Auch der Skiverband kramt in seinen Archiven

Sport / 11.02.2018 • 20:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Skiverband um Präsident Peter Schröcksnadel muss jetzt auch den angeblichen Missbrauchsvorfall rund um Extrainer Charly Kahr (r.) aufarbeiten.apa
Der Skiverband um Präsident Peter Schröcksnadel muss jetzt auch den angeblichen Missbrauchsvorfall rund um Extrainer Charly Kahr (r.) aufarbeiten.apa

Präsident Schröcksnadel geht auf Ursachenforschung.

Pyeongchang ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel geht nach den Vorwürfen gegen Ex-Trainer Charly Kahr auf Ursachenforschung. Den Zeitpunkt der Veröffentlichung findet der Tiroler „eigenartig“. Es war eine Reaktion, die man vom Skiverband längst erwartet hätte. Als deren Präsident Peter Schröcksnadel auf die kürzlich gegen Kahr erhobenen Anschuldigungen der angeblichen sexuellen Belästigung angesprochen wurde, verwies der Tiroler das nicht ins Reich der Vergangenheit. Zwar sei er damals noch nicht im Organigramm des Verbands gestanden, sondern habe bei Lawineneinsätzen mit Such-Technologie mitgeholfen. Und der Zeitpunkt der Veröffentlichung stimme ihn wie schon im Fall Toni Sailer (vor Kitzbühel) nachdenklich – das vor Olympia „aufzukochen“ sei eigenartig. Aber das mindere seinen Aufklärungswillen nicht: „Wir wollen in unseren Archiven nachschauen, die Mühe haben wir uns bis jetzt nicht gemacht.“ Fest stehe: Sollte an irgendwelchen Vorwürfen was dran sein, werde man sich entschuldigen müssen.

Jedenfalls wolle man nachschauen: Wer war Trainer, wer Betreuer, gab es Sperren? Und der 76-Jährige hält unmissverständlich fest: „Jeder Fall tut uns leid.“ Wie viel sich tatsächlich findet, bleibt offen. Erst unlängst hatte ÖSV-Generalsekretär Klaus Leistner in der österreichischen Tageszeitung Standard darauf verwiesen, dass manches Schriftstück durch einen Wasserrohrbruch verloren gegangen sein könnte.

Dass man ihm mit den Enthüllungen schaden wolle, glaubt Schröcksnadel indes nicht: „Aber dem Verband schadet man natürlich.“ Im gleichen Atemzug verweist der Tiroler, seit 1990 im Amt, auf seine Umstrukturierungen: Früher hätte der Ski-Pool im Verband das Sagen gehabt, das sei vorbei, laufend würde etwas verbessert. Und jetzt würde man zudem in kleinen Trainingsgruppen arbeiten: „Die Gefahr, dass da was passiert, ist sehr klein. Es wurden viele Maßnahmen gesetzt, ohne damals schon die #mettoo-Bewegung gekannt zu haben.“

Es läuft kein Verfahren

Die aktuelle Debatte schade den Aktiven unmittelbar in Pyeongchang nicht, „aber indirekt belastet es immer. Ich werde mit ihnen reden.“ Das Beste sei es, keine Zeitungen zu lesen, man könne sich „von der Geschichte“ befreien. Und dass man nicht in der Favoritenrolle sei, könne auch von Vorteil sein. Einer Sache ist sich Schröcksnadel sicher: „Es läuft weder gegen einen Athleten noch einen Trainer oder Funktionär des ÖSV ein Verfahren. Es wird sich herausstellen, was da ist. Aber die heutige Zeit betrifft das sicher nicht.“ Derzeit prüfe die Klasnic-Kommission, Informationen habe er keine: „Sollte sich herausstellen, dass wirklich was vorgefallen ist, tun sie (die Betroffenen, Anm.) mir leid.“ F. Madl

„Jeder Fall tut uns leid. Die heutige Zeit betrifft das sicher nicht.“