Schmollende

Leserbriefe / 11.02.2018 • 20:09 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Bildungsreformer

Zum Leserbrief von Prof. Peter
Fischer, VN vom 8. 2. 2018:

Prof. Fischer wirft in einem spürbar von Verärgerung getragenen Leser­brief dem Obmann der ÖAAB-Lehrer, Wolfgang Türtscher, „rückwärtsgewandte Vorstellungen von Bildung“ und einen „verkrusteten Bildungsbegriff“ vor. An der Spitze seiner Erregungskurve attestiert er diesem gar „reaktionäres pädagogisches Gedankengut“. Seltsam nur, dass sich der Wirkungsgrad des von Fischer bejubelten pädagogischen Zeitgeistes zum Ärger vieler Reformer nicht wie erwartet in diversen Testungen und Evaluierungen abbildet. Prof. Fischer erwartet, dass ein modernes Schulsystem zu kritischen, selbstbewussten und demokratischen Bürgern erzieht – so wie der ÖAAB-Obmann übrigens auch. Dass dies aber nicht im Sinne der OECD ist, deren Erhebungen bei Bedarf immer wieder hervorgeholt werden, um Reformen durchzudrücken, wird von Reformbegeisterten wie Fischer übersehen. Finnland, in den Köpfen mancher Reformer das Paradies der Pädagogik, „zehrte bei den Erfolgen in den PISA-Testungen der 2000er-Jahre von Früchten, die nicht auf das aktuelle Schulsystem zurückzuführen sind, sondern auf lange zuvor gesäte Bedingungen“, so Gabriel Heller Sahlgren von der London School of Economics, der in einer Untersuchung den Niedergang des finnischen Bildungswunders ­untersuchte (Real Finnish Lessons, The true story of an education superpower). Solche Untersuchungsergebnisse passen aber nicht ins Weltbild mancher Bildungsreformer. Daher Prof. Fischers wütende Kritik am ÖAAB-Obmann, denn akzeptiert wird nur, was mit dem zeitgeistigen Weltbild konform geht.

Herwig Orgler,

Dr.-A.-Heinzle-Straße,

Götzis