Trüber Jahrestag für Kosovo

Politik / 18.02.2018 • 22:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Diese Feiernden tragen die kosovarische (rechts) und die albanische Flagge. AFP
Diese Feiernden tragen die kosovarische (rechts) und die albanische Flagge. AFP

Zukunft nur in größerer albanischer Gemeinschaft.

pristina Kosovo hat am Wochenende den zehnten Jahrestag seiner Unabhängigkeit gefeiert: einer Loslösung von Serbien im Alleingang, die noch immer nicht allgemein anerkannt ist – nicht einmal innerhalb der EU. Jedenfalls setzte das Parlament in Pristina am Sonntag mit Festlegung der endgültigen Grenze zu Montenegro einen Schritt Richtung Festigung seiner auch wirtschaftlich recht labilen Position.

Kosovo bildete nie eine staatliche Einheit, gehörte zu Byzanz, Serbien, albanischen Fürstentümern und dem osmanischen Reich. Der nördliche Zipfel war zwischen 1878 und 1908 sogar Teil von Österreich-Ungarns bosnischem Okkupationsgebiet. Die jetzige Grenzziehung mit Montenegro könnte aber zum Probegalopp für eine ähnliche mit Belgrad werden. Es ginge dann darum, die serbisch gebliebene Enklave Mitrovica gegen ein paar Albanerdörfer in Südserbien auszutauschen. Die Serben wissen genau, dass ihr Weg in die EU an einer Freigabe Kosovos nicht vorbeiführt. Sie wollen sich daher wenigstens einen Teil der Konkursmasse ihrer verfehlten Kosovopolitik aus den 1990er-Jahren wieder unter den Nagel reißen. Dabei kommt es in erster Linie auf Mitrovica an.

Für Kosovos Zukunft dürfte gar nicht so sehr das endgültige Verhältnis zu Serbien, sondern vielmehr seine Rolle im gesamtbalkanischen Albanertum entscheidend werden. Hier am Amselfeld und nicht im heutigen Albanien hatte im späten 19. Jahrhundert die kulturelle Wiedergeburt der „Rilindja“ ihren Ausgangs- und Mittelpunkt. Die albanischen Befreiungsbewegungen der Ligas von Prizren und Peja (serbisch: Pec) gingen ebenfalls von Kosovo aus. Sogar während Titos Jugoslawien bildeten die Kosovaren mit ihrer Universität Pristina eine geistige Vorhut der ganzen Nation, ob diese unter stalinistischer Diktatur im Albanien Enver Hoxhas oder im westlichen Mazedonien lebte. Von derartiger Führungsrolle träumte auch der neue Kosovo, doch verboten ihm seine internationalen Geburtshelfer jeden Zusammenschluss mit anderen albanischen Staatswesen oder auch nur Volksgruppen. Zum letzten Mal hatte 1878 der Berliner Kongress dem von ihm geschaffenen „Ostrumelien“ eine solche Auflage erteilt. Dieser hat es sich aber schon 1885 durch Zusammenschluss mit Bulgarien entzogen. Ähnlich wird auch Kosovo nicht auf die Dauer vom sonstigen Albanertum abzublocken sein. Sowohl in der albanischen Hauptstadt Tirana wie noch mehr im mazedonischen Tetovo oder Struga wird erwartet, dass Pristina seine gesamtalbanische Führungsrolle wieder antreten soll.