„Am Ende geht es immer um Jobs“

Markt / 15.02.2018 • 21:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gelegentlich beherrscht Sturm das Verhältnis zwischen der EU und Österreich. MM
Gelegentlich beherrscht Sturm das Verhältnis zwischen der EU und Österreich. MM

Wirtschaftskammer Vorarlberg initiiert Imagekampagne für Europa.

Wolfurt Europa – oder konkret: die Europäische Union – könnte ein bisschen Unterstützung brauchen. Denn das Image der EU ist in Österreich alles andere als gut: Während laut neuester Eurobarometer-Umfrage innerhalb der EU28 57 Prozent der Bevölkerung in der Europäischen
Union eine gute Sache sehen, tun dies gerade mal 42 Prozent der Österreicher. Und auch die Vorarlberger, bei der Volksabstimmung zum Beitritt der EU 1994 zu 66,6 Prozent dafür, sehen in der EU öfter Übel als Segen.

EU alternativlos

Zu Unrecht, sagt die Wirtschaftskammer Vorarlberg und hat die Initiative „Wir sind Europa“ gestartet, die Vizepräsident Michael Grahammer am Donnerstag zusammen mit Martin Ohneberg, Industriellenvereinigung, und Landeshauptmann Markus Wallner in einem der erfolgreichsten Exportbetriebe des Landes, der Firma Doppelmayr, präsentierte. Vorarlberg hat in der Tat seit dem Beitritt 1995 ein atemberaubendes Wachstum erlebt. „1994 betrugen die Exporte 2,723 Milliarden Euro, nun steuern wir auf zehn Milliarden zu“, rechnet Grahammer vor. Und Wallner betont, dass Vorarlberg mit derzeit über 160.000 unselbstständig Beschäftigten einen Rekord zu verzeichnen hat. Überhaupt: Alle Anstrengungen – Interregprogramme, Forschungsunterstützungen bis zu Förderungen für Infrastruktur und Landwirtschaft – haben nur ein Ziel: „Am Ende geht es immer um Jobs.“

„Die Mitgliedschaft ist alternativlos“, sagt auch IV-Präsident Martin Ohneberg. Doch alle betonen auch, dass es in der EU durchaus Bereiche gebe, die verbessert werden können. Von den Förderschwerpunkten bis zum Schutz der Außengrenze. Die Argumente sind bekannt,  doch die Herzen der Menschen erreichen die kalten Fakten nicht. Ein Manko, das bereits EU-Kommissar Günther Oettinger in einem VN-Gespräch eingestanden hat. „Es braucht Emotionen“, sagte Oettinger damals. Die werden wohl trotz der Anstrengungen der Initiative nicht wirklich geweckt werden. Doch die Chance lebt, zumal in der Reihe „Europa backstage“ Jugendliche von Angesicht zu Angesicht mit Unternehmern und Experten, die in Brüssel tätig sind, kommunizieren können. Auch eine Wanderausstellung ist geplant.

„Sündenbock Brüssel“

Und das EU-Informationszentrum ist anlässlich der EU-Offensive ins Landhaus geholt worden. Damit dokumentiere man, dass das Land zu hundert Prozent hinter der EU stehe, so Wallner. Doch eine eigene Botschaft in Brüssel, wie sie sich Ohneberg vorstellen könnte, braucht Wallner nicht unbedingt. „Dort muss Österreich mit einer Stimme sprechen.“ Und dem Image des Staatenbundes wäre schon geholfen, so ein Vorarlberger Manager, wenn Brüssel nicht bei jeder unpopulären Maßnahme als Sündenbock herhalten muss.

Was auffällt: Die Landwirtschaftskammer ist bislang nicht Teil der Initiative. „Dafür sind wir dabei“, so Wallner. Immerhin sind es aber die Landwirte, die einen erklecklichen Teil der EU-Förderungen überwiesen bekommen. Und auch die Arbeitnehmer fehlen. Ein Umstand, den ÖGB-Chef Norbert Loacker schon kritisiert: „Aus Arbeitnehmersicht gibt es genügend Themen, über die die Menschen ebenso wie über Wirtschaftszahlen Bescheid wissen sollten.“ VN-sca

„Wenn Europa hier nicht funktioniert, wo soll es denn dann funktionieren?“