Jeder darf spielen auf diesem Klavier

Kultur / 09.02.2018 • 22:12 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sommer 2017 in den Bregenzer Seeanlagen: Initiator Udo Felizeter setzt sich auch selbst ans Piano. OPFR
Sommer 2017 in den Bregenzer Seeanlagen: Initiator Udo Felizeter setzt sich auch selbst ans Piano. OPFR

Udo Felizeter und sein „Open Piano For Refugees“.

Heidi Rinke-Jarosch

bregenz Udo Felizeter hat, gemeinsam mit Nico Schwendinger, das Sozialprojekt „Open Piano For Refugees“ ins Leben gerufen. Ziel der beiden Vorarlberger ist es, Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zusammenzubringen, indem sie frei zugängliche Flügel auf öffentlichen Plätzen platzieren. Mittlerweile standen die Instrumente an 23 Standorten in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Udo Felizeter schildert, wie das Sozialprojekt begonnen hat.

 

Wie wurde die Idee des Sozialprojekts „Open Piano For Refugees“ geboren?

FELIZETER 2015 war ich mit Nico Schwendinger zwei Monate auf einer Fahrradtour in Polen, Weißrussland und in der Ukraine. In Kiew entdeckten wir ein öffentliches Klavier. Sofort setzte ich mich an das Instrument und begann zu spielen. Nach zwei Minuten hörte ich auf, denn das Klavier war ziemlich verstimmt. Aber ich dachte mir, ein für jeden zugängliches Klavier aufzustellen, ist eine gute Idee. Nico fand das auch und sagte, wenn ich das mache, sei er dabei. So war es dann auch.

Wie hat sich das Projekt entwickelt?

FELIZETER Die Anfangsidee war, ein Piano ein paar Tage im Freien aufzustellen und damit Spenden für ein Musikprojekt für Flüchtlinge zu sammeln. Damals war gerade die Flüchtlingsthematik hoch aktuell, aber Musikprojekte für Geflüchtete gab es nicht. Also machten wir unser eigenes: Im Dezember 2016 eröffneten wir mit den Spendeneinnahmen die Klavierschule „Piano School for Refugees“.

 

Wo stand das erste Piano?

FELIZETER Auf dem Platz der Menschenrechte im Wiener Museumsquartier. Die Wiener Klaviergalerie stellte uns einen richtig guten, sehr teuren Flügel zur Verfügung.

 

Werden die auf öffentlichen Plätzen stehenden Instrumente betreut?
FELIZETER Ja, das tun wir selbst. Wir sind die ganzen vier Tage jeweils zehn Stunden vor Ort. Wir stehen als Beobachter und Zuhörer dabei und greifen selbst in die Tasten, wenn gerade mal niemand spielt. Das kommt jedoch selten vor.

 

Da erlebt man wohl so einiges.

FELIZETER Man erlebt alles. Menschen reden miteinander. Menschen umarmen einander. Menschen weinen. Musiker gehen aufeinander zu und spielen zusammen. Das Schöne ist, dass sich Flüchtlinge, Einheimische und Touristen ans Piano setzen. Und jeder spielt in diesem Moment für Flüchtlinge. Das ist ein schöner Gedanke.

 

Wie kam das „Open Piano For Refugees“ nach Bregenz?

FELIZETER Als ich während der Festspielzeit 2016 daheim in Bregenz war, ging ich zu Bürgermeister Markus Linhart und stellte ihm das Projekt vor. Er war hellauf begeistert. Er organisierte, dass wenige Tage später ein Flügel am Molo stand. Und das ganz unkompliziert und ohne Bürokratie.

 

Wie ging es dann mit dem Projekt weiter?

FELIZETEr 2017 erweiterten wir unser Team mit Barbara Plank und Elisabeth Lehner. Somit konnten wir an mehreren Orten gleichzeitig Klaviere aufstellen. Im Herbst hatten wir genug  Geld beisammen, um in unser neues soziales Musikinstitut DoReMi investieren zu können.

 

Was hat es mit DoReMi auf sich?

FELIZETEr DoReMi ersetzt die Klavierschule „Piano School for Refugees“ als erweiterte Version. Wir bieten dort gemeinsamen Musikunterricht für Geflüchtete und sozial Benachteiligte mit Einkommenstärkeren an. Denn Musik verbindet. 

 

Wie wird der Musikunterricht bezahlt?

FELIZETer Wir haben ein Konzept entwickelt, mit dem Unterricht für alle leistbar ist: Jeder zahlt so viel er kann. Und man kann Musikpatenschaften übernehmen.

Zur Person

Udo Felizeter

Geboren 29. März 1990

Wohnort Wien und Bregenz

Laufbahn Studium an der WU, jetzt an der Uni für Bodenkultur, Klimaschutzprojekte in Äthiopien und Uganda mit der Caritas.

Familie ledig

Hobbys Musik, Sport, Meditation

Open Piano For Refugees, 17. bis 23. Juli in Bregenz am Molo. Crowdfunding und alle Infos: http://openpianoforrefugees.com