Zwischen Feuer und Eis

Reise / 16.02.2018 • 08:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Island: Tiefe Schluchten, unwirkliche Lavalandschaften, Schwefelgeruch und Schlamm in leuchtenden Farben.

Es ist halb elf Uhr morgens, langsam zeichnet sich ein erster heller Streifen am Horizont ab. Wir machen uns von Reykjavik auf in die 380 km entfernte Hafenstadt Akureyri. Der mit Spikereifen ausgestattete Allrad bringt uns ohne Rutschen oder Durchdrehen der Reifen über Schnee- und Eispisten. Die Ringstraße, die rund um die Insel führt, ist zwar größtenteils asphaltiert, wird im Winter regelmäßig von Schnee geräumt und ist im Normalfall einfach zu befahren, dennoch kann sich das Wetter in Island so schnell ändern, dass man auf Grund von Eisregen, Schneeverwehungen oder wegen des starken Windes zum Umkehren gezwungen wird. Nicht wegen des Wetters ändern wir regelmäßig unsere Tagespläne, sondern weil wir ständig über Sehenswürdigkeiten stolpern.

Eine menschenleere Landschaft

Immer wieder halten wir an und staunen über die weite Landschaft, die einem Ölgemälde gleicht. Am Wegesrand sieht man immer wieder Herden von Islandpferden und Schafen, die den Winter im Tal verbringen. Wir stellen unser Auto am Rand der Straße ab und locken die Pferde mit Rufen zu uns her. Neugierig, wie es die Islandpferde sind, traben sie aus allen Richtungen auf uns zu, mustern uns aus einigem Abstand, bevor der erste mutige Pinto einen Bissen vom mitgebrachten Apfel probiert. Vom ungewohnten Zucker ganz angetan lässt er uns nicht mehr aus den Augen. Nach ein paar Streicheleinheiten verabschieden wir uns, bevor ein weiteres Mietauto neben uns stehen bleibt. In Island orientiert man sich gerne an gleichgesinnten Touristen, oft entdeckt man auf diesem Weg die ein oder andere versteckte Schönheit der Insel. So finden heute auch unzählige Besucher zum einst so mysteriösen Flugzeugwrack von Sólheimasandur. Während man vor fünf Jahren nur mit Hilfe genauer GPS-Koordinaten und einem Offroad-fähigen Fahrzeug, das im Jahr 1973 abgestürzte Flugzeug der US Navy erreichen konnte, liegt heute ein Parkplatz mit Eingangstor an der Straße. Auf einer breiten, vier km langen Piste pilgern Menschen aus aller Welt bis zur abgelegenen Unglücksstelle am schwarzen Sandstrand, um einen Blick auf die Überreste des US-Flugzeugs zu werfen. Der Tourismus auf Island boomt. Während der Finanzskrise im November 2008 stand Island vor dem Zusammenbruch und die schwache Krone machte den Besuch erschwinglich. Seit einigen Jahren entwickelt sich der Tourismus zu Islands wichtigstem Wirtschaftszweig und mit zunehmender Infrastruktur steigen die Preise rasant in die Höhe. Die abwechslungsreiche Ringstraße führt direkt an der Küste entlang und verläuft etwas weiter im Landesinneren vorbei an schwarzem, vom Frost aufgesprengten Lavagestein, durch vom Gletscher verformte Täler und über einen hohen Bergpass, bis wir wieder auf Meereshöhe an einem Fjord in Akureyri ankommen.

Ins Hochland per Schneemobil

Akureyri selbst ist ein liebenswerter beschaulicher Ort. Die Hauptstadt des Nordens und mit 18.000 Einwohnern viertgrößte Stadt Islands liegt fast am Polarkreis. Hier lernen

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