Vom Small Talk bis zur Beichte

Sport / 21.02.2018 • 18:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pater Johannes Paul Chavanne ist zum dritten Mal bei Olympia dabei.VN/HK
Pater Johannes Paul Chavanne ist zum dritten Mal bei Olympia dabei.VN/HK

Olympiapfarrer Johannes Paul Chavanne lässt in Pyeongchang die Schäfchen zu sich kommen.

Pyeongchang Er kennt keine Stars, sondern nur Nöte, Sorgen und Menschen, die das Bedürfnis nach Gesprächen haben. Diese drehen sich nicht um Zehntelsekunden und Stilnoten. Pater Johannes Paul Chavanne ist es ohnehin egal, ob seine Klienten Reinigungskräfte oder Olympiasieger sind. „Beim Menschlichen hört Erfolg auf, eine Kategorie zu sein“, sagt der 34-jährige Ordensmann vom Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich.

Kein Gebet für Medaillen

Die Gespräche, die Menschen im Umfeld von Olympia mit ihm suchen, reichen „von Small Talk bis zur Beichte“. Gerne bete er für sie. „Aber nicht für Medaillen, sondern für ihr Wohlergehen und dass sie eine gute Beziehung zu Gott haben.“

Der junge Geistliche vom Zisterzienser-Orden ist schon zum dritten Mal bei Olympischen Spielen. In Sotschi machte er als Seelsorger für die österreichischen Olympioniken seinen Anfang, es folgten Rio und jetzt Pyeongchang. Chavanne löste Bernhard Maier in dieser Funktion ab. Er kennt mittlerweile mehrere seiner potenziellen und wirklichen Kundschaften. „Es macht schon einen Riesenunterschied, wenn dich die Leute kennen, als wie wenn du total neu bist“, sagt der Ordensmann.

Messe im olympischen Dorf

Seine Arbeit ist unaufdringlich und nur dann wirklich sichtbar, wenn er eine Messe feiert. Das macht er sonntags im olympischen Dorf. „Es soll dorthin kommen wer will“, ist dabei Chavannes Devise. Sportler haben wie alle anderen Menschen auch einen ganz persönlichen Zugang zur Religion – wenn sie denn überhaupt einen haben. Der Olympiapfarrer gewährleistet absolute Diskretion, freut sich aber, wenn sich ein Athlet zu seinem Glauben bekennt. Das macht zum Beispiel Super G-Olympiasieger Matthias Mayer.

Einen Kontakt gab es mit dem Priester auch während der schwersten Stunde Olympias aus österreichischer Sicht. Als sich der Montafoner Markus Schairer bei einem Sturz schwer verletzte, war sein Beistand erwünscht. „Obwohl ich den Markus persönlich nicht mehr sah, aber ich hatte einen Kontakt mit Alessandro Hämmerle.“

Mitten im Leben

Sportler sind nach Kenntnis von Chavanne, der während einer Indienreise beschloss, Priester zu werden, Menschen mit besonderen Charaktereigenschaften. „Sie sind speziell bei Olympia ganz fokussiert auf ihre Sache und stehen dadurch unter besonderer Spannung. Viele kommen als Profis mit dieser Situation aber gut zurecht“, erzählt der Zisterziensermönch. Chavanne ist auch nicht entgangen, dass sich viele junge Sportler durch besondere Reife auszeichnen.

Der Priester kennt sich im irdischen Leben aus. Er hat nach der Matura auch Jus studiert, arbeitete als Ferialer schon bei der Billa und sammelte viele menschliche und medizinische Erfahrungen als Rettungssanitäter.

Auch als Sportler kann der Wiener einen Leistungsnachweis erbringen. So war er Wiener Landesmeister im Rudern (Doppelvierer mit Steuermann), spielt gerne Tennis und fährt Ski.

Als Priester bei Olympia ist für ihn ebenfalls Vielseitigkeit gefragt. Das schließt die spontane Verteilung besonderer Sakramente mit ein. In Rio ließen sich zwei österreichische Sportler firmen, nachdem sie einschlägige Gespräche mit Chavanne geführt hatten.

Novizmeister war für Jakob Chavanne, der den Ordensnamen Johannes Paul erhielt, ein Vorarlberger: Der bereits verstorbene Pater Christian aus Hohenems, mit bürgerlichem Namen Georg Feurstein. „Er war ein wunderbarer Begleiter für mich, ein ganz außergewöhnlicher Mensch.“ VN-HK

„Beim Menschlichen hört Erfolg auf, eine Kategorie zu sein.“