Harald Walser

Kommentar

Harald Walser

Braune Geister

Vorarlberg / 04.02.2018 • 19:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bundeskanzler Sebastian Kurz wird die braunen Geister, die er gerufen hat, nicht los. Fast täglich tauchen aus der FPÖ übelriechende Sumpfblüten auf.

In Graz war letzte Woche ein angehender FPÖ-Gemeinderat wegen seiner Verbindungen zu den rechtsextremen „Identitären“ in Erklärungsnot gekommen. Ebenfalls letzte Woche wurde bekannt, dass viele von der FPÖ nominierte Universitätsräte eigentlich ein Fall für den Verfassungsschutz und nicht für einen gut gepolsterten Sitz im Aufsichtsrat einer österreichischen Universität sind.

Ein Beispiel: Werner Kuich schreibt seit Jahrzehnten in rechtsextremen Postillen, propagiert ganz offen seine braune „Vererbungslehre“ und bejammerte 2010, dass „das deutsche Volk“ „auf der Straße zum Volkstod schon ein beträchtliches Stück fortgeschritten“ sei. Kuich war Redner beim Begräbnis des Antisemiten Taras Borodajkewycz und unterstützte die Präsidentschaftskandidatur des „Erb- und Rassenbiologen“ sowie SA-Sturmbannführers und späteren FPÖ-Nationalratsabgeordneten Otto Scrinzi. Soll so einer 2018 wirklich in eine hohe Funktion einer österreichischen Universität gelangen?

Dass neben Kuich auch andere blau-braune Kandidaten bei der anstehenden Bestellung von 60 Universitätsräten vorgesehen sind, führte zu einem Aufschrei der Rektorinnen und Rektoren. Es ist zu hoffen, dass dieser von Bildungsminister Heinz Faßmann auch gehört wird.

Und Vorarlberg? Da nutzt dem FPÖ-Landesvorsitzenden Reinhard Bösch auch der übermäßige Konsum von Kreide nur wenig, sein VN-Interview machte dennoch deutlich, welch Geistes Kind er ist.

Die „Ehe für alle“ ist für Bösch ein „Auswuchs“, und er huldigt mit seiner Burschenschaft „dem einigen und einzigen Deutschland“ – wenig überraschend für das Mitglied der als rechtsextrem eingestuften Burschenschaft „Teutonia“, aber inakzeptabel für den Abgeordneten einer Regierungspartei.

Es ist da fast schon selbstverständlich, dass Bösch das Desertieren aus der Deutschen Wehrmacht nach wie vor nicht entschuldigen will und überhaupt das Verbrecherische an der Deutschen Wehrmacht nicht erkennen kann. Kleine Nachhilfe: Die Wehrmacht führte Angriffs- und Vernichtungskriege durch, war beteiligt an der Ermordung von Zivilisten bis hin zum Holocaust und terrorisierte auch die eigenen Soldaten: NS-Militärrichter verkündeten mehr als 30.000 Todesurteile. Die USA vollstreckten im selben Zeitraum ein einziges.

Werden Österreich durch die blaue Regierungsbeteiligung unangenehme Diskussionen auch in den kommenden Wochen nicht erspart bleiben? Es ist zu befürchten. Und Sebastian Kurz hat es zu verantworten.

„Fast täglich tauchen aus der FPÖ übelriechende Sumpfblüten auf.“

Harald Walser

harald.walser@vn.at

Harald Walser ist Historiker, ­ehemaliger Abgeordneter zum ­Nationalrat und AHS-Direktor.