Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Blockchain

Vorarlberg / 16.02.2018 • 16:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die großen globalen Bankinstitute sind schon vor zwei Jahren aktiv geworden. Die Deutsche Bank, die schweizerische UBS und Goldman Sachs sind gleich zu Beginn aufgesprungen, inzwischen ist in der Welt der Elektronik nichts mehr so, wie es einmal war. Die Technik des „Blockchain“ hat eine Goldgräberstimmung verursacht wie selten eine Erfindung zuvor. Bereits 2016 haben Kapitalgeber eine halbe Milliarde US-Dollar in Blockchain-Firmen gesteckt. Blockchain ist, wie der Name besagt, eine elektronische Kette mit einer neuen Art von Verschlüsselung. Zurzeit ist noch offen, wozu diese Technik verwendet werden wird, aber das Potenzial ist gewaltig. Finanzexperten am World Economic Forum sagen voraus, dass in zehn Jahren zehn Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts mit dieser dezentralen Technik abgewickelt werden. Blockchain drang in erster Linie durch die Gründung von elektronischen Währungen wie Bitcoin, Ethereum und anderen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Eine herkömmliche Buchhaltung wird durch einen Buchhalter beaufsichtigt. Bitcoin ist eine Währung mit dezentraler Buchhaltung. Wer sich produktiv beteiligen will, bekommt eine sehr schwierige mathematische Aufgabe gestellt, die nur mit einer hohen Rechenleistung bewältigt werden kann. Wer als Erster die Aufgabe löst, kann einen (verschlüsselten) Buchungssatz schreiben, an eine elektronische Kette hängen und ein Bitcoin generieren. Der Vorgang nennt sich „Mining“. Bitcoins werden mithilfe von Computern „geschürft“. Die Aufgaben sollen sicherstellen, dass niemand beim Schürfen eine vorherrschende Stellung bekommen kann. Die Konzentration der Rechenkraft im Bitcoin-System wächst jedoch rasch an. Der Wettbewerb der „Schürfer“ hat zum Entstehen großer Computerfarmen geführt. Die größten von ihnen stehen dort, wo es billige Stromquellen, schnelle Netzwerke, aber wenige Verbraucher gibt. China hat dabei die Nase vorne.

Die Folgen des Bitcoin-Rennens spüren die Hersteller von Computergrafikkarten, die für das „Minig“ benötigt werden. Bei den größten Produzenten Radeon und Nvidia kommt es inzwischen zu Lieferengpässen.

Es wurde eine Zeitlang vor Währungen wie Bitcoin gewarnt. Inzwischen bereiten sich die ersten Börsen auf den Handel vor. Kryptowährungen sind nur eine Möglichkeit der Blockchaintechnik, die unser Leben schon bald gründlich verändern wird. Wenn, so wie Estland, noch eine Handvoll weiterer Staaten mitmachen, kann Blockchain es eines Tages ermöglichen, Banken, Behörden und sogar Notare zu umgehen. Dann wird eine „schöne neue Welt“ entstehen. Die Regierungen müssen sich schon bald etwas einfallen lassen, wenn sie nicht die Kontrolle verlieren wollen.

„Blockchain ist, wie der Name besagt, eine elektronische Kette mit einer neuen Art von Verschlüsselung.

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.