G. D. 347.273-St. B.

Politik / 15.02.2018 • 22:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es ist ein schauriger Umgang mit der Geschichte. Heinz-Christian Strache war Bursch der extrem rechten Burschenschaft „Vandalia“ und ist angeblich mit allen rechtsextremen Größen bekannt gewesen. Heute ist er Vizekanzler der Republik Österreich. ÖVP-Obmann Sebastian Kurz hat ihm den Weg aus der rechten Schmuddelecke ermöglicht. Strache will nun seine eigene Vergangenheit abstreifen. Eine hauseigene Historikerkommission soll ihm dabei helfen. Aber das will nicht so recht gelingen.

Ein ehemaliger Strache-Freund, den wir Vorarlberger alle gut kennen, hat im Jahre 2007 einer Tageszeitung ein Foto übergeben, das Strache Ende der 80er-Jahre bei einem Treffen nationaler Burschenschaften zeigt. Strache spreizt auf dem Foto drei Finger seiner ausgestreckten rechten Hand zum sogenannten Kühnen-Gruß. Der Neo-Nazi Gottfried Küssel erklärte damals: „Wir nennen diesen Gruß den Kühnen-Gruß, benannt nach unserem rechten Führer Michael Kühnen. Wer immer diesen Gruß – die drei gespreizten Finger – verwendet, symbolisiert damit, dass er zu unserer Gesinnungsgemeinschaft gehört. Dieser Gruß ist uns heilig.“ HC Strache hat damals den Zeitungsmeldungen heftig widersprochen. Er habe damals wohl lediglich „drei Bier bestellen“ wollen, obwohl auf dem Bild schon eine Flasche vor ihm stand. Im Lauf der Geschichte haben ertappte Rechtsextreme immer wieder versucht, die Verwendung des abgewandelten Hitlergrußes als Bestellung von drei Litern oder drei Bieren kleinzureden. Auch Vizekanzler Strache ist in diese Falle gestolpert. Als Bursch der „Vandalia“ hat er natürlich die Erlässe seiner Vorgänger in ihrer Funktion als Vizekanzler noch nicht gekannt. Der Heimwehr-Führer Eduard Baar-Baarenfels war Vizekanzler im zweiten austrofaschistischen Kabinett Schuschnigg, das einen aussichtslosen Kampf gegen den Nationalsozialismus führte. In dem Erlass G. D. 347.273-St. B. hat Vizekanzler Baar-Baarenfels am 29. Juli 1936 den Gendarmerieposten, Kriminalstellen und Bezirkshauptmannschaften auch in Vorarlberg eröffnet, „dass die Leistung des deutschen Grußes (horizontales Erheben des rechten Armes) sowie die Worte ‚Heil Hitler‘ in Österreich verboten sind. In gleicher Weise sind selbstverständlich auch die getarnten Formen des deutschen Grußes (‚Drei Liter‘) verboten.“

Die blau eingefärbte FPÖ-Historikerkommission soll nun nach braunen Flecken in der eigenen FPÖ suchen. Das ist ungefähr so, wie wenn ein Angeklagter sein Urteil vor Gericht selber schreiben darf. Oder wie es der Kabarettist Florian Scheuba formulierte: Das ist, als wollte man Heu auf einem Heuhaufen suchen.

„Die blau eingefärbte FPÖ-Historikerkommission soll nach braunen Flecken in der eigenen FPÖ suchen.“

Arnulf Häfele

arnulf.haefele@vn.at

Arnulf Häfele ist Historiker und Jurist. Er war langjähriges Mitglied des Vorarlberger Landtags.