Riesenzoff in Paris wegen Riesenskulptur von Jeff Koons

Kultur / 09.02.2018 • 20:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Unbeliebt in Frankreichs Hauptstadt: Jeff Koons und sein Plastiktulpenstrauß. AP
Unbeliebt in Frankreichs Hauptstadt: Jeff Koons und sein Plastiktulpenstrauß. AP

Französische Künstler laufen gegen Tulpenstrauß aus Plastik Sturm.

paris Der seit Wochen andauernde Streit um die über elf Meter hohe und rund 30 Tonnen schwere Riesenskulptur von Jeff Koons in Paris nimmt kein Ende. Immer mehr Künstler laufen gegen die Errichtung der Plastik Sturm, die einem bunten Tulpenstrauß gleicht.

Das Werk, eine Hand mit bunten Blumen, ist ein Geschenk von Koons an die Stadt Paris in Gedenken an die Opfer der Attentate in Frankreich. Die Skulptur aus Stahl und Bronze sei eine Geste der Freundschaft zwischen dem amerikanischen und französischen Volk, verkündete Koons vergangenen November in Paris. Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, sprach von „unwiderruflicher Verbundenheit zwischen Paris und Amerika“.

Empörung und Proteste

Doch viele Kulturschaffende sehen das anders. Protest-Petitionen und empörte Kolumnen häufen sich. Vor wenigen Tagen hat das Maison des Artistes, das Haus der Künstler, sogar eine Meinungsumfrage gestartet. Die Kritiker bemängeln die Ästhetik des Kunstwerks ebenso wie den geplanten Standort. Denn die Skulptur soll auf dem viel besuchten Vorplatz zwischen zwei Museen für moderne und zeitgenössische Kunst im 16. Arrondissement ihren Platz finden – einem Ort, der mit den Pariser Anschlägen in keinem Zusammenhang stehe, wie die Gegner argumentieren.

Die französischen Künstler werfen Koons vor, er setze auf diesem prominenten Platz zwischen dem Palais de Tokyo und dem Musee d’Art moderne de la Ville de Paris eher sich selbst ein Denkmal. Die Anschläge am 13. November 2015 mit 130 Toten und über 350 Verletzten wurden unter anderem auf eine Konzerthalle und das Fußballstadion Stade de France verübt.

Koons ist der teuerste zeitgenössische Künstler der Welt. Viele sehen in dem Geschenk einen kommerziellen Coup, auch der ehemalige Kulturminister Frederic Mitterrand. Koons sei das Symbol einer industriellen, spektakulären und spekulativen Kunst geworden, sein Atelier und seine Händler multinationale Luxus-Unternehmen, schrieb Mitterand in einer Kolumne.

Denn die auf über drei Millionen Euro geschätzten Herstellungskosten trägt nicht der Künstler, sondern französische und amerikanische Sammler und Mäzene. Zu ihnen gehört auch François Pinault. Der steinreiche Unternehmer und bedeutende Kunstsammler besitzt mehrere Museen und zahlreiche Werke von Koons.

Angefertigt werden soll das tonnenschwere Werk, dessen Installation im Frühjahr geplant ist, in Deutschland. Koons selber hat sich übrigens zu dem Streit bisher nicht geäußert. Auf den geplanten Standort scheint der Star offensichtlich nicht verzichten zu wollen.

Kulturministerin will helfen

Nun kommt Frankreichs Kulturministerin Françoise Nyssen (66) dem US-Star zu Hilfe. Man werde gemeinsam mit Vertretern der französischen Kunstszene eine Lösung finden, die der symbolkräftigen Geste von Koons gerecht werde, sagte die Politikerin. Frankreichs Kulturministerin befindet sich in einer delikaten Situation. Wie ihre Lösung aussehen wird, weiß bisher aber noch niemand. Doch der einflussreiche französische Dachverband der Kunstgalerien (CPGA) hat in einer Pressemitteilung bereits wissen lassen, dass er gegen jeden Standort sei, der sich in der Nähe einer Kunsteinrichtung befinde.

Mittlerweile erklärte sich der Bürgermeister von Montpellier, Saurel Philippe, bereit, die Skulptur in seiner Stadt in Südfrankreich aufbauen zu lassen. Wenn in Paris niemand das tolle Geschenk von Jeff Koons haben wolle, dann sei Montpellier bereit, es zu empfangen, kündigte der Politiker an.