Mehr Plätze für Frauenhäuser

Politik / 08.02.2018 • 22:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Zahl der Gewaltdelikte sei rückläufig, der Anteil der weiblichen Opfer steige aber, heißt es im Frauenministerium.APA
Die Zahl der Gewaltdelikte sei rückläufig, der Anteil der weiblichen Opfer steige aber, heißt es im Frauenministerium.APA

Regierung will um zehn Prozent ausbauen. Wo, ist offen. Angebot in Vorarlberg ausgelastet.

Wien Jede fünfte Beziehung ist von häuslicher Gewalt betroffen, von tätlichen Übergriffen oder psychischer Erniedrigung. Elf Jahre dauert eine solche Beziehung im Schnitt, bis sich die Opfer davon losreißen können. Die Betroffenen sind meistens Frauen. 

„Obwohl die Zahl der Gewaltdelikte rückläufig ist, steigt der Anteil an weiblichen Opfern im Vergleich“, heißt es im Frauenministerium von Juliane Bogner-Strauß (ÖVP). Dies schlage sich auf den Bedarf an Beratungsstellen nieder. Konkrete Zahlen dazu gibt es nicht, allerdings würden Gespräche in der Praxis und die Aufzeichnungen in den entsprechenden Betreuungseinrichtungen beweisen, dass die Nachfrage nach weiteren Plätzen steige, erklärt ein Sprecher der Ressortchefin. Bogner-Strauß kündigte am Donnerstag daher an, in den kommenden vier Jahren rund 100 neue Betreuungsplätze in ganz Österreich schaffen zu wollen. Die Kosten dafür sind offen. Schließlich sei noch nicht geklärt, wo es mehr Bedarf gebe und ob es etwa mehr Notunterkünfte oder Bleiben in Frauenhäusern brauche. Letztere bieten derzeit österreichweit 766 Plätze an, in den Notunterkünften gibt es aktuell 242.

Das Frauenhaus in Vorarlberg (ifs FrauennotWohnung) zählt neun Plätze. Außerdem gibt es zwei Außenwohnungen für je zwei Frauen, berichtet Leiterin Cäcilia König. 300 Betroffene haben sich 2017 über die Nummer 05-1755-577 an die Einrichtung gewendet. Rund um die Uhr stehen dort Verantwortliche zur Hilfe bereit. Die Anfragen werden anonym behandelt. „Wir klären ab, wieso die Frau zu uns kommen will und wie gefährdet sie ist“, sagt König. Da die Adresse des Frauenhauses geheim gehalten wird, vereinbaren die Sozialarbeiterinnen mit der Betroffenen einen Ort, um sie abzuholen. 74 Frauen – viele von ihnen Mütter – haben dieses Angebot im vergangenen Jahr in Anspruch genommen. Sie suchten Schutz vor ihrem Ehemann, Lebensgefährten, Vater, Bruder oder Bekannten. Viele Frauen bringen nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Kinder in Sicherheit. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr 85. Wie lange sie bleiben, ist unterschiedlich. „Rund ein Drittel verlässt uns innerhalb des ersten Monats, ein weiteres Drittel bleibt bis zu einem halben Jahr, bei einem Drittel dauert es etwas länger“, erklärt die Leiterin der Einrichtung. Wichtig sei aber nicht, wie lange sie bleiben, sondern dass sich die Betroffenen von ihrem gewalttätigen Umfeld losreißen und ans Frauenhaus wenden: „Wir wissen, dass die Gefährdung nochmals steigt, wenn die Frau den Täter verlässt.“

2017 sei das Frauenhaus gut ausgelastet gewesen, ähnlich wie 2016. Nur selten komme es zu einer Doppelbelegung. Dafür habe man aber immer zeitnah Lösungen gefunden, sagt König. Viel schwieriger sei die Weitervermittlung der Frauen, wenn sie sich auf die Suche nach einer eigenen Bleibe machen können. Der Vorarlberger Wohnungsmarkt stelle sie dabei vor große Herausforderungen.

„Wir wissen, dass die Gefährdung nochmals steigt, wenn die Frau den Täter verlässt.“