„Das ist wirklich nur bitter“

Sport / 11.02.2018 • 19:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Am Ende fehlte Julian Eberhard nur wenig für eine Medaille. gepa
Am Ende fehlte Julian Eberhard nur wenig für eine Medaille. gepa

Julian Eberhard
verpasste Medaille um sieben Zehntelsekunden.

Biathlon Wäre es nicht ohnehin so kalt und windig in Pyeongchang, man hätte fast sagen können, dass das Eis für Österreichs Olympia-Team am Brechen war. Denn im Medaillenspiegel präsentierte sich die Bilanz vor dem Biathlon-Sprint noch unterkühlt, wie ein leerer Kühlschrank eben. Doch es taute schon fast, als Julian Eberhard, mit der frühen Nummer fünf ins Rennen gegangen, bei schwierigen Bedignungen ins Ziel kam. Ein Fehler im Stehendschießen war bei dem böigen Wind eine Top-Leistung, auch läuferisch schien es zu klappen. Doch am Ende war er wieder da, der Kälteschock, fast in der schlimmsten Form: Denn hinter Olympiasieger Arnd Pfeiffer, der die zweite Goldene für Deutschland holte, und dem sensationellen Tschechen Michal Krzmar (+4,4 Sekunden), holte sich nicht Eberhard Bronze, sondern der Südtiroler Dominik Windisch (+7,7) – um lächerliche sieben Zehntelsekunden war er schneller als Eberhard (+8,4).

Und für Eberhard zerbrach eine Welt. „Ich bin angetreten, um zu siegen“, diktierte der Saalfeldner nach dem Rennen. Auf der Loipe, auf der er schon das Testrennen gewonnen hatte. Doch es gab einfach zu viele Kleinigkeiten und Pannen: Da war der Stockbruch, nach dem er „zwei bis dreihundert Meter“ als Einstockläufer unterwegs war („Das war kein Problem, wir haben schnell reagiert“). Oder eben dieser eine Fehler im Stehendschießen, der „auch nicht hätte sein müssen“.Und da war vor allem die letzte Abfahrt. Denn 500 Meter vor dem Ziel war der 31-Jährige noch auf dem zweiten Platz gelegen. „Ab da geht es nur noch bergab. Dass ich da im Ziel dann auf einmal Vierter bin, das darf nicht passieren.“ Man könnte darin auch eine Kritik in Richtung Material sehen, wenn es bergab nicht für die erhoffte, ja an diesem Tag vielleicht sogar verdiente Medaille gereicht hat.

Denn die Favoriten öffneten überraschend die Tür: Martin Fourcade schoss liegend drei Fahrkarten. Eine Hypothek, die nicht einmal der Wunderläufer gutmachen konnte. Sein großer Konkurrent Johannes Tignis Böe aus Norwegen schoss auch drei Mal daneben – dadurch war der Weg frei für andere. Einer von ihnen hätte Eberhard sein sollen, doch es blieb nur Blech.

Die anderen Österreicher? Nicht schlecht, aber nicht stark genug. Simon Eder nahm die Schuld mit zwei Fehlern im Stehendanschlag auf seine Kappe, Dominik Landertinger fehlt nach langer Verletzungspause noch die Laufform. Und Tobias Eberhard leistete sich liegend praktisch ein Totalversagen. M. Schuen