Zoff am See

Vorarlberg / 06.02.2018 • 21:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In den Netzen der Berufsfischer blieben in den vergangenen Jahren immer weniger Fische, daher wurde die Zahl der Lizenzen reduziert.  DPA
In den Netzen der Berufsfischer blieben in den vergangenen Jahren immer weniger Fische, daher wurde die Zahl der Lizenzen reduziert.  DPA

Deutsche Fischer sehen wegen Patenteregelung Seefrieden bedroht.

Bregenz Die Situation der Bodenseefischer ist nicht leicht. Seit Jahren kämpfen die Fischer mit zurückgehenden Fangzahlen und klagen über Nährstoffarmut im See. Und nun ist offenbar schon die nächste Diskussion in vollem Gang. Denn Beschlüsse der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBFK) rund um eine Patentereduzierung sorgen am deutschen Seeufer offenbar für mächtig Ärger. Fischer fühlen sich benachteiligt. In Bayern ist bereits eine Klage eingereicht worden, eine weitere soll bald folgen. „Der Seefrieden ist bedroht“, sagt Bodenseefischer Roland Stohr aus Wasserburg.

Konkret geht es bei der Diskussion um Beschlüsse aus dem Jahr 2015. „Weil der Ertrag zurückgegangen ist, hat man sich damals durchgerungen, die Patente bis zum Jahr 2020 rund um den See von insgesamt 120 auf 80 zu reduzieren“, erklärt Nikolaus Schotzko vom Landesfischereizentrum Vorarlberg. Die Rechnung ist an sich klar: Je weniger Fischer ihre Netze auswerfen, desto mehr bleibt für den Einzelnen. Vollerwerb geht vor Nebenerwerb.

Altersgrenze eingeführt

Für Österreich bedeutet dies nur noch zwölf Lizenzen ausgeben zu dürfen, für die Schweiz 24, Baden-Württemberg 36 und Bayern acht. Eingeführt wurde damals auch eine Altersgrenze, wonach über 70-Jährige keine Patente mehr bekommen. Damit ältere Berufsfischer aber dennoch weiter im Geschäft bleiben können, gibt es sogenannte Alterspatente, mit denen in reduziertem Umfang und mit rund der Hälfte der zulässigen Fanggeräte gefischt werden darf. „Alles war gut auf Schiene und sozial verträglich“, meint Schotzko. Für ihn ist die Entscheidung von damals nach wie vor richtig.

Während in Österreich und der Schweiz das Ziel bereits erreicht worden ist, wird in Deutschland aber offenbar darüber gestritten, wer sein Patent bald abgeben muss. Denn in Baden-Würtemberg laufen im nächsten Jahr die Verträge aus, die in der Vergangenheit immer zwölf Jahre galten. Angebote, die Patente vorzeitig abzugeben, wurden offenbar von fast allen abgelehnt.

Weiterer Diskussionspunkt

Der Beschluss hat aus Sicht der betroffenen deutschen Fischer noch ein weiteres Problem geschaffen. Seit 1893 gilt das Bregenzer Abkommen. Dieses zählt zu den ältesten Fischereiverträgen weltweit. Allerdings dürfen die Fischer in Österreich und der Schweiz seit diesem Jahr fünf statt vier Netze auswerfen, weil sie das Ziel des Beschlusses bereits früher erreicht haben. „So etwas hat es in 125 Jahren noch nie geben. Noch nie durften unterschiedlich viele Netze ausgelegt werden“, schimpft Stohr.

In Bayern sei bereits wegen Altersdiskriminierung geklagt worden, nun wird offenbar die nächste Klage wegen Ungleichbehandlung geprüft. Denn schon 2015 sei klar gewesen, dass die Fischer in Bayern und Baden-Württemberg die Zahlen nicht erreichen können. Von Berufsfischern seien die Anträge anders formuliert gewesen. Befürwortet worden sei lediglich ein langfristiger Patenteabbau.

Albert Bösch, Obmann des Vereins der Vorarlberger Berufsfischer, hat bereits vom Vorhaben der Kollegen in Deutschland gehört und hofft, dass es nicht zu einem Streit unter den Fischern selbst kommt. „Uns ist es ebenfalls ein Anliegen, dass alle gleich behandelt werden. Die Frage ist erst einmal aber, ob die Sache mit den Netzen überhaupt Wirkung zeigt, zumal die Regelung nur von April bis Oktober gilt.“ VN-mef