Exzellenter Allrounder im Olympiapech

Sport / 16.02.2018 • 23:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gerhard Nenning verstarb 1995 im Alter von 54 Jahren.os
Gerhard Nenning verstarb 1995 im Alter von 54 Jahren.os

Einer der komplettesten Skiläufer der 60er-Jahre ohne Fortune bei Olympia.

Bregenz In seiner Jugend sahen viele Fachleute in Gerhard Nenning den legitimen Nachfolger von Toni Sailer und Anderl Molterer. Ein Beinbruch 1959 bremste den 19-jährigen Lecher zwar, doch zumindest als Ersatzmann durfte er 1960 mit zu den Olympischen Spielen nach Squaw Valley. Die WM 1962 bescherte Nenning mit Silber in der Kombi und Bronze im Slalom die ersten Medaillen bei einem Großereignis, zu einem Titel reichte es bei den ÖSV-Festspielen in Chamonix jedoch nicht.

Zwei Jahre später galt er bei den Olympischen Spielen in Innsbruck nach zwei Siegen bei der Generalprobe als heißer Medaillenkandidat, konnte den Vorschusslorbeeren aber nicht ganz gerecht werden. Er erreichte in allen Disziplinen Top-7-Plätze, zu einer Medaille reichte es aber nicht. Auch nicht im Slalom, wo er nach dem ersten Durchgang Vierter war.

Edelmetall in Form von WM-Medaillen gab es für ihn 1962 mit Silber in der Kombi und Bronze im Slalom bzw. 1964, wo Nenning in Slalom und Kombi jeweils Vizeweltmeister wurde.

Lange Zeit galt Nennung als Läufer, der seine ausgezeichneten Ergebnisse in der Kombination dank starker Slalomleistungen herausfuhr, wie etwa in Kitzbühel 1961, in Wegen 1962 oder bei den Kandahar-Rennen 1965 in St. Anton. Diese Einschätzung widerlegte der Lecher im Winter 1967/68, als er sich plötzlich als exzellenter Abfahrer hervortat. Zuvor in FIS-Rennen nur selten auf dem Podium, gewann er vor dem Olympiahöhepunkt die Klassiker in Wengen (eine Sekunde vor Karl Schranz) und Kitzbühel (eine halbe Sekunde vor Jean-Claude Killy).

Als Mitfavorit nach Grenoble

Urplötzlich war Nenning damit Favorit für die Olympiaabfahrt in Grenoble. Dort kam der 27-Jährige allerdings mit den widrigen Bedingungen (Verschiebung, Nebel und Sturm) überhaupt nicht zurecht. Mit Nummer zehn gestartet, hatte er schon bei der Zwischenzeit Rückstand und lag im Ziel als Fünfter bereits außerhalb der Medaillenränge. Letztlich musste er sich mit dem enttäuschenden neunten Rang begnügen.

Im Riesenslalom wurde er nach einem völlig verpatzten ersten Lauf Achter. Damit hatte er auch seinen fünften Olympiaeinsatz in den Top neun beendet, aber wieder keine Medaille gewonnen. Der Sieg im Abfahrtsweltcup 1968 war zumindest ein gewisser Trost für die entgangenen Olympiamedaillen. OS

Zur Person

Gerhard Nenning

erreichte in fünf Olympiarennen fünf Top-9-Platzierungen.

Geboren 29. September 1940

Gestorben 22. Juni 1995

größte erfolge

Olympische Spiele

1960: Ersatzmann

1964: 6. RTL, 7. Slalom und Abfahrt

1998: 8. RTL, 9. Abfahrt

Weltmeisterschaften

1962: Silber Kombi, Bronze Slalom,

5. Abfahrt, 8. RTL; 1964: Silber Kombi, 6. RTL, 7. Slalom und Abfahrt; 1966: 7. Abfahrt, 13. Slalom; 1968:

8. RTL, 9. Abfahrt

Weltcup

Weltcup-Gesamtsieger Abfahrt 1968; Sieger Hahnenkammrennen Kitzbühel 1961 (Slalom) und 1962 (Kombi), Lauberhornrennen Wengen 1964 (Kombi), Arlberg-Kandahar-Rennen St. Anton 1965 (Slalom und Kombi) bzw. Mürren 1966 (Slalom)