Wie Dickhornschafe grinsen

Wissen / 02.02.2018 • 15:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dieses Dickhornschaf wurde in Arizona fotografiert. AP
Dieses Dickhornschaf wurde in Arizona fotografiert. AP

Kameras sollen helfen, Daten von Wildtieren zu sammeln.

Cheyenne Wie grinst ein Dickhornschaf in die Kamera? Auch in der Tierwelt scheint es charismatische Wesen zu geben, die genau wissen, wie man sich in Pose wirft. Eingefangen werden solche besonderen Momente von Wildtierkameras, die von Bewegungen ausgelöst werden. Und während diese Kameras immer kleiner, preiswerter und zuverlässiger werden, nutzen sie Forscher in den USA zunehmend, um scheue Tiere vor die Linse zu bekommen. „Ohne Zweifel – das ist ein unglaubliches Instrument, um Daten über Wildtiere zu sammeln“, sagt Grant Harris, ein Biologe der US-Fisch- und Wildtierbehörde aus Albuquerque im Staat New Mexiko. In der Wildnis aufgestellte Kameras haben auf diese Weise bereits alle möglichen Tiere aufgenommen, von kleinen Ozelots in der Wüste bis hin zu Luchsen hoch oben in den Rocky Mountains.

Harris verweist auf Fotos von Nabelschweinen und Nasenbären, die in den vergangenen Jahren auf höheren Breitengraden gemacht wurden. Dies könnte bedeuten, dass sich ihr Lebensraum wegen der Klimaerwärmung in Richtung Norden ausbreitet.

Auch Forscher der Wyoming-
Migration Initiative nutzen neben GPS-Daten Kameras zur Fernüberwachung, um Bewegungsmuster von Elchen, Hirschen und Antilopen im Yellowstone-Nationalpark aufzuzeichnen. Doch es stünden nur eine bestimmte Anzahl von GPS-Halsbändern zur Verfügung, sagt Matthew Kauffman von der Universität von Wyoming, Direktor der Initiative.

Damit sei die Zahl der GPS-Daten begrenzt, die gesammelt werden könnten. „Man sieht, dass ein Tier wandert. Man sieht nicht, ob es allein wandert, ob es mit einem Kalb wandert, oder ob es mit 40 anderen Tieren wandert“, sagt Kauffman. Kameras im freien Gelände, die dort für Tage, Wochen oder gar Monate bleiben, helfen, diese Wissenslücken zu füllen.

Tierisches Verhalten

Videokameras in der Wildnis können auch Einzelheiten über tierisches Verhalten enthüllen, wie etwa quäkende Töne, die wandernde Maultierhirsche von sich geben. Und Livestreams von Tieren wie Bisons in Kanada oder den Unterwasser-Seetangwäldern vor der kalifornischen Küste sind immer beliebt.

Doch wie jeder menschliche Eingriff in die Natur haben auch die Kameras in der Wildnis eine Kehrseite. In einigen Fällen wurden die Kameras von Vielfraßen und Bären angegriffen – ob aus Neugier oder aus Aggression, das ist schwer zu sagen.

Zudem entwickelten sie sich zuletzt zu einem beliebten Hilfsmittel für Jäger auf der Suche nach Beutewild. Das löste eine Debatte über ethische Grundsätze einer fairen Jagd aus. Und dann ist da noch das subjektive Argument, dass man in der Natur seine Ruhe finden und allem Menschlichen entkommen können sollte – einschließlich Überwachungskameras.

Um aber auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Ein grinsendes Dickhornschaf sagt vermutlich beim Blick in die Kamera nicht „cheese“, sondern es flehmt, wittert also Pheromone und andere Gerüche durch sein leicht geöffnetes Maul.