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Markt / 01.02.2018 • 22:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Industrie fordert eine leichtere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Industrie fordert eine leichtere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Industrie fordert im Kampf gegen Fachkräftemangel Ausbau der Kinderbetreuung ein.

Dornbirn Familie und Beruf zu vereinbaren ist an sich schon keine einfache Aufgabe. Aber man könnte es den Eltern zumindest leichter machen, finden die Vertreter der Vorarlberger Industrie. „Die bestens ausgebildeten Frauen und Männer in Vorarlberg dürfen nicht durch fehlende Betreuungsplätze oder unbrauchbare Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen in ihren beruflichen Karrieren behindert werden“, sagt Spartenobmann Georg Comploj. Die Unternehmen würden mit immer individuelleren Arbeitszeitregelungen vorangehen, nun sei die öffentliche Hand mit ihrem Betreuungsangebot gefordert. Dieses müsse verbessert und ausgebaut werden. „Wenn eine Betreuung um 16.00 Uhr endet, ist es keine Betreuung“, so Comploj. Vielmehr würden Öffnungszeiten bis mindestens 17.30, bestenfalls bis 18.00 Uhr, den Anforderungen von Berufstätigen gerecht werden.

Dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Vorarlberg schwierig ist, hat unlängst auch der von AK und Statistik Austria entwickelte Vereinbarkeitsindikator bestätigt. Dessen Kriterien erfüllen nur 26 Prozent der Kinderbetreuungseinrichtungen im Land. Heißt, Öffnungszeiten von wöchentlich 45 Stunden, an vier Tagen mindestens 9,5 Stunden pro Tag. Zudem darf nicht an mehr als 25 Tagen pro Jahr geschlossen sein. Denn – auch wenn das Angebot an Kinderbetreuung ausgebaut wird und heuer 400 zusätzliche Plätze in Planung sind – Kindergärten in Vorarlberg sind durchschnittlich fast 40 Tage im Jahr geschlossen. Eine Herausforderung für berufstätige Eltern.

Mentalitätswandel notwendig

Neben dem Ausbau des Angebots plädiert Mathias Burtscher, Geschäftsführer der IV, auch für einen Mentalitätswandel. „Es darf nichts Verwerfliches mehr sein, wenn die eigenen Kinder während der Woche extern betreut werden. Das Potenzial von Müttern, die sich bei entsprechenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten für einen früheren Wiedereinstieg ins Berufsleben entscheiden würden, ist enorm. Ganz entscheidend wären auch Ferienbetreuungen, hier hinkt Vorarlberg stark hinterher.“

Für die Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung ist der Ausbau der Kinderbetreuung eine wesentliche Maßnahme gegen den Fachkräftemangel. Zwar werden in der Vorarlberger Industrie derzeit mit 1535 Nachwuchskräften so viele Lehrlinge wie noch nie ausgebildet, aber dennoch bleibe die Situation angespannt. Und der Mangel werde durch bevorstehende Pensionierungen der sogenannten Babyboomer noch deutlich verschärft. Es gebe viele Unternehmen im Land, die aufgrund des Fachkräftemangels Geschäftsbereiche in Länder wie Polen oder Tschechien auslagern, sagt Spartenobmann Comploj. Das seien keine Einzelfälle, vielmehr könne man bereits von einem Trend sprechen.

Branche auf erfolgreichem Weg

Denn Arbeit gibt es in den Vorarlberger Industriebetrieben genug, wie die aktuelle Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2017 zeigt. Der Geschäftsklimaindex, der die aktuelle Geschäftslage wie auch die Einschätzung für die kommenden sechs Monate zusammenfasst, hat sich auf den drittbesten Wert der vergangenen fünf Jahre verbessert. Auch die Auslandsaufträge und der Auftragsbestand werden von den Vorarlberger Industriebetrieben positiv beurteilt. Die Mehrheit spricht von einer guten Ertragssituation, zugleich hat sich auch der Druck auf die Verkaufspreise leicht entspannt. Positive Nachrichten, die dazu führen, dass 40 Prozent der Befragten zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen. In der Metalltechnischen Industrie, dem Träger der guten Konjunktur, sind es sogar 60 Prozent, wie Industrie-Geschäftsführer Michael Amann erklärt. Insgesamt bleibt die heimische Industrie also auf Erfolgskurs. Die Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, bleibt aber bestehen. VN-reh

„Wenn eine Kinderbetreuung um 16 Uhr endet, ist es keine Betreuung.“