Der gierige Schlund König Ubus

Kultur / 23.02.2018 • 18:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„König Ubu“ in der Inszenierung von Stephan Kasimir begeisterte das Publikum. VN/Hartinger
„König Ubu“ in der Inszenierung von Stephan Kasimir begeisterte das Publikum. VN/Hartinger

Theater Kosmos feiert mit „König Ubu“ umjubelte Premiere.

Bregenz Auf der Bühne wird, so wie es dem Stückautor Alfred Jarry gefallen hätte, gefurzt, geschrien, getötet, regiert und mit der Pfuinanzpistole geschossen. Das Publikum applaudierte begeistert, zu Recht. „König Ubu“ in der Inszenierung von Stephan Kasimir feierte im Theater Kosmos seine großartige Premiere.

Ein gierig geöffnetes Maul, jederzeit bereit, noch mehr zu fressen, das einen Blick in die Abgründe des Schlundes erahnen lässt, ist genau das perfekte Bühnenbild (Caro Stark) für „König Ubu“. Da radelt schon der nimmersatte Vater Ubu hinter dem überdimensionalen Gaumenzäpfchen hervor und muss sofort seine armen Hämorrhoiden plagen, um gleich danach wieder seinen unstillbaren (Macht-)Hunger zu stillen. Vom ersten Moment auf der Bühne brilliert Hubert Dragaschnig als wahnwitziger, machthungriger und „trumpesker“ König Ubu. In Mutter Ubu, herrlich gespielt von Daniela Gaets, hat Vater Ubu seine weibliche und nicht minder groteske Ergänzung. Ein lächerliches, vulgäres doch gleichwohl gefährliches Paar.

„Wenzel töten, da bin ich dabei.“

Wem sich die Chance bietet, die Macht zu ergreifen, der macht das. Bald rufen alle Anhänger Vater Ubus zur Ermordung von Polens König Wenzel „Hurra – Kopf ab“. Doch der neue König, König Ubu, ist kein guter König, jedoch zumindest ein ehrlicher: „Keinen Pfunzen gebe ich her. Ich will mich bereichern.“ Das tut er. Er lässt töten, wen er will. Er besteuert, was er will und er holt sich, was er will. Das Volk beruhigt er mit geistlosen Spielen und hirnloser Unterhaltung. Der Russenkönig – Putin lässt grüßen – bietet ihm schlussendlich Einhalt. Plötzlich ist der Egomane selbst das „arme“ Opfer. Er versteht die Welt nicht mehr. Er hat, so sieht er das, doch nichts Schlimmes getan. Er fühlt sich gänzlich ungerecht behandelt. Szenen, die uns bekannt vorkommen.

Grotesken wie „König Ubu“ sind da, um ein verzerrtes, komisches Bild der Realität zu zeichnen. Ein überaus komisches Bild, gespickt mit unzähligen, genialen Anspielungen und Anleihen, kreiert Regisseur Stephan Kasimir auf der Kosmos-Bühne mit seiner Inszenierung. Mit aufblasbaren Waffen wird gegeneinander gekämpft. Ubu zieht mit Klobürste, Pümpel und Kehrwisch in den Krieg. Gefolge wie Gegner tragen Feinripp. Mutter Ubu ist eine Mischung aus Melania Trump und Peggy Bundy. Debil anmutende Musikeinlagen bringen das Publikum zum Schmunzeln. All das Groteske, Übertriebene, Vulgäre und Lächerliche auf der Bühne verzerrt die Realität jedoch nicht. Im Gegenteil: Die Geschichte rund um „König Ubu“ kommt der heutigen Realität sehr nahe. Das Publikum sieht ein genaues Abbild der heutigen Zeit. Es wird dennoch gelacht. Vielleicht weil die unschöne Realität ohne das Lachen nicht mehr erträglich ist.

Eine Krone für das Ensemble

Nach 90 Minuten und einer abschließenden Seefahrt hat die Regentschaft König Ubus ihr vorübergehendes Ende. Das Publikum jubelte dem gesamten Ensemble und dem Leading-Team begeistert und anhaltend zu. Was das Ensemble: Hubert Dragaschnig, Daniela Gaets, Anwar Kashlan, Ronald Kuste, Wolfgang Pevestorf, Ayman Jindi, Sandra Loser und Simone Loser (die Geschwister Loser haben vor Kurzem schon beim ersten Kosmodrom-Weekend des Jahres überzeugt), in eineinhalb Stunden geleistet hat, ist eine schauspielerische Höchstleistung: Rollen- und Kostümwechsel fast im Minutentakt und jede Figur unvergleichlich präzise dargestellt. Alfred Jarry würde sich geehrt fühlen, würde sich die große Krone von König Ubu aufsetzen und sich das Stück bei nächster Gelegenheit noch einmal ansehen.

Weitere Vorstellungen: 24. Februar, 20 Uhr, 2. und 3. März, 20 Uhr, 9, 10. März, 20 Uhr; 11. März, 17 Uhr; 16. und 17. März, 20 Uhr,

18. März, 17 Uhr; 23., 24. März, 20 Uhr