Griff zu den Sternen

Wetter / 18.02.2018 • 19:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Julia Weratschnig ist im Österreichischen Weltraumforum aktiv.

Schwarzach „Das Weltall hat mich immer schon interessiert. Eine meiner ersten Erinnerungen ist, dass ich meinen Papa gefragt habe, bis wohin die Sterne leuchten.“ Julia Weratschnig ist fasziniert vom Weltraum. Sie weiß auch viel darüber. Die 35-Jährige ist Physikerin und seit Jänner 2018 stellvertretende Obfrau des Österreichischen Weltraumforums.

„Vom Österreichischen Weltraumforum habe ich zum ersten Mal gehört, als ich in Innsbruck Physik studierte“, erzählt Weratschnig. „Ich wurde Mitglied und habe bei verschiedenen Projekten und der Jungen Uni mitgeholfen.“ Nach Abschluss des Studiums begab sich Weratschnig auf Weltreise. Von dieser heimgekehrt, inskribierte sie für ein Doktorat in Innsbruck. „Meine Doktoratsarbeit habe ich im Bereich beobachtende Kosmologie geschrieben“, erzählt Weratschnig. „Dabei ging es um Galaxienhaufen. Das ist jetzt auch mein Spezialgebiet.“

Werdegang

Nach ihrem Doktorat arbeitete die Vorarlbergerin zuerst bei der britischen Organisation HM Nautical Almanac. „Das ist eine Nischenorganisation“, informiert Weratschnig. „Die Nautical Almanac verfasst die ganzen Almanache, mit welchen sich Schiffskapitäne an den Sternen orientieren können.“ Später schlug die Physikerin kurzfristig einen anderen Weg ein und arbeitete bei einem deutschen Versicherungsunternehmen als Programmiererin. „Dort habe ich verschiedene Programme erstellt. Gelernt habe ich das während des Studiums“, erzählt Weratschnig mit einem Lächeln. „Das Wissenschaftliche hat mir aber gefehlt bei dieser Arbeit.“

Seit 2015 arbeitet die Vorarlbergerin nun als Lehrerin für Physik, Mathematik und Informatik an einem Gymnasium in St. Johann in Tirol: „Wenn man gerne über die Materie redet, ist das echt ein toller Beruf“, erklärt Weratschnig mit einem Lächeln. Beim Weltraumforum kümmert sie sich vor allem um die Mitglieder, wie die Physikerin sagt: „Alle Anfragen für Praktika oder freiwillige Mitarbeit kommen zu mir.“

Für Hobbys bleiben ihr neben Arbeit und Weltraumforum nicht viel Zeit: „Wenn es sich aber ausgeht, bin ich am Wandern, Skifahren oder Klettern.“

In der vergangenen Woche war die Physikerin für einige Tage in Innsbruck, um bei einer Ausbildungsmission des Weltraumforums mitzuwirken. „Derzeit ist ein Team des Weltraumforums im Oman“, sagt die Vorarlbergerin. „Dort werden Marssimulationen durchgeführt.“ Bei solchen Simulationen werden zum Beispiel lebensrettende Sofortmaßnahmen getestet. „Wenn es einmal eine Marslandung geben wird, wäre es schön zu sehen, dass unsere Arbeit dazu beigetragen hat“, sagt Weratschnig. „Von der Technik her sollten die ersten Menschen, die auf dem Mars landen werden, bereits geboren sein.“

Einmal ins Weltall

Ein großer, noch unerfüllter Traum der 35-Jährigen ist, einmal selber ins Weltall zu fliegen. „Aber im Alter wird man realistischer“, ergänzt Weratschnig. Aufgegeben habe sie diesen Traum aber noch nicht: „Der Mond würde mir auch schon reichen.“ Wird man ihrer Meinung nach im Weltall auf andere Lebensformen stoßen? „Ja, das glaube ich auf jeden Fall. Oder wie der Astronom Carl Sagan einmal gesagt hat: ‚Das wäre sonst eine riesige Platzverschwendung.‘“ VN-JLO

„Die ersten Menschen, die auf dem Mars landen werden, sollten bereits geboren sein.“

Zur Person

Julia Weratschnig
ist Lehrerin und stellvertretende Obfrau des Österreichischen Weltraumforums

Geboren 2. Juni 1982

Ausbildung Doktorat Physik, Spezialisierung beobachtende Kosmologie

Beruf Lehrerin für Informatik, Physik und Mathematik

 VN/Lorenzi