Maruler bangen um ihre Kirche

Vorarlberg / 09.02.2018 • 22:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die „Erdbebenkommission“: Baumeister Herbert Berchtold, Karl-Heinz Summer, Alfons Küng und Emil Burtscher (v. l.).
Die „Erdbebenkommission“: Baumeister Herbert Berchtold, Karl-Heinz Summer, Alfons Küng und Emil Burtscher (v. l.).

Durch Erdbeben verursachte, durchgehende Risse in der Mauer beunruhigen den Kirchenrat.

Marul Am 17. Jänner 2018 zitterte vor allem im Süden Vorarlbergs die Erde. Ein erstes Mal in diesem Jahr. Zwei noch stärkere Beben sollten in den nächsten Wochen folgen. Eine unheimliche Serie innerhalb einer ungewöhnlich kurzen Zeit. „Das ganze Haus hat damals gewackelt“, schildert der Maruler Emil Burtscher (77), aber: „Ich wohne in einem Holzhaus, da ist das nicht so problematisch.“

Viel erschreckender empfindet der Stv. Vorsitzende des örtlichen Kirchenrats allerdings die Entdeckung, die er nach dem ersten Erdbeben bei der Kirche von Marul machte: Da waren Wände und Decken plötzlich von Spalten durchrissen, die sich meterlang durch das Mauerwerk züngeln.

Inspektion durch Diözese

„Dafür war eindeutig das erste Erdbeben verantwortlich“, ist Burtscher überzeugt. „Denn vorher waren hier noch keine Risse.“ Fragen schossen dem Kirchenrat durch den Kopf. Haben auch die zweiten und dritten Erdstöße Schäden an der Kirche verursacht? Droht der Kuratienkirche St. Katharina noch Schlimmeres? „Denn es kommt noch hinzu, dass Marul ein Rutschgebiet ist. Es liegt auf einem Schiefer und ist ständig in Bewegung. Ein Erdbeben könnte das noch vorantreiben“, skizziert der 77-Jährige ein brisantes Szenario.

Also höchste Zeit zu dringenden Maßnahmen. Burtscher informierte das Bauamt der Diözese Feldkirch. Am vergangenen Donnerstag reisten Diözesanbaumeister Herbert Berchtold und Karl-Heinz Summer vom Bauamt zum idyllischen, winterlichen und von Nebelschwanden umhangenen Bergdorf im Großen Walsertal an. Mit im Gepäck: Taschenlampen, Lupen und Kamera. Und auch die Experten von der Diözese hegten nach ihrer Inspektion der Schäden wenig Zweifel daran, dass hier das Erdbeben im Spiel war. Die Hinweise waren zu eindeutig. „Die Risse sind nicht verstaubt und frisch“, stellt Berchtold unter anderem fest.

Droht der Kuratienkirche bei einem der nächsten Beben der Zusammenbruch? Berchtold verneint. „Es ist ein Massenmauerwerk, hier stürzt nichts zusammen“, sagt er. Sein Wort in Gottes Ohr, denn gleichzeitig spricht er auch von der Gefahr, dass sich die von Rissen betroffenen Mauerebenen beim nächsten Rumoren verschieben könnten. „Aber wer wie ich schon umgestürzte Häuser in Friaul gesehen hat, der weiß, was ein wirkliches Erdbeben ist.“

Übrigens ist die Kirche zur Hl. Katharina nicht das einzige Bethaus Vorarlbergs, bei dem die jüngsten Erdstöße ihre Spuren hinterlassen haben.

Berstende Kirchenfenster

„Bei den Kirchen in Vandans und Dalaas wurden ganze Glasfenster zerrissen“, so Berchtold. Für Kirchenbesucher könnten Stuckdecken riskant werden, falls sich von dort Brocken lösen und herunterfallen. Doch gerade im Oberland dominieren in den Kirchen ungefährliche hölzerne Decken.

Und doch muss gebangt werden um die Maruler Kirche. Nicht so sehr wegen ihrer Sicherheit, sondern aus ästhetischen Gründen. Zukünftige Erdstöße werden vermutlich noch mehr Risse in die Wände treiben. Und eine Reparatur ist teuer. Jedenfalls zu teuer für kleine Ortschaften wie Marul oder Raggal, deren Budget damit völlig überfordert wäre. Und die Versicherung? „Versicherungen zahlen erst ab einem Beben der Mercalliskala 6, wie es so in Vorarlberg nicht vorkommt. Kurz gesagt: Versicherungen haften hier nur für Schäden, die es nicht gibt“, stellt der Diözesanbaumeister klar.

Was aber hier in Marul getan werden muss und auch wird, ist dokumentieren und beobachten. Man werde unter anderem die „Fassade in einem Plan aufnehmen und die festgestellten Risse einzeichnen“, erklärt Berchtold die nächste Maßnahme.

Auch im Innern der Kirche entstanden beunruhigende Risse. VN/GS
Auch im Innern der Kirche entstanden beunruhigende Risse. VN/GS
Diözesanbaumeister Berchtold bei der Inspektion entstandener Schäden. 
Diözesanbaumeister Berchtold bei der Inspektion entstandener Schäden.