„Sie hören einfach schöne Musik“

Kultur / 08.02.2018 • 19:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Westschweizer Guy Bovet ist längst im Rang einer weltweit verehrten Orgel­legende angekommen. jurmann
Der Westschweizer Guy Bovet ist längst im Rang einer weltweit verehrten Orgel­legende angekommen. jurmann

Die Westschweizer Organistenlegende Guy Bovet rangiert in der Sonderklasse.

ALTACH Die Leistung kommt zweifellos der eines Extrembergsteigers gleich, wenn ein immerhin knapp 76-jähriger Musiker ein so komplexes Werk wie Bachs Orgel-Passacaglia c-Moll als steinernes Monument von strahlender Schönheit und packender innerer Konsequenz perfekt in den Kirchenraum setzt. Dabei gibt sich der Westschweizer Guy Bovet, längst im Rang einer weltweit verehrten Orgellegende angekommen, in seinen Einleitungsworten ans Publikum  überaus bescheiden: „Es ist nichts Besonderes – Sie hören einfach schöne Musik.“

Staunen und Begeisterung

Bei solchem Understatement halten sich nach einer beglückenden und berückenden Orgelstunde Staunen und Begeisterung des zahlreichen und auch aus der benachbarten Schweiz angereisten Publikums die Waage. Dabei ist der unermüdlich als Retter historischer und Erbauer neuer Orgeln, als Festivalleiter und Herausgeber tätige Organist und Komponist Guy Bovet aus Neuchâtel hier kein Unbekannter. Er gastierte bereits früher in Hohenems, Dornbirn und auch in Altach, wo er diesmal punktgenau die 25. Veranstaltung im Rahmen der Orgelsoireen zum glanzvollen Jubiläum macht.

Es ist auch Ausdruck einer Künstlerfreundschaft, die ihn bis heute mit seinem ehemaligen Orgelschüler Jürgen Natter verbindet, der als Kurator die von ihm gegründete Konzertreihe mit großem Engagement betreut.

Guy Bovet hat sich für diesen Abend nichts weniger vorgenommen als eine lose Zusammenstellung wichtiger Meisterstücke europäischer Musik. Aber natürlich schafft er damit auch interessante Querverbindungen: etwa von einer rauschenden Toccata von Alessandro Scarlatti um 1700 zu den zeitgleich in Spanien entstandenen „Diferencias sobre la gaita“, lustigen Dudelsackvariationen über einem brummenden Bordun-Bass. Er sorgt für scharfe Kontraste, wenn er die machtvoll aufrauschende Bach-Passacaglia mit ihrem bestimmenden Ostinato-Thema im Pedal mit einem zarten Andante konfrontiert, das Mozart nach damaligem Zeitgeschmack im Todesjahr 1791 aus Geldmangel für eine mechanische Spieluhr geschrieben hat.

Und Bovet verweist auf die inneren Zusammenhänge zwischen den Klangwelten der beiden Spätromantiker César Franck und Eugène Gigout, von denen er Werke in derselben Tonart h-Moll gewählt hat: die tief in sich gekehrten, versonnenen Prélude, Fugue et Variation op. 18 von Franck und die aufbrausende, rhythmisch kompakte Toccata von Gigout als umwerfendes Finale, das wiederum die Klammer setzt zur einleitenden, 200 Jahre zuvor entstandenen Toccata von Scarlatti.

Geschmackvolle Registrierungen

Dass diese spannenden Eindrücke aus der europäischen Musikgeschichte der Orgel in überaus geschmackvollen Registrierungen umgesetzt werden, dass es so etwas wie technische oder Koordinationsprobleme in der Kopf-, Hand- und Beinarbeit für diesen Musiker nicht zu geben scheint, ist eigentlich keiner Erwähnung mehr wert. Bovet setzt am Schluss als Aperçu noch augenzwinkernd eins drauf mit seinem eigenen folkloristischen „Fandango mio“ und gesellt sich dann beim anschließenden Beisammensein bei Brot, Käse und Wein leutselig unter seine Zuhörer.

Altacher Orgel-Soirée, Pfarrzentrum: 16. Mai, 20 Uhr, mit Anja Nowotny (Flöte), Sandra Schmid (Klarinette), Jürgen Natter (Cembalo). Musik von Bach, Händel, Rosinskij.