Sanfter Seitenhieb gegen Trump

Kultur / 20.02.2018 • 18:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Meryl Streep ist für das Journalismusdrama „Die Verlegerin“ zum 21. Mal für einen Oscar nominiert. universal
Meryl Streep ist für das Journalismusdrama „Die Verlegerin“ zum 21. Mal für einen Oscar nominiert. universal

„Die Verlegerin“ ist ein kämpferisches Drama mit Starbesetzung.

Drama In einer Zeit, in der US-Medien zunehmend beschuldigt werden, „Fake News“ zu liefern, ist Steven Spielbergs klassischer Hollywoodfilm „Die Verlegerin“ eine Feier der freien Presse, ein sanfter Seitenhieb gegen Donald Trump, und mit Meryl Streep eine Erkundung dessen, was es damals und auch jetzt bedeutet, eine Frau in einer Männerwelt zu sein. 

In einer großartigen Szene in Spielbergs Zeitungsdrama ist die Inhaberin der „Washington Post“, Katharine Graham (Streep), am Telefon mit mehreren mächtigen Männern, die ihr sagen, was sie tun soll. Sie ist es gewohnt, nicht ernst genommen zu werden, also überrascht es nicht, dass ihr Gesicht während des Gesprächs eine Reihe verunsicherter Verrenkungen durchmacht. „Ja…ähm…Große Entscheidung…“, stammelt sie. Sie könnte im Gefängnis landen und die brandneuen Aktien könnten wertlos werden. Ihre Freunde in Washington würden ihr Gesicht verlieren. Aber plötzlich löst sich ihre Spannung. Und schließlich trifft sie die Entscheidung: „Lasst uns veröffentlichen, lasst uns veröffentlichen!“

Staatsfeind

Die Rede ist von den Pentagon Papers, einer geheimen Studie der US-Regierung, die ein riesiges Netz von jahrzehntelangen Lügen von vier Präsidenten über den Krieg in Vietnam aufzeigte. Der ehemalige Militäranalytiker Daniel Ellsberg (Rhys) hatte die Unterlagen heimlich kopiert und im Jahr 1971 dem Reporter Neil Sheehan von der „New York Times“ zugespielt. Als aber das Weiße Haus von Nixon gegen die „Times“ eine einstweilige Verfügung gegen weitere Veröffentlichungen erwirkte, witterte Chefredakteur Ben Bradley (Hanks) von der „Washington Post“ seine Chance, zu einem wichtigen Player auf dem Gebiet des investigativen Journalismus zu werden und im Zuge der Watergate-Affäre ein Jahr später zum Rücktritt Nixons beizutragen.

Mit dem Aufstieg des Autoritarismus in den USA, der die freie Presse zum Staatsfeind erklärt hat, finden die Ereignisse von Spielbergs Film auch heute ihre Relevanz – und das ganz bewusst. Spielberg hat in Interviews betont, dass er das Drama, geschrieben von Liz Hannah und Josh Singer, in nur neun Monaten „wegen Trump“ fertigstellen wollte.

Oscar-Nominierung

Es ist natürlich kein Zufall, dass ausgerechnet Maryl Streep, „die am meisten überbewertete Schauspielerin Hollywoods“ (Zitat: Donald Trump) in diesem Film mitspielt. Vor zwei Jahren hielt die dreifache Oscar-Preisträgerin, die auch in diesem Jahr für die Trophäe nominiert ist, eine bewegende Rede in der sie vor Donald Trump warnte und ein Plädoyer für kritischen Journalismus hielt. Das gesamte Ensemble in „Die Verlegerin“ ist fabelhaft, aber am Ende gehört der Film ihr und einer bemerkenswerten Frau.

Die Verlegerin

Regie Steven Spielberg

Darsteller Tom Hanks, Meryl Streep, Alison Brie, Carrie Coon

Start 22. Februar