Gerold Riedmann

Kommentar

Gerold Riedmann

Abgeraucht

Politik / 16.02.2018 • 22:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Natürlich, für Heinz Christian Strache ist es bei genauerem Hinsehen nur konsequent, sich für die Raucher einzusetzen. Erstens macht das sonst niemand im politischen Betrieb und zweites ist es ja so: die FPÖ-Position, ein bereits beschlossenes Nichtraucher-Gesetz zu kippen, ist so jenseitig, dass viel darüber gesprochen wird. Vor allem an vernebelten Stammtischen, wo die FPÖ Lufthoheit genießt. Jedenfalls ist es eine so klare Kontra-Positionierung (auch gegen den gesunden Hausverstand), dass die internationale Presse aufspringt und Aufmerksamkeit über die Landesgrenzen hinaus sichert. Schließlich ist die Liebeserklärung an den Glimmstängel der nikotintriefende Beweis, dass die FPÖ auf politische Korrektheit jedenfalls verzichtet.

Gleich gut hätte die FPÖ fordern können, dass die Gurtpflicht im Auto zurückgenommen– und die Helmpflicht auf dem Motorrad gekippt oder Asbest wieder verbaut wird. Soll doch jeder selbst entscheiden, was gut für ihn ist!

Sebastian Kurz und die ÖVP nehmen passivrauchend in Kauf, dass ihnen fortan der Duft von kaltem Zigarettenrauch anhaftet. Achselzuckend heißt es in türkisen Kreisen, es sei den Freiheitlichen in den Koalitionsgesprächen halt so wichtig gewesen, dass sie sonst die Regierungspläne hätten platzen lassen. Und man brauche ja eine Regierung. Im persönlichen Gespräch sichert vom Bundeskanzler abwärts jeder ÖVP-Funktionär zu, die Rücknahme der Nichtraucher-Bestimmungen für nicht sinnvoll zu halten. Aber mei. Was muss man nicht alles tun, um eine Koalition herzubekommen.

Kopf schütteln allein reicht nicht. Was in italienischen Bars, Pariser Cafés und New Yorker Klubs anerkannt ist, funktioniert auch in Wiener Kaffeehäusern und Montafoner Hotellobbys. Das Signal, in der österreichischen Gastronomie weiterrauchen zu dürfen, ist völlig rückwärtsgewandt – und ein Hohn, nicht nur für Krebspatienten. Österreich hat nun die Chance, gegen die Pläne zu protestieren. Politisch unverdächtig: Als Initiatoren fungieren Ärztekammer und Krebshilfe.

Wer gestern übrigens das Nichtraucher-Volksbegehren unterschreiben wollte, scheiterte in den allermeisten Fällen: Im FPÖ-Innenministerium sind die Server abgeraucht.

„Die Liebeserklärung an den Glimmstängel ist der nikotintriefende Beweis, dass die FPÖ auf politische Korrektheit jedenfalls verzichtet.“

Gerold Riedmann

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Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.