„Nur nicht gegen einen Baum fahren!”

Sport / 15.02.2018 • 20:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pita Taufatofua ist der erste Athlet aus Tonga, der an Winterspielen teilnimmt. Gepa
Pita Taufatofua ist der erste Athlet aus Tonga, der an Winterspielen teilnimmt. Gepa

Langläufer Pita Taufatofua aus Tonga hat höhere Ziele.

Pyeongchang Sie gehören zu Olympia wie Kimchie zu koreanischem Essen: die Exoten. Pita Taufatofua ist einer von ihnen – und was für einer: Er ist der erste Athlet aus Tonga, der an Winterspielen teilnimmt. Und noch dazu war er vor zwei Jahren auch noch als Taekwondo-Kämpfer bei den Sommerspielen. Taufatofua ist ein Botschafter für den Wintersport, der in der Nacht auf heute im Langlauf-Bewerb über 15 Kilometer teilnahm – sein größtes Abenteuer. „Die Reise zu den Winterspielen war das Härteste, was ich je getan habe. Ich hatte ja in meinem ganzen Leben erst zwölf Wochen auf Schnee – na gut, am Freitag werden es 13 Wochen sein. Aber ich hoffe doch, dass ich vor Mitternacht im Ziel bin …“

Die Geschichte des 34-Jährigen ist eine besondere, zu Olympia wollte er nicht (nur) wegen sich, sondern weil er „hoffentlich andere für die nächsten Spiele inspiriert“, wie er sagt, denn: „Ich werde hier natürlich keine Medaille gewinnen. Aber vielleicht in vier Jahren jemand aus Tonga oder aus dem Pazifik. Da schauen diesmal auch Kinder zu – und die bekommen so Zugang zu etwas, was sie vorher noch nie gesehen haben!“

So wie Pita selbst noch vor einiger Zeit. Und deshalb fürchtet er sich nahezu vor dem 15-Kilometer-Lauf: „Wir haben eine Love-Hass- oder fast Hass-Hass-Beziehung. Mein schlimmster 15er war, als ich einmal bei der ersten Abfahrt den Ski verloren habe. Ich habe 1:40 Stunden gebraucht, bis ich im Ziel war. Das war selbst für einen, der nie aufgibt, recht anstrengend mit einem Ski.“ Zwei Ziele hat er sich trotzdem gesteckt: „Ich will im Ziel sein, bevor sie die Lichter abdrehen. Und ich will nur nicht gegen einen Baum fahren!“

Über die 15 km wird er auch nicht, wie als Fahnenträger bei der Eröffnung, in der Landestracht antreten – im Bastrock und oben ohne. Bei der Eröffnung trotzte er den Minusgraden: „Meine Vorfahren sind vor 1000 Jahren über den Pazifik gesegelt, haben nicht gewusst, wann sie Land sehen, wann sie wieder zu essen bekommen. Da werde ich wohl 20 Minuten oben ohne in der Kälte aushalten!“

Trainerin ist weg

Ganz andere Probleme haben Jamaikas Bob-Damen: Nach internen Querelen im jamaikanischen Bobverband kam es zur Trennung von Trainerin Sandra Kiriasis. Statt einer glanzvollen Neuauflage des Märchens eines Bobs von Jamaika wie vor 30 Jahren in Calgary („Cool runnings“) gibt es nun Streit. Denn die Deutsche fordert Geld vom Verband, schließlich habe sie „den Bob organisiert und private Kufen und andere Ausrüstung zur Verfügung gestellt“. Sollte der Verband, der in einer Aussendung betonte, nicht davon auszugehen, „dass es zu Änderungen in der Ausrüstung kommt“, auf stur schalten, droht die Olympiasiegerin von 2006 auch damit, ihre Ausrüstung zurückzufordern. Dann dürften die Damen um Pilotin Jazmine Fenlator kommenden Dienstag und Mittwoch nicht am Bewerb teilnehmen. Aber davon geht keiner aus.