„Dann würde ich eine große Party schmeißen“

Menschen / 13.02.2018 • 22:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Mit „Cheerleader“ landete Felix Jaehn auch in den USA einen Chart-Hit. APA

Am Freitag erscheint das erste Album von DJ Felix Jaehn.

Berlin Fast über Nacht wurde Felix Jaehn (23) zum Star. Nach ersten DJ-Auftritten in der Schulzeit wechselte er mit 17 aufs Musik-College nach London. Mit Anfang 20 dann der erste Nummer-1-Hit „Cheerleader“, mit dem Jaehn auch in den USA an die Spitze der Charts kletterte. Seit den großen Tagen Milli Vanillis Ende der Achtzigerjahre hatte das kein deutscher Musiker mehr geschafft. Es folgten Gold- und Platin-Auszeichnungen für „Cheerleader“ und weitere Singles. Auf ein Album warteten Fans jedoch bislang vergeblich

Am Freitag (16. Februar) erscheint mit „I“ nun der erste Langspieler. Darauf bleibt der DJ von der deutschen Ostseeküste – er stammt aus einem Dorf mit 80 Einwohnern in Mecklenburg-Vorpommern – seinem Hang zu Kollaborationen treu. Kaum ein Song kommt ohne Gastmusiker aus. „Das ist natürlich immer total schön, wenn man da gemeinsam im Raum sitzt“, beschreibt Jaehn. Tatsächlich lief die Arbeit am Album meist längst digital ab. „Manchmal schalte ich mich über die Webcam zu, wenn der Sänger gerade in der Gesangskabine steht, und gebe so meinen Senf dazu“, erklärt der 23-Jährige. Viele Kollaborationen sind für ihn vor allem eines: Arbeitstreffen. Aus manchen ergibt sich trotzdem mehr. So wurde Herbert Grönemeyer für ihn zu einer Art Mentor, nachdem sie gemeinsam einen Song zur Fußball-Europameisterschaft 2016 veröffentlichten. „Sowohl musikalisch als auch menschlich hat es einfach irgendwie gefunkt“, erläutert Jaehn, der wie Grönemeyer Wert darauf legt, seine Privatsphäre zu schützen.

Gartenarbeit

Auch sonst wirkt er fast unwirklich geerdet, abgeklärt, ja tiefenentspannt für einen Mann Anfang 20, der urplötzlich aus der mecklenburgischen Provinz in die Champions League des internationalen Musikgeschäfts katapultiert wurde. „Das ist sicherlich etwas, das auf der Strecke geblieben ist“, sagt er über durchfeierte Nächte, wie sie für viele seiner Altersgenossen normal sind. Jaehn, der anderen genau solche Nächte bereitet, befasst sich nach eigenen Angaben privat lieber mit Gartenarbeit oder sitzt mit Freunden am Lagerfeuer. „Sich treu bleiben“, das sei einer der wichtigsten Ratschläge, die er von Grönemeyer bekommen habe, meint er. Wer nur dem Zeitgeist nachrenne, könne nicht auf Dauer Erfolg haben. Soundtechnisch bleibt er sich auf „I“ tatsächlich weitgehend treu: Es sind Popsongs im elektronischen Gewand, mit Strophe, Refrain und Ohrwurmpotenzial. Einige erinnern an die Musik, die Fitnessketten produzieren lassen, um ihre Kundschaft auf den Crosstrainern anzuheizen, ohne dass sie dabei genervt werden sollen. Für Musik, die vor allem unterhalten soll, ist das ein ehrbares Ziel. Ein Bob Dylan hätte mit dem Vorsatz aber wohl keinen Nobelpreis geholt.

Ob sich der Erfolg der letzten Jahre noch einmal toppen lässt? Jaehn gibt sich bescheiden: „Wenn mir das nochmal gelingen würde, dann würde ich definitiv eine große Party schmeißen“, sagt er über seinen ersten Nummer-1-Hit rund 30 Jahre nach Milli Vanillis letztem Riesenerfolg. Dass er abhebt, falls es so kommt, ist jedenfalls nicht zu erwarten, so lange er in der Freizeit weiter am liebsten Unkraut jätet und am Lagerfeuer sitzt.