Locker und fokussiert – bereit für den Lauf des Lebens

Sport / 05.02.2018 • 22:55 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Vor der Abreise nach Südkorea gab es für Alessandro Hämmerle (r.) und Markus Schairer noch heimatliche Präsente.VN/Stiplovsek
Vor der Abreise nach Südkorea gab es für Alessandro Hämmerle (r.) und Markus Schairer noch heimatliche Präsente.VN/Stiplovsek

Dabei sein interessiert nicht, Schairer und Hämmerle peilen olympisches Edelmetall an.

St. Gallenkirch High Noon im Montafon, noch wenige Tage bis zur Eröffnung der 23. Winterspiele in Pyeongchang. Gerade vom Weltcup am Feldberg heimgekehrt, tanken Markus Schairer und Alessandro Hämmerle noch einmal Kraft in der Heimat. Zeit auch für kleine Präsente, die den beiden anlässlich einer familiär anmutenden Verabschiedung im Hotel Adler in St. Gallenkirch mit auf den Weg gegeben werden. Die VN baten Vorarlbergs Medaillenhoffnungen vor dem Abflug noch einmal vor den Vorhang und erfuhren Überraschendes. So etwa planen sowohl Schairer als auch Hämmerle die Rückkehr nur einen Tag nach ihrem Auftritt (15. Februar) in Südkorea.

Die Frage sei erlaubt: Was macht Olympische Spiele so besonders?

Schairer Pierre Vaultier hat es einmal treffend formuliert: Das Volk sorgt für diesen Hype. Für uns ist es ein Rennen wie jedes andere. Eigentlich sogar leichter zu gewinnen wie jedes Weltcuprennen. Es sind ja nur vier Fahrer von jeder Nation startberechtigt. Im Weltcup warten, übertrieben gesagt, gleich 13 Amerikaner auf dich.

Hämmerle Sicherlich spürt man diesen Hype. Der kann dich gar nicht verfehlen. Aber Markus hat es ganz gut getroffen. Es ist das Drumherum – und natürlich die Zeitspanne. Du hast nur alle vier Jahre die Möglichkeit für dieses Rennen.

Pyeongchang, was ist der erste Gedanke dabei?

Schairer Erinnert mich an die Weltmeisterschaft 2009. Es war zwar nicht in Pyeongchang, aber das Land ist dasselbe. Meine Generalprobe im Vorjahr habe ich zwar verpatzt, aber vor Sotchi hat Izzy gewonnen und ich war Zweiter, und danach lief es bei Olympia gar nicht. Vielleicht passiert es jetzt ja andersrum.

Hämmerle Eine gute Strecke.

Wie würdet ihr euch beide beschreiben. Seid ihr auf dem Snowboard eher der emotionale oder der rationale Fahrer?

Schairer Ich glaube, ich werde immer mehr emotional. Das habe ich gerade am Wochenende wieder gemerkt. Es ist einfach so viel Herzblut für den Sport bei jedem dabei. Für mich waren gerade die vier Wochen nach dem Podium im Montafon relativ zäh. Ich habe einfach kein Ergebnis mehr zusammengebracht und ich habe es mir auch schon nicht mehr zugetraut, dass ich schnell sein kann. Das hat mich relativ weit hinuntergezogen, auch weil ich gewusst habe, dass die Strecken, die auf uns gewartet haben, unter 45 Sekunden waren. Deshalb war die Quali in Feldberg wichtig, als ich gesehen habe, dass ich noch schnell bin. Wenn das Momentum passt, dann kann ich ganz vorne mitfahren. Zumal die Olympiastrecke ja gut eineinhalb Minuten lang ist.

Hämmerle Ganz klar der emotionale Fahrer. Als Sportler arbeitest du ja das ganze Jahr für die positiven Momente. Davon hatte ich im Winter ja schon einige, auch wenn das vergangene Wochenende für mich nicht so gut gelaufen ist. Aber im Grunde bin ich sehr positiv gestimmt. Der Speed passt jedenfalls.

Wer von euch beiden hat einen Glücksbringer im Gepäck nach Südkorea?

Schairer Ich nicht, ich habe noch nie einen gebraucht und noch nie einen gewollt. Wenn es darauf angekommen ist, dann habe ich es ohne geschafft. Natürlich schätzen wir die Geschenke sehr, aber der Glaube daran ist nicht da. Hingegen bin ich sehr abergläubisch. Es ist fast wie bei Nadal, der sich nicht auf eine Linie treten traut. So hat jeder von uns sein Ritual.

Hämmerle Nein, Glücksbringer habe ich keinen. Zwar würde ich ab und zu gerne ins Abergläubische verfallen und ziehe den linken Socken zuerst an, doch dann mache ich ganz bewusst das Gegenteil. Damit will ich beweisen, dass es auch funktioniert, wenn ich den rechten zuerst anziehe . . .

Und wie steht es mit Ritualen?

Schairer Ich habe ganz viele Rituale. Viele kleine, die mir eigentlich erst bewusst werden, wenn ich nachdenke. Bei mir passiert es einfach, ohne dass ich darauf achte. Bis auf eines: Wenn ich einmal in einem Wettkampf bin, dann achte ich darauf, dass meine Skiunterwäsche nicht mehr gewechselt wird.

Hämmerle Ich denke, sie geben dir schon einen Rückhalt, etwa im Tagesablauf. Für mich ist es wichtig, dass ich am Morgen erst frühstücke und mich dann erst startklar herrichte.

Abseits des Rennens, gibt es noch Sportarten, bei denen ihr vor Ort sein werdet?

Schairer Die Zeit ist sehr kurz. Wir kommen erst nach der Eröffnungsfeier an und ich habe ehrlich gesagt noch nicht einmal auf den Kalender geschaut, was wann passiert. Ich bin eigentlich nur für „den Tag“ da. Selbst der Besuch der Eröffnungsfeier ist für mich nicht infrage gekommen. Ich möchte so knapp wie möglich anreisen und ganz schnell wieder zurück.

Hämmerle Mir geht es da gleich. Es interessiert mich nicht, was rund um uns passiert. Ob ich mir dann etwas anschaue, wenn ich sportlich alles erledigt habe, kann ich jetzt noch nicht sagen. Aber eigentlich denke ich wie Markus.

Wer sind die größten Konkurrenten im Kampf um Edelmetall?

Schairer Es haben sich eigentlich immer dieselben herauskristallisiert. Zu Izzy, Pullin, Vaultier, Visintin kommen sicher noch eine Handvoll hinzu. Aber mit unterschätzen ist sowieso nichts. Das Niveau der Fahrer ist inzwischen einfach enorm.

Hämmerle Nicht zu vergessen, dass es ein ganz anderer Kurs als zuletzt ist. Zudem werden Sechser-Heats gefahren. Da kann alles passieren. Allerdings ist der Kurs selektiv, da entscheidet auch die Kondition.

Gibt es familiäre Unterstützung vor Ort?

Hämmerle Meine beiden Brüder Gino und Luca fliegen mit ein paar Kollegen nach Südkorea. Das freut mich schon sehr. Beim letzten Mal in Sotchi hat mich Gino noch überrascht, als er mit ein paar Kollegen aufgetaucht ist. Doch bei der Planung für Pyeongchang war nix mit Überraschung.

Schairer Bei mir nicht.