„Nicht anstecken lassen“

Markt / 06.02.2018 • 22:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Aufräumen nach dem Crash am Montag und der Aufregung am Dienstag am Börsenparkett in der New York Stock Exchange.   AFP
Aufräumen nach dem Crash am Montag und der Aufregung am Dienstag am Börsenparkett in der New York Stock Exchange.   AFP

Angst vor schneller steigenden Zinsen sorgt für globalen Ausverkauf an den Aktienmärkten.

Schwarzach „Aus zyklischer Sicht spricht sehr wenig dafür, sich von der kurzfristigen Panik anstecken zu lassen.“ Patrick Schuchter, Leiter Vermögensverwaltung bei der Volksbank Vorarlberg, bewahrte trotz der Turbulenzen an den Börsen rund um die Welt am Dienstag Ruhe. Und obwohl alle wichtigen Börsen nach dem „dunkelgrauen“ Montag an der Wall Street mit Minus schlossen, ist doch eine gewisse Beruhigung nach der morgendlichen Panik eingetreten.

Ausgelöst wurde die rasante Talfahrt an der New York Stock Exchange am Freitag, als der US-Arbeitsmarktbericht die Stimmung der Anleger kippen ließen. Das trotz boomender Wirtschaft bislang verhaltene Lohnwachstum fiel nämlich stärker als erwartet aus, was die Inflation in Gang bringen könnte. Das würde, so die Überlegungen der Aktionäre, Analysten und Händler, die Notenbank zwingen, die Leitzinsen schneller als bisher geplant zu erhöhen, um die Preissteigerung zu dämpfen. Steigende Zinsen wiederum gefallen Investoren nicht, sie verteuern Geld und Kredite und hemmen so das Wachstum.

Trendfolgecomputer

Verstärkt wurde die Abwärtsspirale durch Trendfolgecomputer, den immer beliebter werdenden Volatilitäts-Zielfondsstrategien sowie Absicherungsfonds, erklärt Schuchter den VN: Diese größtenteils computerbasierten Akteure werden durch ihre Algorithmen bei fallenden Märkten zu Verkäufen gezwungen. Der Crash an der Wallstreet führt zu einem Dominoeffekt und steckte die Weltbörsen an. Rund um den Globus schlossen die Börsen zwar mit einem Minus, zum Gemetzel, wie es Börsianer befürchteten, ist es aber nicht gekommen.

Börsianer weltweit sind erschrocken, wie schnell die Börsen außer Tritt geraten sind. So auch Bank-Austria-Chefanalystin Monika Rosen, die wie Schuchter die VN-Leser regelmäßig über das Börsengeschehen informiert. Sie stellte aber auch fest, dass es keinen wirklichen Grund für die Talfahrt gab: Ausmaß und Geschwindigkeit der Abwärtsbewegung hätten sie überrascht, so Rosen, „ein auslösender Grund ist aber nicht wirklich greifbar“.

Kurssturz als Chance

„Aus unserer Sicht hat sich an den fundamentalen Rahmenbedingungen nichts geändert: Die Unternehmen profitieren nach wie vor vom guten wirtschaftlichen Umfeld, gerade in den USA haben die Unternehmen sehr gut verdient“, analysiert Schuchter, „die Notenbanken seien zumindest bis Ende 2018 weiterhin mit sehr viel Liquidität am Markt tätig und die Bewertungen sind nach den jüngsten Abverkäufen wieder günstiger“. Und er sieht im Kurssturz auch eine Chance: „Vielmehr bieten sich nun wieder Schnäppchen am Markt, wo es sich lohnt zuzuschlagen.“

Zur Tagesordnung wird auf dem internationalen Börsenparkett derzeit denoch nicht übergegangen. Es herrsche nach wie vor angespannte Nervosität, dennoch dürften sich die Börsen nach Ansicht von Insidern bald wieder erholen. Schuchter: „Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die anschließenden Gegenbewegungen nach oben sehr scharf und schnell ausgefallen sind.“ VN-sca

„Nun bieten sich wieder­ Schnäppchen am Markt, wo es sich lohnt zuzuschlagen.“