NBZ spaltet sich auf

Vorarlberg / 12.02.2018 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Adnan Dincer zur Kritik: „27 Personen haben eine außerordentliche Versammlung beantragt, von denen 21 Leute nicht einmal Parteimitglieder sind.“ VN/Steurer
Adnan Dincer zur Kritik: „27 Personen haben eine außerordentliche Versammlung beantragt, von denen 21 Leute nicht einmal Parteimitglieder sind.“ VN/Steurer

Gruppe um Murat Durdu spaltet sich von der NBZ ab und gründet eine eigene Partei.

Schwarzach Die „Neue Bewegung für die Zukunft“ (NBZ) ist seit 20 Jahren fixer Bestandteil der Vorarlberger Arbeiterkammerpolitik. Österreichweit sorgte die Gruppe um Adnan Dincer im August 2016 für Aufsehen, als sie per offenem Brief erklärte, Dutzende Arbeiter mit türkischen Wurzeln wären bereit, Österreich zu verlassen, falls bisher geleistete Sozialleistungen zurückerstattet würden. Im Jänner 2017 verlautbarte Dincer: Aus der AK-Fraktion soll eine österreichweite Partei werden. Er selbst wurde zum Bundesvorsitzenden gewählt, die Vorarlberger Landesorganisation übernahm Murat Durdu, der bei der Nationalratswahl im Oktober 2017 als Erster der Landesliste aufschien. Am Sonntag gab Durdu die Gründung der Partei HAK (Heimat aller Kulturen) bekannt.

Innerparteilich schwelt der Konflikt schon länger, wie Dincer und Durdu auf VN-Anfrage bestätigten. Wie es dazu kam, erzählen beide jedoch unterschiedlich. Dincer so: „Wir haben vor einigen Jahren unser Team erweitert, um frischen Wind in die Partei zu bekommen. Manche haben leider gedacht, sie könnten ihre Ideologie durchsetzen. Wir wollen eine Partei für alle Österreicher sein, sie hingegen für eine Minderheit der Minderheit.“

Aus Durdus Mund klingt es anders: „Adnan Dincer sucht vor jeder Wahl neue Leute, um sie nach der Wahl wieder rauszubringen. Das hat er 2014 auch bei uns probiert. Wir haben allerdings ein Versprechen abgegeben, die Community für die ganze Periode zu vertreten.“ Durdu habe deshalb mit einigen Kollegen um eine außerordentliche Generalversammlung angesucht. „Wir haben sie mit Unterschriften beantragt, Dincer hat das aber abgelehnt.“ Dincer entgegnet: „27 Personen haben eine außerordentliche Versammlung beantragt, von denen 21 Leute nicht einmal Parteimitglieder sind. Hätte das nötige Zehntel der Mitglieder unterschrieben, wären wir dem Antrag natürlich nachgekommen. Umgekehrt wurde jedes Gesprächsangebot unsererseits abgelehnt.“

Durdu wirft Dincer zudem vor, dass dieser als Bundesvorsitzender die anderen Vorstandsmitglieder über bestimmte Themen im Dunkeln ließ. „Er hat uns zum Beispiel nicht über die Finanzen informiert, aber immer wieder Spesenabrechnungen gestellt.“ Dincer lässt das nicht gelten: „Ich bin weder Kassier noch Rechnungsprüfer. Der Rechnungsprüfer ist bei deren Gruppe dabei und hatte immer Einsicht.“

Auf Distanz zum Vorsitzenden

Den Konflikt brachte schließlich ein Artikel im „Wann und Wo“ vom 4. Februar zum Eskalieren. Dincer erklärte darin: „Es ist leider Fakt, dass viele Kinder mit türkischen Wurzeln, wenn sie in den Kindergarten kommen, kaum bis gar nicht Deutsch können. Viele Eltern glauben, dass die Kinder im Kindergarten Deutsch lernen können.“ Noch am selben Tag veröffentlichte die NBZ: „Die Ansichten, die Herr Dincer verlautbaren ließ und die türkische Community zutiefst gekränkt haben, sind nicht jene der Partei NBZ.“ Auf VN-Anfrage ergänzt Durdu: „Ich selbst habe kein Deutsch gesprochen und kann es nun fließend. Die Muttersprache ist wichtig, auch meine Kinder haben zunächst kein Deutsch gesprochen. Das funktioniert.“

Am 5. Februar teilte die NBZ mit, Durdu und die Landesführung aus der Partei auszuschließen. Unterschrieben von acht Mitgliedern des Bundesvorstands. Am Sonntag gab Durdu schließlich die Gründung der HAK bekannt. Die Partei möchte sich auf Vorarlberg konzentrieren, wie Durdu bekräftigt. Auch auf die Landtagswahl 2019, als direkter Konkurrent der NBZ.

„Dincer sucht vor jeder Wahl neue Leute, um sie nach der Wahl wieder rauszubringen.“