Verdammt, er lebt noch!

Menschen / 05.02.2018 • 22:06 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Falco mit U4-Türsteherlegende Conny de Beauclair. De Beauclair
Falco mit U4-Türsteherlegende Conny de Beauclair. De Beauclair

Heute ist Falcos 20. Todestag. Sein Leben war geprägt von Erfolgen und Selbstzweifel.

Wien Frühmorgens auf dem Zentralfriedhof. Leichter Nebel schränkt die Sicht ein. Es ist frisch. Tausende Grabsteine reihen sich aneinander, alle ähneln sich. Bis auf einen. Auf Falcos Grab stehen ein Obelisk und eine Glasplatte mit dem Bildnis des verstorbenen Künstlers. Heute steht auch eine dem verstorbenen Star zum Verwechseln ähnlich sehende Gestalt dabei – Alexander Kerbst. Neben dem Grab ahmt der Schauspieler im Falco-Look typische Bewegungen des Verstorbenen nach: „Das hat Falco auch so gemacht, oder?“ Die anwesenden Fotografen, die sich anlässlich des 20. Todestags Falcos auf dem Friedhof versammelt haben, knipsen fleißig.

Falcos Werke prägen auch 20 Jahre nach seinem Tod die europäische Musiklandschaft. Noch heute werden seine Hits in den Radiostationen Deutschlands und Österreichs rauf und runter gespielt. „In Österreich ist keiner mehr nachgewachsen, der so groß ist wie Falco“, informiert Horst Bork, der ehemalige Manager von Falco. „Wir haben große Erfolge miteinander erlebt, aber auch bittere Niederlagen.“ Neben Hits wie „Rock me Amadeus“ oder „Kommissar“ war Falco vor allem für seinen fahrlässigen Umgang mit Alkohol, Medikamenten und Drogen bekannt.

Ordnung und Alkohol

Rund 90 Kilometer vom Zentralfriedhof entfernt, in Gars am Kamp, steht heute noch Falcos Villa. Von der Straße über eine kleine Stiege zu erreichen, steht das unscheinbare gelbe Gebäude sinnbildlich für die Persönlichkeit des großen Künstlers. Erd- und Obergeschoß reflektieren die Person hinter der Maske Falco – Hans Hölzel. In der Wohn-Ess-Küche stehen ein schlichter ovaler Tisch und aus der Mode gekommene Holzstühle. „Wir haben alles so belassen, wie es nach Falcos Tod, beziehungsweise auch nach dem Tod seiner Mutter Maria Hölzel, war“, erklärt Wolfang Kosmata von der Falco Privatstiftung. Alles hat seine Ordnung. Im oberen Stock hängt Kleidung im Schrank, Parfümfläschchen sind säuberlich im Bad aufgestellt. An der Wand hängen verschiedene Kunstwerke und ein Schachbrett. Hier ist nichts, was auf einen Star oder eine exorbitante Persönlichkeit schließen ließe. Diese schlichte Seite von Hans Hölzel betonen insbesondere seine Weggefährten. „Hans war immer sehr nett zu mir. Er hat mich jedes Mal nach meiner Familie gefragt“, erzählt Connie De Beauclair, ehemaliger Türsteher des damaligen Untergrundclubs „U4“ in Wien, wo die steile Karriere Falcos begonnen hatte. Auch Horst Bork sah in Hans mehr den zuvorkommenden, außerordentlich höflichen und ordentlichen Wiener Jungen: „Hans war Hans. Er spielte lediglich Falco, wenn er auf der Bühne oder bei Interviews war.“

Hans habe zudem immer versucht, seine Alkoholeskapaden einzudämmen und oft saubere Phasen gehabt. Diese Andeutung auf die andere Seite von Hölzel, auf Falco, sieht man auch im Keller der Villa.

Bereits auf der Treppe empfangen den Besucher aktionistische Kunstwerke und eine goldene Statue des Künstlers. Und im Keller offenbart sich dann der vor 20 Jahren im Haus lebende Star. An den Wänden hängen goldene Schallplatten und unzählige Auszeichnungen. Davor stehen die Instrumente Falcos. Im Zentrum des großen Kellerraums steht eine große schwarze Couch, mit dem Rücken zur „Musikerecke“. In dieser Ecke sammelte der Musiker seine CDs. Daneben steht auch ein Mikrofon. Das ist der Raum des Weltstars, jeder Gegenstand zeugt von Falcos internationalem Erfolg. „Der Höhepunkt seiner Karriere war die Nummer-1-Platzierung in den USA“, erinnert sich Bork. Wie er in seiner Biografie zu Falco schreibt, waren aber gerade auch diese Erfolge immer wieder Grund für Falcos Selbstzweifel und emotionale Momente. So habe sich der Künstler laut Borks Biografie nach großen Erfolgen immer gefragt: „Kann ich den hohen Erwartungen gerecht werden? Und kann ich den Erfolg wiederholen?“

Solche Momente und Tiefpunkte, wie schlechte Verkaufszahlen, waren Gründe für die sich steigernden Eskapaden des „Falken“: „Der Tiefpunkt von Falcos Karriere war wohl das Album ‚Junge Römer‘“, erklärt Bork. Falco hatte damals große Erwartungen aufgebaut und ein unvergessliches Album angekündigt. „Im Nachhinein gesehen war es wohl eines der besten Alben von Hans, damals aber blieb es hinter seinen Erwartungen zurück“, sagt Bork. Für den ehemaligen Manager war der Tod Falcos am 6. Februar 1998 keine große Überraschung: „Es gab davor schon heikle Situationen.“

Todestag

Hans Hölzel war eine kontroverse Person. Von Kindheit an dem Wunsch folgend, ein Popstar zu werden, war genau die Realisierung dieses Wunsches die Ursache für den selbstzerstörerischen Lebenswandel. Dem Druck nicht standhaltend, flüchtete sich Hölzel mehr und mehr in berauschende Mittel. Das führte zu seinem Ende: Am 6. Februar 1998 starb Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Bei der Obduktion wurden Alkohol, Kokain und THC nachgewiesen.

Diese Kontroverse ist, neben dem internationalen Erfolg, auch das Faszinierende an Falco. Was von ihm heute noch bleibt, ist sein musikalisches Erbe. Sein erster Manager, Markus Spiegel, hat nach Hölzel nie mehr eine solche Persönlichkeit unter Vertrag genommen: „Ich habe leider nie wieder eine so außergewöhnliche Person kennengelernt.“ Sein Ziel habe Falco aber erreicht: „Was hätte er noch mehr werden sollen, als die Nummer eins?“ VN-JLO

Falco wurde nach seinem Tod am Wiener Zentralfriedhof bestattet. APA/Schlager
Falco wurde nach seinem Tod am Wiener Zentralfriedhof bestattet. APA/Schlager
Falco wollte schon als Kind ein Popstar werden. Das Leben als berühmter Musiker wurde ihm aber oft zu viel. Alkohol, Drogen und Medikamente folgten. De Beauclair
Falco wollte schon als Kind ein Popstar werden. Das Leben als berühmter Musiker wurde ihm aber oft zu viel. Alkohol, Drogen und Medikamente folgten. De Beauclair

„FALCO – das Musical“,
21. Februar, 20 Uhr, in Bregenz, Festspiel- und Kongresshaus. Mit Alexander Kerbst als Falco.