„Ich wünsche mir mehr grüne Politik“

Vorarlberg / 11.02.2018 • 22:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Ich habe einen Hang zum Optimismus, aber auch negative Entwicklungen sind möglich.“ VN/Steurer
„Ich habe einen Hang zum Optimismus, aber auch negative Entwicklungen sind möglich.“ VN/Steurer

„Nur“ noch Bauer, Vorträge in ganz
Österreich, suchen und nachdenken.

ANDELSBUCH „Im Jahr 2015 habe ich mein letztes politisches Amt niedergelegt, bis dahin war ich in der Gemeindevertretung in Andelsbuch. Seither bin ich ,nur‘ noch ein Bauer, der viel sucht und nachdenkt. Ich möchte mit der Natur, dem Erbe der Vorfahren, also deren Ideen und Arbeitsweisen, zusammen mit meinen Fähigkeiten und den Leuten, die mich umgeben, gut wirtschaften und leben.“

So gegenüber den VN der frühere Grünen-Politiker Kaspanaze Simma (63) aus Andelsbuch, der in den Gesetzgebungsperioden 1984 bis 1989 und 1994 bis 1999 als Abgeordneter der Grünen dem Vorarlberger Landtag angehörte.

Und Simma weiter: „Heute beschäftige ich mich viel mit der Landwirtschaft und ihrer Entwicklung. Die Bauern sind nämlich die Einzigen, die nachhaltig Rohstoffe herstellen können. Das wäre im Gegensatz zur arbeitsteiligen, industriellen Produktion eine Wirtschaftsweise, die gesellschaftlich und wirtschaftspolitisch eine große Zukunft haben wird“, meint Simma.

Heute bewirtschaftet er den elterlichen Bauernhof mit zehn Stück Vieh, hat viel Freude mit seinen zwei Enkelkindern und hält Vorträge in ganz Österreich. „Daneben lese ich sehr viel einschlägige Literatur und verfolge die Politik zwar nicht mehr so intensiv wie früher, aber es hat mich natürlich nicht kalt gelassen, dass die Grünen aus dem Nationalrat ausgeschieden sind“, so Simma und kritisiert: „Die Menschen und die Natur in einem Zusammenhang zu sehen, ist politisch verwaist. Natürlich freut es mich, dass die Grünen in der Vorarlberger Landesregierung sind, aber ich würde mir insgesamt mehr grüne Politik wünschen. Radwege zu bauen, wird nicht ausreichen.“

Qualität autonomen Handelns

Für seine Mutter sei es nach dem Tod des Vaters ein großes Anliegen gewesen, dass die Landwirtschaft weitergeführt wird. In der zweiten Hälfte der Siebzigerjahre ist Kaspanaze Simma dann mit der Umweltbewegung in Kontakt gekommen. Besonders beeindruckt hat ihn immer der Kulturphilosoph Ivan Illich, der die Qualität des autonomen Handelns in den Vordergrund gestellt hat.

„Illich unterschied fünf Gefahren, die der Bevölkerung des Erdballs durch die fortgeschrittene industrielle Entwicklung drohen, diese Aussagen sind auch bis heute mein Credo“, so Simma und zählt auf:

» Das übersteigerte Wachstum bedroht das Recht des Menschen auf Verwurzelung in der Umwelt, mit der zusammen er entstanden ist.

» Die Industrialisierung bedroht das Recht des Menschen auf Autonomie des Handelns.

» Die Überprogrammierung des Menschen im Hinblick auf seine neue Umwelt bedroht seine Kreativität.

» Die zunehmende globale Verbündelung aller Produktionsprozesse bedroht sein Recht auf Mitsprache, d. h. auf Politik.

» Die Verstärkung von Verschleißmechanismen bedroht das Recht des Menschen auf seine Tradition, seinen Rückgriff auf das Vorhergegangene durch Sprache, Mythos und Ritual.

„Ich habe meine Zweifel daran, dass der industrielle Zugang wirtschaftlich ist. Das ist eine meiner wichtigsten Erkenntnisse. Dadurch wurden nämlich keine Arbeitskräfte gespart. Vielleicht betriebswirtschaftlich, aber nicht volkswirtschaftlich, und mit der Digitalisierung wird es nicht anders sein“, stellt Simma abschließend fest und fährt fort: „Die Vorarlberger Landwirtschaft ist eines der großen Opfer des Wirtschaftswachstums.“ EE

Zur Person

Kaspanaze Simma

Geboren 27. September 1954 in Andelsbuch

Laufbahn Schule, Übernahme des elterlichen Hofs

Politische Funktionen Mitglied des Jungbauernbundes der ÖVP, aktiv in der Grünen-Bewegung, grüner Landtagsabgeordneter

Hobbys Suchen und Nachdenken

Familie verheiratet, fünf Kinder, zwei Enkel (drei und ein Jahr alt)