„Zutiefst soziales Anliegen“

Vorarlberg / 31.07.2017 • 20:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Psychiater und Russ-Preis-Träger Albert Lingg steht hinter Initiative „vau hoch drei“.

Lustenau. Die überparteiliche Initiative „vau hoch drei“, die sich im Frühjahr gründete und hinter der Experten, Bürgermeister und Architekten stehen, darf sich über einen weiteren prominenten Fürsprecher freuen. Der langjährige Chefarzt im Landeskrankenhaus Rankweil und Russ-Preis-Träger Albert Lingg befürwortet den „Schulterschluss unterschiedlicher Entscheidungsträger“, die sich, wie mehrfach berichtet, für eine gemeinwohlorientierte Raum­entwicklung einsetzen. „Wohnen und der engere sowie weitere Lebensraum haben weit mehr Einfluss auf die Befindlichkeit und den Stresspegel der Menschen, als uns bewusst ist“, sagt Lingg.

Weg in die Armut

Aus psychohygienischer Sicht stellt sich das Problem als vielschichtig dar. „Dass enorm gestiegene Kosten fürs Wohnen bis in die Armut und soziale Ausgrenzung führen können, legt etwa der jährliche Bericht des Dowas nahe“, nennt Albert Lingg ein Beispiel. Dies könne er aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Chefarzt einer psychiatrischen Krankenanstalt bestätigen. „Das Thema Beschaffung einer leistbaren Wohnung war zunehmend ein Hauptproblem für unsere Sozialdienste und vor allem ein wesentlicher Stressfaktor für die Betroffenen“, führt Lingg weiter aus. Doch gerade was den Wohnungsmarkt betreffe, sei eine Schieflage entstanden. Hier müsse politisch an großen Schrauben gedreht werden, fordert der Psychiater.

Baulandhortung

Denn: „In Vorarlberg wird Bauland von wenigen Wohlhabenden gekauft und gehortet.“ Dies sei nicht nur ein wesentlicher Kritikpunkt der Initiative, sondern führe auch in weiten Teilen der Bevölkerung zu Missfallen, Unzufriedenheit und Unfrieden. „In gemeinwohlorientierter Raumentwicklung besteht dringender Handlungsbedarf. Vor allem das Schaffen ausreichend leistbaren Wohnraums und die Förderung neuer Wohnformen, die gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung tragen, sind vorrangig. Allerdings ist auch ein Umdenken der Menschen selbst notwendig, um von tief verwurzelten Einstellungen wegzukommen“, meint Albert Lingg. Als ein in der Alterspsychiatrie engagierter Arzt habe er nämlich häufig mitansehen müssen, wie sehr alte Menschen an ihren oft mit großen Opfern gebauten „Lebenshäusern“ hängen. Daraus würden jedoch Überforderung und Vereinsamung mit gravierenden Folgekrankheiten wie Depressionen oder ein rascherer Demenzverlauf resultieren. Die Initiative „vau hoch drei“ setze sich also für ein zutiefst soziales Anliegen ein.

Alte Menschen hängen sehr an ihren Lebenshäusern.

Albert Lingg