„Mit Täterarbeit Gewalt vorbeugen“

Politik / 06.02.2018 • 22:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dalpra:
Dalpra: „Gewalt ist ein Verhalten. Verhalten ist veränderbar.“ VN

Während der Tat sei das Strafmaß kein Kriterium, meint Sozialarbeiter Dalpra.

Wien Nachschärfen, wo es notwendig ist. Was das Strafrecht betrifft, ist dies die Linie der Bundesregierung. Eine Expertengruppe soll nun prüfen, bei welchen Delikten es Reformen braucht. Als Beispiel wurden Sexualstraftaten oder Gewalt an Frauen und Kindern genannt. Zuständig für die sogenannte Taskforce ist Staatsekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP). Trotz Kritik vonseiten der Justiz hält sie an den Plänen fest. Die Opfer müssten sich ernst genommen fühlen. Auch sei es wichtig, den sozialen Frieden im Land zu wahren, sagt sie.

Arno Dalpra von der ifs Gewaltberatung hat seine Zweifel, dass höhere Strafen das richtige Mittel sind, um Verbrechen vorzubeugen. Zwar seien Täter häufig vom hohen Strafmaß überrascht. Allerdings erst dann, wenn es um deren Verurteilung gehe. „Zum Zeitpunkt des Tuns, also wenn der Täter sich entscheidet, Gewalt anzuwenden, ist das Strafmaß kein Kriterium“, hält Dalpra fest. Es sei ja nicht so, dass die Personen ganz plötzlich zu Tätern würden, sondern meist in der Vergangenheit schon auffällig gewesen sind. Daher gelte es, sich ihnen so früh wie möglich im Zuge einer Gewaltberatung anzunehmen. Man müsse mit ihnen arbeiten und zeigen, dass Gewalt nicht die Lösung sein könne. Auch dann, wenn sie strafrechtlich überführt werden und sich vor dem Gesetzgeber verantworten müssen. „Das heißt lange nicht, dass sie sich vor ihrer eigenen Psyche verantworten.“

Mit einer Änderung im Sicherheitspolizeigesetz wäre es laut Dalpra möglich, Gewalttaten vorzubeugen. So könnten die Daten aller Gewalttäter automatisch an die Gewaltberatung weitergeleitet werden und Sozialarbeiter mit ihnen Kontakt aufnehmen. Ob sie sich beraten lassen, liege am Ende bei ihnen selbst. „Wir müssen Menschen, die sich für Gewalt entscheiden, aber ernster nehmen. Die Personen haben ein Unrechtsbewusstsein“, meint Dalpra. Arbeite man mit ihnen, erhöhe sich die Chance, sie von Straftaten abzubringen. Eines dürfe man nicht vergessen: „Gewalt ist ein Verhalten. Und Verhalten ist veränderbar.“ VN-ebi