Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

QED

Wissen / 09.02.2018 • 17:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Ausdruck Quantenelektrodynamik ist ein Zungenbrecher, in der Regel wird die Abkürzung QED verwendet. Diese Theorie wird gerne, so wie fast alle Behauptungen aus der Quantenphysik, als mathematischer Mythos ohne Realitätsbezug gesehen. Die Quantenelektrodynamik ist jedoch mehr, sie ist die fundierte Theorie des Lichts und damit aller Radiowellen. Die QED ist eine der großen wissenschaftlichen Fundamente des 20. Jahrhunderts. Der Physiker und Heisenberg-Schüler Hans Peter Dürr hat zum Thema Licht und Materie einmal gemeint: „Materie ist nichts anderes als gefrorenes Licht.“ Seinem Freund, dem Liedermacher Konstantin Wecker, hat das so imponiert, dass er ein Lied dazu geschrieben hat.

Wer einen Blick in die QED wirft, sieht sich mit Differentialgleichungen konfrontiert, deren Zeichen so fremd wirken, als wären sie in einer weit, weit entfernten Galaxis entstanden. In der Physik wissen wir, was elektrische Felder bewirken. Sie sind die Energiequellen der Generatoren, Motoren und Funkgeräte. Die QED reicht aber weiter.

Was wir heute als Elektrotechnik kennen, ist nur der Teil der QED, der sich mit starken Feldern beschäftigt. Die QED betrifft aber die gesamte Theorie der Elektronen und der Lichtteilchen (Photonen). Sie ist heute unverzichtbarer Bestandteil der Naturwissenschaften.

1965 erhielten drei Physiker den Nobelpreis für die Entwicklung der QED. Es sind die US-Amerikaner Richard Feynman (1918–1988) und Julian Schwinger (1918–1994) sowie der Japaner Shinichirō Tomonaga (1906–1979). Alle drei waren grandiose Forscher, von denen Richard Feynman herausragt. Er stammte aus einer jüdischen Familie, deren Vorfahren aus Polen und Russland eingewandert waren. Sein Genie zeigte sich schon früh, als er sich als Jugendlicher das Reparieren von Rundfunkgeräten selbst beibrachte. Unsterblich wurde Feynman durch seine Streiche, die seine Freunde ertragen mussten. Höhepunkt seiner Clownerien war ein Hobby neben einem Lehrauftrag an einer brasilianischen Universität. Feynman spielte in einer Lumpenband in den Favelas von Rio de Janeiro und trat zur Verblüffung seiner Kollegen auch öffentlich auf. Julian Schwinger, ebenfalls ein Jude, war ein hervorragender Quantenphysiker, der Erkenntnisse der modernen Hochenergiephysik richtig voraussah.

Julian Schwinger wäre am 12. Februar dieses Jahres hundert Jahre alt geworden. Sein allseits beliebter Physikerkollege Richard Feynman wäre im Mai hundert Jahre alt geworden. Er starb vor 30 Jahren, am 15. Februar 1988 in Los Angeles. An seinem Todestag entrollten Studenten am zentralen Turm des California Institute of Technology in Pasadena ein Transparent: „We love you, Dick!“

„Was wir heute als Elektrotechnik kennen, ist nur der Teil der QED, der sich mit starken Feldern beschäftigt.“

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.