Harmonisch eingebettet oder doch ein Artefakt

Vorarlberg / 12.02.2018 • 18:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Raumplanungsgutachten für Speicherteich mit viel Kritik.

St. Gallenkirch Die Meinungen gehen auseinander. Der See werde harmonisch in die Landschaft eingebettet, beschreibt der Montafoner Standespräsident Herbert Bitschnau das kontrovers diskutierte Bauvorhaben der Silvretta Montafon GmbH (SiMo) in einer Aussendung und betont die Bedeutung des Speicherteichs, der mit einem Speichervolumen von 307.200 Kubikmetern die gewohnten Dimensionen im Land sprengt, für die gesamte Talschaft. Auch der Betreiber verspricht eine bestmögliche Einbettung in das Natur- und Landschaftsbild sowie höchste ökologische Standards bei Begrünung und Gestaltung.

Zu einer gänzlich anderen Einschätzung kommen indes die Amtssachverständigen für Raumplanung und Baugestaltung im Landhaus in Bregenz. Statt „harmonisch eingebettet“ heißt es im Gutachten, das den VN vorliegt, der geplante Speichersee beschreibe in der konzipierten Form und Größe ein „ausgesprochen künstliches Gebilde“. Der See mit der geplanten Pumpstation wird weiter als Artefakt bezeichnet, das sich als Implantat in der alpinen Landschaft abheben wird. Die amtlichen Gutachter kommen zum Schluss, dass die Erweiterung der Schneeerzeugungsanlage im diametralen Gegensatz zu den Raumplanungszielen des Landes stehe. Die Bemühungen des Betreibers, nach dem Bau höchste Standards bei der Rekultivierung setzen zu wollen, werden nur teilweise geteilt. So könne das Ausmaß der landschaftlichen Störwirkung durch die angestrebte naturnahe Gestaltung nur teilweise ausgeglichen werden, befinden die Raumplaner. Am Ende seien die Eingriffe als „landschaftlicher Schaden“ zu werten.

61 Meter lange Pumpstation

Einen Fokus haben die Sachverständigen auf die geplante Pumpstation, die teils überschüttet und teils in den Damm integriert werden soll, gerichtet. Das Bauwerk erstreckt sich über 61 Meter und soll am höchsten Punkt knapp 10 Meter herausragen. Dass der Betreiber keine Kosten und Mühen scheut, die Pumpstation „naturnah“ zu gestalten, wird von den Gutachtern durchaus honoriert. So könne die Gestaltung des Bauwerks isoliert betrachtet als ansprechend gewertet werden. Materialisierung und Farbgebung würden im Großen und Ganzen einen verträglichen Gesamteindruck vermitteln. An der Problematik einer in dieser Höhenlage fremdartigen technischen Infrastruktureinrichtung ändere sich dadurch jedoch nichts Grundlegendes, heißt es weiter.

Pro und Contra des geplanten Speicherteichs im Montafon werden morgen, Mittwoch, ab 18.50 Uhr bei einem VN-Stammtisch im Gemeindesaal von St. Gallenkirch diskutiert. VN-MIG