„Ik wohne in Daventry“

Sport / 13.02.2018 • 21:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Fünfter Tag in Pyeongchang, vierter Wettkampftag. Es kommt so etwas wie Routine auf in gewissen täglichen Abläufen. Man verlässt das Media Village nie ohne die Akkreditierungs-Badge. Schließlich würde man sonst Probleme beim Wiedereintritt haben. Zurück geht’s immer nur durch den Kontrollscanner, der Piepser signalisiert freien Durchgang. Die Kontrolleure nicken immer gleich freundlich. Doch sie sind nicht immer die Gleichen. Das Personal wechselt sich überall sehr schnell ab.

Auch die Unterkunft nenne ich mittlerweile ohne zu stottern „mein Zuhause“. Luxus ist es nicht. Die Schränke sind verklebt, für uns drei WG-Bewohner nicht zur Nutzung vorgesehen. Wir haben kein Geschirr, keine Kaffeetassen, keine Küchengeräte, nicht einmal einen Wasserhahn in der Küche. Was wir haben ist ein Wasserkocher. Den Instantkaffee geben wir in einen Pappbecher, das Wasser holen wir vom Klo. Was wir auch haben – sehr wichtig – ist ein Kühlschrank.

Beim Eingang klebt eine Liste mit dem Verzeichnis jener Beträge, die wir bei Beschädigung oder Diebstahl von Wohnungseinrichtung zu berappen hätten. Würde ich etwa ein Stück Küche abmontieren und nach Lustenau bringen wollen, und mich dabei erwischen lassen müsste ich umgerechnet etwa 1500 Euro zahlen. Ich bin nicht diebstahlsgefährdet.

Gewöhnungsbedürftig sind nach wie vor die unangekündigten Besuche der Putztrupps, die ungefragt reinkommen und für Reinlichkeit sorgen. Aber das nimmt man als ostasiatische Eigenart möglichst humorvoll hin.

Immer störender empfinde ich hingegen die dürftigen Englischkenntnisse der meisten Volunteers. Sie verstehen die einfachsten Fragen nicht. Blöd ist das vor allem dann, wenn du eine Örtlichkeit suchst und trotz zungenbrecherischer Artikulation und einfachster Fragestellung nur ein Lächeln bekommst, statt die Antwort, die dir weiterhilft.

Dies erinnert mich an meinen Studienauslandsaufenthalt im englischen Daventry. Da unterrichtete ich als Fremdsprachenassistenz für Deutsch einfache Kommunikation. Einmal fragte ich einen Buben laut und deutlich: „Wie heißt du?“ Zur Antwort bekam ich: „Ik wohne in Daventry“.

VN-Redakteur Klaus Hämmerle berichtet aus Pyeongchang.