„Riecht immer nach Lake Placid“

Sport / 18.02.2018 • 19:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die olympischen Athleten aus Russland setzten sich gegen die USA mit 4:0 durch und feierten den Gruppensieg. In dieser Szene netzte Nikolai Protschorkin ein.Reuters
Die olympischen Athleten aus Russland setzten sich gegen die USA mit 4:0 durch und feierten den Gruppensieg. In dieser Szene netzte Nikolai Protschorkin ein.Reuters

Russland gegen USA beim Olympia-Eishockeyturnier hat Kultcharakter.

Eishockey Am Ende stand es am Samstagabend im Gangneung Hockeycenter 4:0 für die Russen. Humorlos hatten sie ihre Überlegenheit demonstriert. Und doch: Die Emotionen waren da, als sei es schon um alles oder nichts gegangen. „Rasia, Rasia!“ kontra „USA, USA“ matchten sich die Schlachtgesänge. Wobei der akustische Support für die Amis proportional zur stärker werdenden Stimmungsmache für die Russen abnahm. Was einen ursächlichen Zusammenhang mit der Entwicklung des Spielstandes hatte. Die Geschichte dieser Begegnung bei Olympia haben Fans auf beiden Seiten verinnerlicht. „Lake Placid“, erwidert die junge Christina aus Baltimore spontan auf die Frage, was ihr zu USA gegen Russland im olympischen Eishockey einfällt. Glaubhafter Nachsatz: „Obwohl ich zu der Zeit noch lange nicht auf der Welt war.“

Unauslöschlicher Ballast

Wenige Meter daneben stehen Anton eins, Anton zwei und Katya. Begeistert schwingen sie große russische Fahnen. Auch sie erwähnen Lake Placid als unauslöschlichen Ballast der Vergangenheit für das russische Selbstwertgefühl. Anton zwei, aus Moskau, ereifert sich: „Die Amis waren damals gedopt. Sonst hätten sie uns nie und nimmer schlagen können.“

Ein Stück Sportgeschiche

Damals, 1980, bei der Olympiade siegte eine US-Collegemannschaft gegen das sowjetische Starensemble mit 4:3 und holte sich danach die Goldmedaille. Das „miracle on ice“ ging als eine der größten Sportsensationen in die Geschichte ein und erlangte 1980 auch politische Bedeutung. Die sowjetische Invasion in Afghanistan 1979 hatte die Sowjets im Westen zu Bösewichten gestempelt, das denkwürdige Eishockeymatch sahen viele Amis als einen Sieg des Guten gegen das Böse.

„Es riecht bei dieser Paarung bei Olympia doch immer nach Lake Placid, nicht?“, meint Christinas Freundin Maxi Brit und blickt resignierend aufs Eis, auf dem die Russen dieses Mal klar dominieren.

Bei Anton zwei verdichten sich patriotische Gefühle. „Es ist doch lächerlich, wenn sie uns als ‚olympische Athleten für Russland‘ verkaufen. Wir sind Russen. Und hier gewinnt Russland gegen Amerika und nicht irgendwelche olympische Athleten.“

Auf der Südtribüne tanzen sich die russischen Cheerleader in Euphorie. „Red Machine“ steht auf einem der Transparente, das dort hochgehalten wird.

Friedliche Stimmung

Die Stimmung zwischen den Fangruppen bleibt trotzdem friedlich, ja sogar freundlich. „Katya, Anton eins und Anton zwei gesellen sich zum gewünschten Gruppenfoto gerne zu Christina und Maxi Brit. Man ist sehr höflich miteinander und tauscht Nettigkeiten aus, während sich am Eis zwei Hitzköpfe beider Teams in die Haare geraten.

Stichwort Teams: Viele kennen sich von der KHL, der russischen Eliteliga. Dort spielen mittlerweile auch Amerikaner und Kanadier.

Die Zeiten haben sich wirklich verändert. Auch wenn Olympia Lake Placid immer wieder zum Leben erweckt.

Während sich am Eis die Spieler hin und wieder und die Haare geraten, herrscht auf der Tribüne ein nettes Miteinander.Vn/HK
Während sich am Eis die Spieler hin und wieder und die Haare geraten, herrscht auf der Tribüne ein nettes Miteinander.Vn/HK