„Entschuldigung!“

Vorarlberg / 22.02.2018 • 21:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Post-Generaldirektor im VN-Interview im Goldenen Hirschen in Bregenz. VN/paulitsch
Post-Generaldirektor im VN-Interview im Goldenen Hirschen in Bregenz. VN/paulitsch

Post-Generaldirektor Georg Pölzl verspricht Qualitätsverbesserung in der Zustellung.

bregenz Post-Generaldirektor Georg Pölzl stand in den vergangenen Wochen wegen der Postzustellung in Vorarlberg in der Kritik. Anlässlich des Postgipfels nahm er im VN-Gespräch Stellung zur aktuellen Entwicklung.

 

Die Postzustellung in Vorarlberg wurde massiv kritisiert. Bei unserem letzten Gespräch wähnten Sie diese noch recht gut aufgestellt. Waren Sie falsch informiert?

Pölzl Ich war falsch informiert. Die Situation war so, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Ich musste leider feststellen, dass es punktuell, konkret in drei Zustellbezirken, Missstände gibt. Das in einer Form, wie ich sie bei der Post noch nicht erlebt habe.

 

Sie haben eine „SOKO“ ins Land geschickt, um das Problem zu untersuchen. Was hat die Ermittlungsgruppe letztlich ans Licht gebracht?

Pölzl Es lag ein schweres Versagen der regionalen Führung vor, die es nicht geschafft hat, auf die überraschend hohen Sendungsmengen und die prekäre Personalsituation richtig zu reagieren. Prozesse wurden nicht eingehalten und es wurde falsch nach Wien berichtet. Diesem Fehlverhalten sind wir konsequent nachgegangen und haben Sofortmaßnahmen ergriffen. Es gab Freistellungen und wir haben als Hilfestellung rund 40 Mitarbeiter aus anderen Bundesländern beziehungsweise von Leihfirmen angestellt. Wir bemühen uns jetzt, die Situation nachhaltig zu stabilisieren und wieder unsere gewohnte Qualität sicherzustellen. Wir haben im Jänner all jene Sendungen zugestellt, die im Dezember nicht ausgeliefert wurden und ich gehe davon aus, dass nun jede adressierte Sendung zugestellt ist. Es bleibt mir zu sagen: Entschuldigung. Das, was passiert ist, ist nicht der Qualitätsanspruch, den die Österreichische Post hat. Und ich gebe die Garantie, dass es wieder besser wird.

 

Ein Problem war ja die Personalsituation. Wie wird dem entgegengewirkt?

Pölzl Wir haben 430 Beschäftigte in Vorarlberg und uns fehlen aktuell rund zehn Prozent an Personal. Deshalb haben wir uns mit Mitarbeitern aus anderen Bundesländern sowie von Leihfirmen beholfen. Immerhin fallen in Vorarlberg täglich rund 600.000 Briefsendungen an, dazu kommen noch 6500 Pakete. Das ist aber keine Dauerlösung. Unser Ziel ist es, eine Gruppe an Mitarbeitern zu haben, die ausreichend groß ist. Wo auch immer wir diese finden.

 

Liegt das an der Bezahlung, dass Mitarbeiter schwer zu finden sind?

Pölzl Es wurde immer berichtet, ein Mitarbeiter bekomme bei uns 1500 Euro. Das ist falsch. Das ist der Basislohn ohne Zulagen. Im Durchschnitt verdient jeder Zusteller über 2500 Euro. Selbst im neuen Kollektivvertrag sind es deutlich über 2000 Euro. Die Bezahlung ist also nicht unser Hauptproblem.

 

Neben der Bezahlung wurden auch die zu großen Zustellbezirke kritisiert.

Pölzl Die Größe passen wir laufend an, aber die Feinjustierung macht das Team vor Ort. Wir sind hier auf die regionale Führung und die Personalverantwortlichen angewiesen. Sie haben das letztlich zu verantworten.

 

Die Gewerkschaft hat rund 10.000 Unterschriften gesammelt. Unter anderem wird gefordert, dass die Klage gegen den Vorsitzenden der Postgewerkschaft, Franz Mähr, fallen gelassen wird. Wie stehen Sie dazu?

Pölzl Beziehungsprobleme über die Medien auszutragen, ist keine gute Idee. Das ahnden wir überall, denn es gibt klare Regelungen. Die Personalvertretungsarbeit schließt die Medienarbeit aus. Die Unterschriften sind Aktionismus und das löst keine Probleme. Wir hatten ein Führungsproblem und ein Personalproblem. Das müssen wir lösen.

 

Was haben Sie anlässlich des Postgipfels mit dem Landeshauptmann vereinbart?

Pölzl Es war ein sehr positives Gespräch. Mit dem Landeshauptmann genauso wie mit den Chefs der Landtagsklubs. Natürlich mit berechtigter Kritik, aber es war sehr konstruktiv und lösungsorientiert. Ich habe ihm Maßnahmen zugesagt, auch beim Thema Postpartner. Das Problem wollen wir lösen. Es gibt andere Postpartner, mit denen wir aktuell verhandeln. Das sind Lebensmittelgeschäfte, Trafiken und Gemeinden. Dass die Aqua Mühle die Partnerschaft beendet, weil sie nach eigenen Angaben keine Mitarbeiter mehr für die Aufgabe findet, zeigt, dass der Arbeitsmarkt leer ist. Das könnte man durchaus als positive Nachricht verstehen.

„Die Situation war so, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte.“

Post-Chef Georg Pölzl mit LSth. Karlheinz Rüdisser und LH Markus Wallner. VLK
Post-Chef Georg Pölzl mit LSth. Karlheinz Rüdisser und LH Markus Wallner. VLK