Ein Geschenk vorab

Wetter / 12.02.2018 • 19:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Freude über die neue Palliativstation und Tag der offenen Tür.

hohenems Es wird fast ein Geburtstagsgeschenk. Auf jeden Fall bedeutet die Eröffnung der sanierten und auf 16 Betten erweiterten Palliativstation im Landeskrankenhaus Hohenems für OA Otto Gehmacher die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches. Denn zu oft mussten Patienten vertröstet und auf die Warteliste gesetzt werden. Manche erlebten die Aufnahme in die Palliativstation dann nicht mehr. Für Gehmacher und sein Team ein unbefriedigender Zustand. Jetzt ist das Licht am Ende des Tunnels erreicht. „Jetzt haben wir viel mehr Möglichkeiten“, freut sich der engagierte Mediziner auf deutlich bessere Bedingungen für seine Patienten.

Viel Grund zum Feiern

Am kommenden Freitag, 16. Februar 2018, gibt es für ihn und seine Mitarbeiter gleich mehrfachen Grund zum Feiern. Zum einen wird die runderneuerte Palliativstation eröffnet, zum anderen kann die Einrichtung ihr 15-jähriges Bestehen feiern, und die Bevölkerung ist von 13 bis 17 Uhr zum Tag der offenen Tür eingeladen. Von Anfang an bei diesem Projekt dabei war auch Otto Gehmacher. Jahrelang hatte der damalige Leiter der Internen Abteilung und Russ-Preis-Träger Prof. Gebhard Mathis für die Realisierung einer solchen Einrichtung gekämpft. Am 6. März 2003 war es dann so weit.

Nach Absolvierung des ersten in Vorarlberg angebotenen Palliativkurses wurde Otto Gehmacher von Gebhard Mathis ins Projektteam berufen. „So bin ich in die Thematik hineingewachsen“, erzählt der gebürtige Salzburger, der seitdem auch Regie auf der Palliativstation führt. „Ich habe den Schritt nie bereut“, betont er. Die ganzheitliche Begleitung von todkranken Menschen war ihm schon als Internist ein Anliegen. Mit der Palliativstation bekam er die Möglichkeit, sich ganz und gar diesem zu widmen. Dabei herrschte damals große Skepsis darüber, ob es so etwas überhaupt braucht. Wer möchte schon auf eine Sterbestation verlegt werden, und schadet das nicht dem Image des Krankenhauses? Heute sind solche Fragen längst Schnee von gestern. Denn die Zeit hat die Antworten geliefert. „Die Palliativstation ist aus der Vorarlberger Spitalslandschaft nicht mehr wegzudenken“, bekräftigt Otto Gehmacher. Patienten mit einer fortgeschrittenen Erkrankung erfahren hier Linderung, sie fühlen sich geborgen und werden mit ihren Wünschen und Sorgen gehört bzw. respektiert. Und von wegen Sterbestation. Nicht wenige der Patienten können nach einem Aufenthalt nämlich wieder nach Hause.

Sensible Balance

Als Leiter der Palliativstation kann Otto Gehmacher auf ein sehr homogenes Ärzte- und Pflegeteam zählen. Wechsel sind äußerst selten. Er führt das vor allem darauf zurück, dass das Personal deutlich mehr Zeit für seine Patienten hat als auf Akutstationen. „Außerdem kommt sehr viel an Wertschätzung und Dankbarkeit für die geleistete Arbeit von Patienten und Angehörigen zurück“, sagt Gehmacher. Trotzdem erfordert der tägliche Umgang mit Leid und Tod eine gesunde Abgrenzung. Nicht jedes Schicksal an sich heranlassen und dennoch berührt bleiben: „Das ist ein Lernprozess.“ Otto Gehmacher helfen Familie, Freizeitaktivitäten wie Radfahren und Urlaube, aber auch der Austausch im Team, diese sensible Balance zu halten. VN-MM

„Die Palliativstation ist aus der Vorarlberger Spitalslandschaft nicht mehr wegzudenken.“

Zur Person

OA Otto Gehmacher

leitet seit 15 Jahren die Palliativstation im Landeskrankenhaus Hohenems

Geboren 21. Februar 1963 in Salzburg

Ausbildung Medizinstudium

Laufbahn Internist, Palliativmediziner

Familie verheiratet, 3 Kinder

Wohnort Götzis