„Das Kribbeln ist immer noch da“

Markt / 16.02.2018 • 19:55 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Walter Egle ist stolz auf die Show

Walter Egle ist stolz auf die Show „Afrika!, Afrika!“, die im Mai nach Bregenz kommt.

Vom Adeg-Lehrling zum Top-Veranstalter: Walter Egle hat sich dennoch nie auf Erfolgen ausgeruht.

Bregenz Walter Egle fing als Kassettenverkäufer an und zählt heute zu den erfolgreichsten und größten Veranstaltern Österreichs.

 

Das Veranstaltungsrepertoire ist groß. Mit welchem Angebot spricht man das größte Publikum an?

Egle Das erfolgreichste ist in Summe der gut gemachte Zirkus ohne Tiere. Damit kann man die ganze Familie begeistern. Angefangen hat es mit den Magiern Siegfried und Roy. Das war die erste große Family-Entertainment-Show. Sie haben damals Millionen an Menschen bewegt. Als sie zurücktreten mussten, war das die Sternstunde des Cirque du Soleil. Sie haben derzeit neun Shows in Las Vegas und sieben in Macau.

 

Wann ist für Sie eine Veranstaltung gelungen?

Egle Mein Ziel ist, dass die Leute besser rausgehen als sie reingekommen sind. Egal ob es ein Rock- oder Volksmusikkonzert ist. Ich mache das jetzt seit 27 Jahren und das Kribbeln ist immer noch da. Natürlich muss die Kasse auch stimmen, aber letztlich muss man gute Shows liefern.

 

In der Veranstaltungsbranche liegen Erfolg und Misserfolg sehr eng beieinander. Was sind die Voraussetzungen, um in diesem Business langfristig erfolgreich zu sein?

Egle Wahrscheinlich ist es die schwierigste Branche überhaupt. Auch weil sie komplett übersättigt ist. Früher war ein Feuerwehrball ein Highlight, heute ist es das Rolling-Stones-Konzert in Spielberg. Die Künstler haben früher vom CD-Verkauf gelebt, heute sind Konzerte die Haupteinnahmequelle. Darum sind so viele Leute auf Tour. Das macht den Kuchen immer kleiner. Allein in Wien gibt es jeden Tag 450 Events musikalischer Art. Der Konkurrenzkampf ist also hart. Ich wurde früher immer als Schlagerfuzzi belächelt. Aber der Schlager hat sich dank Künstlern wie Helene Fischer oder Andreas Gabalier brutal nach oben entwickelt. Somit bin ich der, der zuletzt lacht, weil die Schlagerbranche derzeit das Musikgeschäft im deutschsprachigen Raum dominiert.

Wenn man einmal eine falsche Entscheidung trifft, kann das aber schnell zum Aus führen.

Egle Wenn zu einem Mega-Event wie AC/DC 20.000 Leute weniger kommen, bist du pleite. Hier ist man komplett von der Masse abhängig. Ich bin einer der wenigen Veranstalter in Österreich, die in den 27 Jahren noch nie einen Konkurs oder Ausgleich gemacht haben. Da klopf ich auf Holz. Mein Vorteil ist, ich habe eine Lehre bei Adeg gemacht und sehe mein Geschäft wie einen Supermarkt. Er verkauft Gemüse genauso wie Wurst oder Wein. Etwas geht immer. Bei mir war das auch immer so. Ein großes Pferd ist die Schlagerbranche, das zweite der Zirkus mit Cirque du Soleil, Zirkus Roncalli und „Afrika!, Afrika!“. Der dritte Bereich ist Rock und Pop. Da haben wir alle Rekorde gesprengt. Der größte Erfolg im Live-Bereich war zunächst Pink Floyd in Wiener Neustadt mit über 90.000 Besuchern. Das haben wir mit AC/DC getoppt, im Jahr 2010 mit 100.000 Besuchern in Wels und 2015 noch einmal mit 115.000 Besuchern. Mit U2 hatten wir mit 75.000 Besuchern auch das erfolgreichste Stadionkonzert in Österreich.

 

Kann man das noch toppen?

Egle Nein, toppen kann man das nicht mehr. Mein Erfolgsrezept sind die super Mitarbeiter, die ich habe, und dass ich mich nie auf Erfolgen ausgeruht habe. Wenn ich ein Konzert wie von U2 hinter mir habe, gönne ich mir eine gute Flasche Wein und danke Gott, dass ich das machen durfte. Und ich weiß, am nächsten Tag um acht Uhr früh geht es wieder weiter. Viele Menschen leben in der Vergangenheit, aber für mich zählt viel mehr die Zukunft.

 

Wie passiert es, dass man als Einzelhandelskaufmann in der Veranstaltungsbranche landet?

Egle Mit zwölf Jahren bin ich in ein Musikhaus gegangen und wollte Gitarre spielen. Da wurde ich rausgeschmissen. Trotzdem bin ich am nächsten Tag wieder hin. Sie brauchten damals einen Musikkassettenverkäufer. Und so bin ich bei Konzerten von Tisch zu Tisch gegangen. So habe ich die Zillertaler Schürzenjäger kennengelernt. Deren Chef Peter Steinlechner sagte zu mir, er würde gerne ein Konzert auf der Seebühne spielen und ob ich jemanden wüsste. Da habe ich gesagt, ich mach das. Das war mein erstes Konzert. Da war ich noch Lehrling und hatte keine Ahnung. In einer Woche waren aber 5000 Tickets verkauft. Ich hatte viel Glück. Mit 17 hatte ich so meine ersten 100.000 Schilling verdient. Bei meinem zweiten Konzert mit Truck Stop habe ich hingegen 35.000 Schilling verloren. Da habe ich die Schürzenjäger angerufen und habe elf Konzerte bekommen. Ohne sie würde es mich in der Branche so nicht geben.

 

Für viele haben Sie einen Traumberuf. Sie treffen Stars und reisen viel. Ist diese Sicht der Dinge richtig?

Egle Bei uns bewerben sich Mitarbeiter, die denken, bei uns kommt alle fünf Minuten ein Star zur Tür herein. Ich glaube, viele stellen sich das schöner vor, als es ist. Im Grunde ist man viel alleine.

 

Würden Sie dennoch wieder Veranstalter werden?

Egle Im Grunde ist es ein toller Job, weil man Menschen glücklich macht. Ich hoffe aber, dass meine beiden Söhne nicht Veranstalter werden. Denn es ist schon ein extrem hartes Geschäft.

 

Was sind denn Ihre persönlichen Highlights in Ihrem heurigen Programm?

Egle Die Marke „Afrika!, Afrika!“ gehört mittlerweile uns und es ist auch meine erste eigene Produktion. Das macht mich stolz. Mich faszinieren die afrikanischen Künstler, die mit so viel Freude dabei sind. Auch die Kostüme haben wir in Afrika fertigen lassen. So haben wir insgesamt 200 Menschen einen Job gegeben. Und die Show kommt beim Publikum hervorragend an.

„Die erfolgreichsten Künstler sind im Grunde ganz normale und nette Menschen.“

Walter Egle ist seit 27 Jahren im Geschäft. Die Kunst in der Veranstaltungsbranche sieht er auch darin, die Verluste auszuhalten. VN/PAulitsch
Walter Egle ist seit 27 Jahren im Geschäft. Die Kunst in der Veranstaltungsbranche sieht er auch darin, die Verluste auszuhalten. VN/PAulitsch

Kennzahlen

Gegründet Show Factory 1991, LS Konzerte 2002

Geschäftsführer und Gesellschafter Walter Egle

Beteiligungen Show Factory, LS Konzerte, Star-Factory (CH)

Mitarbeiter 44

Veranstaltungen ca. 400 im Jahr

Besucher ca. 500.000

Umsatz 30 Millionen Euro in Österreich, 10 Millionen Euro in der Schweiz

Privat

Geboren 27. Mai 1970

Ausbildung Pflichtschule, Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, diverse Weiterbildungen

Laufbahn Lehre Adeg Feldmann, Außendienst Unilever Österreich, 1991 Gründung der Show Factory

Familie verheiratet, zwei Kinder (5 und 2 Jahre)

 

Walter Egle ist berufsbedingt viel auf Reisen, seit zwei Jahren auch dann, wenn er in sein Büro nach Bregenz will, denn er lebt inzwischen mit seiner Frau und den beiden Kindern in Wien. Dennoch: Auf Vorarlberg will er weder beruflich noch privat verzichten, beteuert er, der – wenn es die Zeit erlaubt – gerne auf der Skipiste steht und auch sonst den Aufenthalt in freier Natur sehr schätzt, wie er betont. Auf Freizeitbeschäftigungen wie die Wanderungen mit den Bregenzer Pfändervögeln, die, wie der Name schon sagt, bevorzugt den Bregenzer Hausberg erklimmen und deren Präsident er auch schon war, muss er allerdings verzichten. Zu wenig Zeit. Nur den Fasching machte er auch heuer mit. Klar, gehört er doch dem Kreis der Bregenzer Faschingsprinzen an.