Filmreife Entscheidung

Vorarlberg / 21.02.2018 • 18:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der mögliche Verkauf des in Stadtbesitz befindlichen Kino Bludenz sorgt im Vorfeld der heutigen Stadtvertretersitzung für Wirbel. VN/js
Der mögliche Verkauf des in Stadtbesitz befindlichen Kino Bludenz sorgt im Vorfeld der heutigen Stadtvertretersitzung für Wirbel. VN/js

In Bludenz herrscht politische Uneinigkeit über die Zukunft des städtischen Kinos.

Bludenz Im Jahr 2009 wurde das Kino Bludenz von der Weltlichtspiele Kino GmbH mit Michael Wieser, Adrian Juriatti und Norbert Seebacher übernommen. 2019 endet dieser Pachtvertrag. Bereits im Vorjahr hatten die derzeitigen Betreiber ihr Interesse an einer Weiterführung des Betriebs bekundet. Und nicht nur das. Auch eine Erweiterung des Kinos auf drei Säle wird von Wieser und Co. beabsichtigt. Voraussetzung dafür ist aber ein möglicher Kauf der Liegenschaft.

Dritter Kinosaal

VN Informationen zufolge soll der bestehende kleinere Saal, der derzeit über 68 Sitzplätze verfügt, in zwei kleinere Säle mit einer Größe von etwa 50 bzw. 20 Sitzplätzen umgestaltet werden. Die Kosten dafür betragen rund 500.000 Euro. Bei entsprechender Besucherresonanz soll in einer zweiten Ausbaustufe in zehn Jahren noch einmal eine Million Euro investiert werden.

Vor diesem Hintergrund haben die Betreiber mit der Stadt einen Baurechtsvertrag mit Kaufoption auf 20 Jahre für die gut 500 Quadratmeter große Liegenschaft, auf der sich das Bludenzer Kino befindet, ausgearbeitet. Über den Abschluss dieses Vertrags soll in der heutigen Sitzung der Stadtvertretung abgestimmt werden.

Im Vorfeld der Sitzung wird von allen vier im Stadtparlament vertretenen Fraktionen das Engagement der Betreiber gelobt. „Das Kino ist ein Ort der Begegnung, ein Ort, der für die Stadtentwicklung sehr wichtig ist“, betont Bürgermeister Mandi Katzenmayer (VP). Dem schließen sich auch Offene Liste Bludenz (OLB), FPÖ und SPÖ an.

Uneinigkeit herrscht hingegen über das vorliegende Vertragswerk. „Wir würden uns einen Nachweis wünschen, warum die Liegenschaft verkauft werden muss“, sagt Vizebürgermeister Mario Leiter (SP), der kein Hehl daraus macht, dass er dem „städtischen Ausverkauf“ ein Ende bereiten will. „Das Kino ist für die Stadt existenziell wichtig. So ein Verkauf muss gut überlegt werden“, sagt Leiter, der sich die Vorlage eines Finanz- und Tilgungsplans sowie Bilanzen und Besucherzahlen als Entscheidungsgrundlage wünschen würde. „Unser Ziel muss es sein, den Standort Kino Bludenz langfristig zu sichern. Nicht ‚nur‘ auf 20 Jahre“, sagt Leiter.

„Natürlich verkauft man nicht gerne Grundstücke der Stadt“, räumt Finanzstadtrat Gerhard Krump gegenüber den VN ein. Man habe aber einen „anständigen Preis“ ausverhandelt. Zudem würden der Stadt weiterhin alle Optionen offenstehen. „Ein Rückkauf zu einem fairen Preis ist vertraglich vereinbart“, sagt Krump, der versichert: „Es handelt sich hierbei um kein Spekulationsobjekt.“

Auch die OLB kann die Kaufoption für die Kinobetreiber mittragen, „weil wir nachvollziehen können, dass die Betreiber hohe Investitionskosten durch Eigentum am Objekt absichern wollen“, argumentiert Klubobmann Wolfgang Maurer. Joachim Weixlbaumer (FP) schätzt – nicht zuletzt wegen des fixierten Vorkaufsrechtes – die Risiken für die Stadt als „sehr, sehr gering“ ein. Demzufolge scheint die Entscheidung in der heutigen Sitzung wohl reine Formsache zu sein. VN-JS