Syrien und kein Ende

Politik / 04.02.2018 • 22:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Türkei unterstützt Kämpfer im Syrien-Krieg. RTS
Die Türkei unterstützt Kämpfer im
Syrien-Krieg. RTS

Neue Kämpfe aller gegen alle in Idlib und Afrin.

Wien Syrische Islamisten haben Ende der Woche beim nordwestlichen Idlib einen russischen Kampfbomber abgeschossen. Der Pilot konnte sich zunächst im Schleudersitz retten, wurde aber nach der Landung abgeschlachtet. Am Sonntag folgten massive Vergeltungsschläge der Russen. Es gab schon seit 2015 Verbindungen zwischen Syriens Islamistenszene und der antirussischen Guerilla im Nordkaukasus. Weder Wladimir Putin noch sein Verbündeter in Damaskus, Baschar al-Assad, hatten aber jetzt damit gerechnet, dass die letzten syrischen Muslim-Rebellen über Boden-Luft-Raketen verfügen.

Dem jetzt involvierten Al-Kaida-Ableger Al-Nusra wurde Ende 2016 bei Wiedergewinnung Aleppos durch die Regierungstruppen mit ihren zivilen Anhängern freier Abzug gewährt. Unter dem neuen Namen „Syrische Befreiungsfront“ (kurz: Dschabhat) reorganisierte sich die Terrormiliz. Sie erlangte dabei auch Einfluss innerhalb der türkischen Söldnertruppe „Freie Syrische Armee“ (FSA).

Nachdem im kasachischen Astana mit anderen syrischen Gebieten auch Idlib zur „Deeskalations-Zone“ erklärt war, marschierten dort letzten Oktober türkische Truppen ein. Sie errichteten nach eigener Darstellung „Beobachtungsposten“. Bald aber mehrten sich Geheimdienst-Erkenntnisse über eine zunehmend gemeinsame Sache der Türken mit der islamistischen Befreiungsfront. Bezeichnend für den Krieg in Syrien mit seinen oft völlig widersprüchlichen Interessenverflechtungen. Am klarsten ersichtlich ist das bei Präsident Erdogans Nadelstichen gegen seine alten US- und neuen Kremlpartnern am syrischen Kriegsschauplatz. Nachdem die Amerikaner der Türkei dort schon länger vorwarfen, den Islamisten nicht nur freie Hand zu gewähren, sondern sie auch militärisch zu unterstützen, griffen nun auch Assad und Putin in Idlib ein. Sie haben nicht mit so erbittertem Widerstand bis hin zum Abschuss des russischen Jets gerechnet.

Noch gibt es nur unbestätigte Gerüchte, dass die dafür verantwortliche Lenkwaffe aus der Türkei zur „Dschabhat“ gelangt sein soll. Hingegen ist schon erwiesen, dass Ex-Kaida-Dschihadisten die Reihen der türkischen Truppen und ihres Ablegers FSA gegen die dortigen Kurden und aramäischen Christen verstärken. In Hilferufen von Gemeinden aus Afrin wird über christenfeindliche Übergriffen geklagt. Papst Franziskus, der Erdogan am Montag in Rom treffen wird, wird dafür kaum Sympathie zeigen.