Ein „Ruck“ für das Team

Sport / 12.02.2018 • 19:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Jetzt hat er sie: Rodel-Olympiasieger David Gleirscher hat am Montagabend (Ortszeit) in Pyeongchang seine Goldmedaille erhalten.APA
Jetzt hat er sie: Rodel-Olympiasieger David Gleirscher hat am Montagabend (Ortszeit) in Pyeongchang seine Goldmedaille erhalten.APA

David Gleirscher schwebt immer noch auf Wolke sieben.

Herzliche Gratulation nochmals. Wissen Sie eigentlich, das wievielte Interview Sie gerade führen?

Gleirscher (lacht) Ich habe gar nicht mitgezählt. Es waren jetzt ein paar.

Sie haben über Ihren Goldgewinn geschlafen. Haben Sie jetzt schon besser realisiert, was Sie da geschafft haben?

Gleirscher Langsam kapiere ich das Ganze schon.

Haben Sie schon mit Ihrem Vater telefoniert? Sie haben ja seinen eigenen Traum vom Olympia-Gold verwirklicht.

Gleirscher Ich habe schon kurz mit ihm telefoniert. Ja, daheim ist Ausnahmezustand (lacht).

Sie können jetzt ganz locker in den nächsten Bewerb gehen, oder?

Gleirscher Es ist auf jeden Fall ein befreites Gefühl und ich glaube auch, dass bei der Mannschaft auch noch ziemlich viel möglich ist. Wir waren in der Saison bei sechs Staffeln vier Mal auf dem Podest. Ich war leider bei keiner dabei, aber trotzdem können wir da sicher vorne reinfahren.

Wenn bei Großereignissen etwas gut beginnt, dann kann man in einen Lauf kommen. Glauben Sie, dass so ein Flow für das gesamte Team beginnen könnte?

Gleirscher Ja, ich hoffe, dass da ein Ruck durch das ganze Team geht. Speziell auch für die Doppelsitzer ist einmal ein bisserl der Druck weg, dass eine Medaille her muss.

Gehen wir noch einmal zurück an Ihre Anfänge im Rodeln. Sie waren ja ursprünglich eher dem alpinen Skilauf zugetan.

Gleirscher Genau. Ich bin bis zwölf mehr Skirennen gefahren. Da hat mir das ein bisserl mehr getaugt, da bin ich ziemlich fanatisch gewesen. Dann hat mein kleiner Bruder Nico angefangen. Da ist man dann halt dauernd wieder an die Bahn gefahren zum Zuschauen. Irgendwann habe ich mir dann doch gedacht, dass ist eigentlich auch ganz cool.

Haben Sie als Kind dann die österreichischen Rodel-Erfolge im Fernsehen verfolgt?

Gleirscher Nicht wirklich. Ich muss sagen, ich habe früher fast alle Wintersportarten angeschaut und das Rodeln fast am wenigsten (lacht). Aber ich war immer sportbesessen und habe bei den Olympischen Spielen fast alles angeschaut. Dass ich jetzt da dabeisein darf und die Goldmedaille kriege, ist ein Traum, der wahr wird.

Letztes Jahr hatten Sie ja in Königssee einen schweren Sturz. Haben Sie da über eine Fortsetzung Ihrer Karriere nachgedacht?

Gleirscher Eigentlich überhaupt nicht. Es war zwar vom Ausschauen her ein ziemlich wilder Sturz, aber ich muss sagen, ich bin verhältnismäßig glimpflich davongekommen: Mit leichter Gehirnerschütterung und Schleudertrauma. Eigentlich war der erste Gedanke, dass ich ins Hotel muss, um die Kisten zusammenzupacken, weil wir am Montag schon wieder nach Lettland fliegen.

Sie sind noch nie zuvor auf einem Weltcup-Podest gestanden, jetzt sind Sie Olympiasieger. Ist es nicht schade, dass die Saison schon aus ist?

Gleirscher Ja, das ist schade. Ich hätte das jetzt gerne noch ein bisserl weiter mitgenommen. Aber ich versuche den Schwung, den mir das jetzt sicher gibt, ins nächste Jahr mitzunehmen und dann wieder so reinzustarten, wie es heuer aufgehört hat.

Ihre Teamkollegen haben sich teilweise mit Freudentränen mit Ihnen gefreut. Können Sie ein bisschen etwas zum speziellen Teamspirit bei den Herren erzählen?

Gleirscher Ich glaube, bei uns Herren vergönnt es jeder jedem. Ich muss sagen, auch die, die nicht dabei sind. Wir kommen alle gut miteinander aus. Ich glaube, es haben sich gestern alle mit mir gefreut. Letztes Jahr haben wir auch nach der WM den Wolfi (Kindl, Anm.) aus dem Tunnel herausgetragen, da war es eine ähnliche Situation.

Sind Sie eigentlich Münzensammler? Sie bekommen jetzt ja Silber-Philharmoniker im Wert von 17.000 Euro.

Gleirscher Das habe ich jetzt mitgekriegt. Ja, jetzt fange ich das Münzensammeln auch noch an (lacht).

Was kann man eigentlich noch für Ziele haben, wenn man schon Olympiasieger ist?

Gleirscher Ja, Ziele gibt es immer. Speziell wenn es Richtung Gesamt-Weltcup geht, das wäre ein großes Ziel, weil es zeigt, dass man über die ganze Saison auch stark sein kann. Wir haben nächstes Jahr ja auch wieder Weltmeisterschaften, das ist dann schon wieder das nächste Großereignis. Also Ziele gibt es genug.