Der Reggae-Mann im Stangenwald

Sport / 23.02.2018 • 20:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Philipp und Manuel Feller sind für jeden Spaß zu haben. VN
Philipp und Manuel Feller sind für jeden Spaß zu haben. VN

Manuel Feller ist nicht nur ein fantastischer Skifahrer. Er ist einer der wenigen Typen im Skizirkus.

Ski Alpin Die Presskonferenz mit Slalom-Bronzemedaillengewinner Michael Matt steht kurz vor dem Anfang, da passiert Manuel Feller den Raum. Laut klatscht er beim Durchgehen seinem Kumpel, die wartenden Journalisten drehen sich um, die Herren am Podium schauen verdutzt. Am Ende lachen alle, während Feller schon wieder weg ist.

Ein standesgemäßer Auftritt des 25-jährigen Fieberbrunners mit der langen blonden Mähne. So wie das satirische Werbevideo für die Tiroler Olympiabewerbung, in dem Feller als rustikaler Tiroler in Lederhosen und Tiroler Hut auftritt und über die Vorteile einer Bewerbung daherblödelt. Das Video erlangte Kultcharakter.

Feller ist ein Typ, mit dem man die berühmten Rösser stehlen kann. Der Freak im ÖSV-Team. Das haben viele Mitarbeiter im Österreichhaus sofort gemerkt. Dort ist Feller gern gesehener Stammgast und für jeden Spaß zu haben.

Harte Arbeit

Feller, die leutselige Frohnatur, das ist die eine Seite des Tirolers. Feller der schnelle Slalom- und Riesentorläufer, die andere. „Dafür arbeite ich hart und viel. Vielleicht noch mehr als andere. Weil ich das wegen meines schweren Bandscheibenvorfalls auch muss.“ Vor vier Jahren war das. Fellers Karriere stand damals auf der Kippe. Dank viel Therapie und konservativer Behandlung kam er zurück und bezeichnet sich heute als Athlet, der „seit diesem gesundheitlichen Problem sehr konsequent ist. Auch wenn man mir das vielleicht nicht ansieht“.

Im Olympiaslalom sei er chancenlos gewesen. „Das lag aber nicht an der Nackenverletzung. Beim Fahren spüre ich die überhaupt nicht. Wir haben es einfach im Team nicht geschafft, uns materialmäßig auf die Verhältnisse einzustellen. Von daher war das, was ich am Donnerstag gebracht habe, das Maximum.“ Viel mehr geschmerzt habe ihn der Ausfall im Riesentorlauf. „Da war ich schnell, habe es dann aber selbst verbockt.“

Vorbild Bob Marley

„Bei de Leit“ sei er gerne, wenn er einmal eine Stunde frei habe. „Um mich abzulenken und nicht 24 Stunden bei dem Scheiß zu sein, wo eh alles so ernst ist.“ Das Leben als ernste Sache beschränkt sich bei Feller definitiv auf seinen Job, das Skifahren. Der Rest seines Daseins gehört Dingen, die ihn weniger disziplinieren. „Ich gehe gerne mit Freunden aus“, sagt der Fieberbrunner. „Deswegen kommt’s, dass ich, wenn ich einmal zu Hause bin, wenig bei den Eltern bin und meine karge Freizeit eben mit Freunden verbringe.“

Ein großes Vorbild hat er auch. Keinen Skifahrer. „Es ist Bob Marley. So wie der gelebt hat, von der menschlichen Seite. Bob Marley hat sich selbst nicht so wichtig genommen und einmal gesagt: ‚Das, was du für dich erreichst, ist nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, wenn du Menschen in deinem Umfeld positiv beeinflusst.“ Raeggae und Dancehall, die Weiterentwicklung des Raeggae, ist die Musik, die sich der Slalomdraufgänger Feller auch vor den Rennen zuführt. Dann, wenn er völlig ungestört sein möchte. „ Bis 20 Minuten vor dem Lauf red‘ ich noch gerne mit anderen. Aber wenn ich die Kopfhörer aufsetze, dann will ich meine Ruhe, dann bin ich nur für mich alleine da.“ Seinem Idol Bob Marley war Feller in Jamaica auch schon am Grab.

Leben nur in Plan A

Manuel Feller ist ein Mann, der kleinen Plan B braucht, so lange er in Plan A steckt. Soll heißen: Er weiß nicht, was er nach seiner Skikarriere einmal machen will. Skifahren war seine Vergangenheit, ist seine Gegenwart und auch seine Zukunft. Die Zukunft nach der Zukunft? Darüber macht sich der Fieberbrunner, der in Südkorea auch von seinem Bruder Philipp unterstützt wird, keine Gedanken. Nur eines weiß er jetzt schon: „Ich will irgendwann nicht mehr so viel reisen wie jetzt. Ich will irgendwann das Gefühl haben, ich habe ein echtes Zuhause.“ VN-HK