Jetzt kratzt Hirscher am Sailer-Rekord

Sport / 18.02.2018 • 19:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der 28-jährige Marcel Hirscher fuhr bei seinem zweiten Start allen auf und davon und zum zweiten Mal zu Gold.AFP
Der 28-jährige Marcel Hirscher fuhr bei seinem zweiten Start allen auf und davon und zum zweiten Mal zu Gold.AFP

Marcel Hirscher lieferte im Riesentorlauf eine Kür ab.

Riesentorlauf Die eine Seite war die Goldmedaille für den Sieg in der Kombination, die schon ihren Platz im Gepäck hatte. Die Medaille, mit der Marcel Hirscher „das Schlimmste“, wie er es nannte, verhindert hatte. Auf der anderen Seite war da die Erwartungshaltung. Die der Öffentlichkeit natürlich, aber wohl auch die eigene. „Ich hatte gehofft, der Druck würde nach dem ersten Gold geringer werden. Aber das Gegenteil war der Fall. Ich habe gemerkt: Dieses Gold will Marcel wirklich, das ist ihm wichtig“, sagte sein Trainer Mike Pircher, nachdem der Triumph feststand.

Und ein Triumph, das war es: Marcel Hirscher, bei Olympia schon zwei Mal Vierter im Riesentorlauf, holte sich in Pyeongchang 2018 endlich auch diese Medaille. Oder, wie es ÖSV-Sportdirektor Hans Pum formulierte: „Die lebende Legende hat sich die Krone aufgesetzt.“ Dabei sind Favoritensiege so oft die schwierigsten, sagt man. Bei Marcel Hirscher sah das im Riesentorlauf anders aus: Sechs Zehntel Vorsprung nach Lauf eins, 1,27 nach Lauf zwei – seit 1968 hat niemand mehr bei Olympia in dieser Disziplin solch eine Distanz zwischen sich und den Rest der Welt gebracht.

Exquisites Podium

„Es ist einfach so, dass wir im Moment um Silber und Bronze fahren, dieser Hirscher ist in dieser Saison in dieser Disziplin unschlagbar“, seufzte auch Henrik Kristoffersen, der nach verpatztem erstem Lauf mit Laufbestzeit doch noch Silber eroberte und Alexis Pinturault auf Rang drei verwies. Ein exquisites Podium also mit dem „besten Marcel Hirscher aller Zeiten“ (Trainer Mike Pircher) an der Spitze.

Der ließ sich Zeit mit Jubel, musste „überlegen, ob alles seine Richtigkeit hat“. Um dann wenigstens Erleichterung zu spüren, den nächsten Erfolg eingefahren zu haben, mit 28 darf er sich nun auch Doppel-Olympiasieger nennen.

Beeindruckend war aber einmal mehr, mit welcher Konstanz er seine Leistung abruft. Obwohl er gestand: „Der Druck war noch intensiver, weil die Bedingungen im Training nicht so waren, wie ich es gewöhnt bin“, sagte Hirscher und ergänzte: „Die erste Goldmedaille war überraschend, jetzt habe ich die von der Öffentlichkeit erwartete und von mir erhoffte auch noch. Das ist schon mega.“ Er hat, wie er sagte, den Elfer verwandelt im zweiten Lauf, „wie in einem wichtigen Derby im Fußball.“ Er hielt seine Nerven wieder einmal in Zaun, ließ sich zwischen den Durchgängen auch nicht dazu hinzureißen, zu viel nachzudenken. „Immer, wenn der Kopf angefangen hat zu rattern, habe ich mir gesagt: Ich kann nur Skifahren. Meine Leute reißen sich den Arsch auf, dass ich das beste Material hab‘, die besten Infos, mehr als fahren, kann ich nicht tun.“ Bei diesen Spielen hat Hirscher noch eine Chance auf Gold, er wäre der zweite Österreicher nach Toni Sailer 1956, der drei Mal Gold bei ein- und denselben Spielen holen könnte. Er selbst will davon nicht reden, erst einmal Pause machen. Nur so viel sagt er: „Eine g‘mahte Wies‘n ist es erst, wenn der Rasenmäher drübergefahren ist.“ M. Schuen

„Die lebende Legende hat sich jetzt die Krone aufgesetzt.“

Nach dem Doppelgold holte sich Marcel Hirscher im Zielraum das verdiente Siegesbussi von Freundin Laura ab.AFP
Nach dem Doppelgold holte sich Marcel Hirscher im Zielraum das verdiente Siegesbussi von Freundin Laura ab.AFP