseur Joseph Losey nannte ihr Talent, in die unterschiedlichsten Rollen zu schlüpfen, sogar ein Wunder. Moreau spielte alles, je nach Film und Drehbuch. Sie war melancholisch, unnahbar, verführerisch, unabhängig, lebensfroh, verletzlich, gerissen und heimtückisch. Am meisten haftete ihr jedoch das Klischee der „Femme fatale“ an. Ihr breitgefächertes Repertoire offenbart ihr Talent, aber auch einen ihrer wichtigsten Charakterzüge: ihre Unabhängigkeit.

Moreau hatte sich nie auf vorgeschriebenen Bahnen bewegt – auch privat nicht. Mit ihrer Kratzstimme, den vollen Lippen und heruntergezogenen Mundwinkeln war sie der Schwarm einer ganzen Männergeneration. Sie war zwei Mal verheiratet und hatte viele Liebhaber. Sie habe viele Männer verführt, sie habe sich jedoch immer von Männern mit Talent angezogen gefühlt, gestand sie einst. Denn das Wichtigste im Leben sei – zu leben.