Wettrennen um Unterschriften

Vorarlberg / 06.02.2018 • 19:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Diese alpine Landschaft sehen Naturschützer grob gefährdet.vn/steurer
Diese alpine Landschaft sehen Naturschützer grob gefährdet.vn/steurer

Nach den Befürwortern lancieren auch die Gegner des Speicherteichprojekts eine Petition.

bregenz Es bleibt weiter kein Stein auf dem anderen, was den geplanten Speicherteich für eine Beschneiungsanlage auf der Silvretta Nova angeht. Jetzt hat auch noch ein Rennen um Unterschriften für und gegen das Projekt eingesetzt. Nachdem vergangene Woche eine Petition für die Pläne der Silvretta Montafon gestartet wurde, haben nun Alpenschutzverein, Alpenverein, Naturfreunde und der Naturschutzbund dagegen mobil gemacht und ebenfalls eine Petition auf Schiene gebracht. „Damit können Interessierte dem Ausdruck verleihen, was sie wirklich von der ganzen Sache halten“, erklärt Hildegard Breiner, Obfrau des Naturschutzbundes die Intention. Die Einladung fällt offenbar auf fruchtbaren Boden. Montagmittag wurde die Petition online gestellt, bis Dienstagnachmittag wurden bereits über 650 Unterschriften geleistet. „Das ist gar nicht so schlecht“, wähnt Naturschutzanwältin Katharina Lins die Initiative, die bis 4. März dauert, auf gutem Weg. Als Minimalziel werden 2000 Unterschriften genannt.

Implantat in der Landschaft

Der Text der Petition ist an die Landesregierung gerichtet. Sie soll alle notwendigen Schritte unternehmen, damit die klar negative Beurteilung auch in einen negativen Bescheid mündet. Dabei verweisen die Initatoren auch auf Aussagen von Amtssachverständigen, die in ihren Gutachten die Befürchtungen der Naturschutzorganisationen teilen. So wird der geplante Speichersee vom Experten der Raumplanung in der konzipierten Form und Größe als künstliches Gebilde beschrieben, das sich trotz der Bemühungen um eine naturnahe und kupierte Geländegestaltung als Implantat in der alpinen Landschaft abheben werde.

Es gehe den Organisationen nicht darum, jede Art von Wintertourismus abzulehnen. „Sie sprechen sich vielmehr für eine maßvolle Weiterentwicklung aus“, beschwichtigt Katharina Lins. Der aus ihrer Sicht überdimensionierte Beschneiungsstausee im Bereich des Schwarzköpfle gehört definitiv wohl nicht in diese Kategorie. Er wird wegen der „massiven negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft“ entschieden abgelehnt. Lins fordert, dass sich das Land das Vorhaben ganz genau ansieht. Denn: „Nicht alles, was die Wirtschaft will, ist von öffentlichem Interesse“, meint sie.

Nicht auf diese Art und Weise

Unterstützt wird die Petition auch von den Grünen. „Dem vermeintlichen Wachstum und dessen vermutetem wirtschaftlichen Segen für die ganze Talschaft werden der Wert einer intakten Naturlandschaft als wichtige Zukunftsressource geopfert“, kritisiert Klubobmann Adi Gross das Vorhaben der Silvretta Montafon scharf. Eine langfristige Sicherung des Tourismus in der Talschaft könne auf diese Art und Weise nicht erfolgen. Man versuche damit gar, sich gegen die Entwicklung der Jahreszeiten und des Klimas zu stemmen. Das werde auf Dauer keinen Erfolg haben. „Wir Grüne sind nicht prinzipiell gegen jede Beschneiung, die mag selektiv vertretbar sein. Aber hier ist ein vertretbares Maß überschritten“, sagt Gross. Bislang haben die Petition übrigens vor allem Männer unterschrieben. VN-MM

Die Petition kann online unter openpetition.eu/!schwarzkoepfle oder mit ausgedruckten Listen bis zum 4. März unterschrieben werden.