Vonns Happy End blieb aus

Sport / 21.02.2018 • 19:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sophia Goggia raste in der Abfahrt zu Gold. Nach dem Rennen verschwand die Italienerin recht schnell wieder und machte die Bühne frei für Lindsey Vonn.GEPA
Sophia Goggia raste in der Abfahrt zu Gold. Nach dem Rennen verschwand die Italienerin recht schnell wieder und machte die Bühne frei für Lindsey Vonn.GEPA

Sophia Goggia holt sich Gold in der Damen-Abfahrt und schlägt dabei ihr Vorbild Lindsey Vonn.

Abfahrt Die Tribünen waren gut besetzt, die amerikanischen Fahnen prägten das Bild und wer im US-Olympia-Team keinen Einsatz oder kein Training hatte, der kam hierher, um das emotionale Happy End dieser Spiele zu erleben. Selbst im Pressezentrum wurden die Plätz eng – klar, Kollegen vom Wall Street Journal, CNN oder Los Angeles Times verirren sich auch nicht so oft zu Ski-Rennen. Doch als Lindsey Vonn gestern ihre letzte Olympia-Abfahrt bestritten hat, da wollten alle dabei sein.

Allein: Das große Happy End blieb aus. Vonn musste sich der Frau geschlagen geben, die im Vorjahr hier schon die Generalprobe für Olympia (und zwar in Abfahrt und Super G) gewonnen hat: Sophia Goggia. Die 26-jährige Italienerin aus Bergamo, die den lang gezogenen Bergamasker Dialekt spricht, legte eine ziemlich eindrucksvolle Fahrt hin und holte sich Gold.

Doch sie wusste auch, was sich an dem Tag gehört: Sie kam vor der Siegerin zur Pressekonferenz (normal ist das umgekehrt), machte Komplimente an ihr Idol Lindsey Vonn („Sie ist die beste Skifahrerin der Welt“) und verschwand recht schnell wieder.

So gehörte die Bühne Vonn allein, was sie natürlich entsprechend emotional zu nutzen wusste. „Ski fahren ist mein Leben. Ich wünschte, ich könnte noch länger fahren, ich wünschte, mein Körper würde nicht so schmerzen wie er es gerade tut. Es ist zwar nicht Gold geworden, aber ich bin unendlich stolz auf mich.“ Ihr großer Abgang bezog sich aber nur auf Olympia, im Weltcup ist sie die nächsten Jahre noch dabei.

Fertig mit den Nerven

Bei so viel Emotionen und Geschichten verkamen die Österreicherinnen zur Randnotiz. Stefanie Venier und Ramona Siebenhofer taten die überraschenden Topzeiten in den Trainings nicht gut – mit dem Platz im erweiterten Favoritenkreis kamen beide nicht zurecht. Siebenhofer, die die Nacht vorher aus Nervosität kaum geschlafen hat, war schon nach fünf Toren mit den Nerven fertig. „Mir hat es den Ski verschlagen, da hat es mir gleich die Schneid abgekauft.“

Stephanie Venier kam zu Sturz. Hütter wäre fast in das Ziel gestürzt, nachdem sich die Skispitzen vorne berührt haben („Das Pizzastück habe ich nicht gebraucht“). Nicole Schmidhofer hatte zwar keine Probleme mit den Nerven, dafür umso mehr mit der Strecke. Sie kam von der ersten Fahrt an hier nicht zurecht – und ich „wüsste auch nicht, was ich anders machen hätte sollen“. Ein bitterer Moment für das Damenteam, das sich aber in den ersten Rennen gut verkauft hat.

Gut verzichtet auf Kombi

Die große Verliererin hier ist Lara Gut: Die Schweizerin galt in zwei Disziplinen als Favoritin, kam im Super G auf Rang vier und schied in der Abfahrt nach 30 Sekunden aus. Entnervt verzichtet sie nun auf die Kombination. „Ich habe vier Jahre auf die Chance hingearbeitet und nach 30 Sekunden war alles vorbei, das ist bitter.“

Und was im Gegenzug die Welle des Erfolges ausmachen kann, das zeigte die Norwegerin Ragnhild Mowinckel als Zweite. Sie holte bei diesen Spiele schon ihre zweite Alpin-Medaille, das war noch nie einer Norwegerin zuvor gelungen. Das Erfolgsgeheimnis war relativ einfach: „Aksel (Lund Svindal, Anm.) und Kjetil (Jansrud) haben mir die Linie erkärt.“ Die Herren sind nämlich bereits in der Vorwoche hier gefahren. Das nennt man Teamspirit. M. Smejkal