Geachtet, umstritten, vergessen

Kultur / 07.02.2018 • 20:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Maler Gustav Klimt war ein großer Katzenliebhaber. wikimedia commons
Der Maler Gustav Klimt war ein großer Katzenliebhaber. wikimedia commons

Vor 100 Jahren starb Gustav Klimt. Er wurde der teuerste Künstler der Welt.

wien Er wurde geachtet, galt aber auch als umstritten. Er war ein unabhängiger Geist. Nach seinem Tod geriet er Jahrzehnte in Vergessenheit. Heute ist der Maler Gustav Klimt ein Publikumsmagnet und bedeutender als je zuvor.

Klimt wurde am 14. Juli 1862 in Baumgarten bei Wien in ärmlichen Verhältnissen geboren. Er war das zweite von sieben Kindern des Goldgraveurs Ernst Klimt und der Anna Rosalia Klimt, geb. Finster. Eigentlich hätte Gustav Klimt den Beruf des Vaters erlernen sollen. Er erhielt jedoch ein Stipendium, mit dem er von 1876 bis 1883 an der Wiener Kunstgewerbeschule des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie studierte.

21-jährig war Klimt ein gut ausgebildeter Maler. Gemeinsam mit seinem Bruder Ernst und dem Maler und Bildhauer Franz Matsch gründete er eine Künstlerkompanie. Die Geschäfte in der damaligen Donaumonarchie liefen dank öffentlicher Aufträge gut. Künstlerisch und handwerklich perfekt orientierte sich das Trio am Geschmack der Zeit. Klimt etablierte sich als Porträtmaler. In dem fast fotorealistischen Bildnis „Sitzendes junges Mädchen“ (1894) bewies er sein Können.

Die entscheidende Wende in Klimts Leben kam 1894: Er erhielt den Auftrag, drei Bilder für den Festsaal der Wiener Universität zu malen. Mit seinen Fakultätsbildern über „Philosophie“, „Medizin“ und „Jurisprudenz“ schockte Klimt seine Auftraggeber, denn er hatte den fast surrealen Symbolismus für sich entdeckt. In der „Medizin“ malte er ein Skelett und stellte damit nach Meinung der damaligen Presse den „Triumph des Todes“ dar. Die Professoren hatten angesichts des Fortschritts in der Medizin das Gegenteil erwartet. In der 1900 ausgestellten „Philosophie“ zeigten nackte, verzweifelte Menschen eher die dunkle Kehrseite von Vernunft und Erkenntnis. Eine Vorab-Präsentation geriet zum Kunstskandal.

Statt die Bilder laut der Forderung seiner Auftraggeber anzupassen, verzichtete Klimt lieber auf öffentliche Aufträge. „Für mich entscheidet nicht, wie vielen es gefällt, sondern wem es gefällt“, sagte Klimt. So war er 1897 einer der Gründer der Wiener Sezession, die mit vielen Traditionen brach.

Intime Beziehungen

Klimt blieb trotzdem gut im Geschäft, weil er für das jüdische Großbürgertum arbeitete. Er soll damals zu den wenigen gehört haben, die nicht antisemitisch waren. Zwischen 1900 und 1910 folgte seine goldene Periode, in der er viele Frauenporträts malte. Das bekannteste ist das von Adele Bloch-Bauer, die „Goldene Adele“. Sein berühmtestes Gemälde überhaupt ist jedoch „Der Kuss“ geworden.

Intime Beziehungen pflegte Klimt gerne mit seinen Modellen. Mit Emilie Flöge, die mehr Lebensmensch als sexuelle Partnerin für ihn war, zog es ihn oft an den Attersee. Dort entstanden 46 Gemälde.

Während viele Menschen im Ersten Weltkrieg hungerten, kam Klimt dank seiner vielen Verbindungen gut durch diese schwere Zeit. Am 11. Jänner 1918 erlitt er einen Schlaganfall. Im Krankenhaus holte er sich zudem eine Lungenentzündung und starb am 6. Februar 1918.

Lange Zeit wurde Klimt vergessen. Erst in den 1980er-Jahren und spätestens mit der Debatte über NS-Raubkunst wurde der Maler wieder hoch gehandelt. Spektakulärstes Beispiel ist die „Goldene Adele“, die die Nazis der jüdischen Sammler-Familie Blocher geraubt hatten. Der jahrelange Streit um ihre Rückgabe zwischen der Republik Österreich und der Erbin in den USA machte international Schlagzeilen. 2006 bekam die Erbin das Bild. Kurze Zeit später wurde es für 135 Millionen Dollar verkauft. Und Klimt wurde der teuerste Künstler der Welt. VN-HRJ

Klimt-Jahr-EVENTS

13. Februar bis 2. September Klimts Gemälde „Nuda Veritas“ ist in der Antikensammlung im Kunsthistorischen Museum zu sehen.

1. März Dauerausstellung im Oberen Belvedere mit Klimts weltberühmtem „Kuss“.

23. März Ausstellung „Klimt ist nicht das Ende. Aufbruch in Mitteleuropa“ im Unteren Belvedere in Wien. Gezeigt werden die Auswirkungen des Endes des Ersten Weltkriegs auf die Kunst der Donaumonarchie und der neu entstandenen Nationalstaaten.

5. Mai Sonderausstellung „Klimt Lost“ in der Klimt Villa, Thema Raubkunst.

12. Mai Ausstellung der Klimt-Foundation, „Florale Welten“ Klimts, Klimt-Zentrum am Attersee

22. Juni bis 4. November Privatsammlung der Familie Leopold und Sammlungsexponate der Klimt-Foundation im Leopold Museum, Wien.